Six.By Seven - Artists cannibals poets thieves

Six.By Seven- Artists cannibals poets thieves

Saturday Night Sunday Morning / Mantra / Cargo
VÖ: 22.08.2005

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Laut Servus

Wenn vertraute Menschen gehen, dann wirft man ihnen für gewöhnlich nette Sachen an den Kopf. "War schön mit Dir" und "Laß von Dir hören"! Wenn vertraute Rockbands gehen, und das gleich für immer, dann mag man deshalb so recht keine schlechten Worte finden. Seit 1991 intonierten Six.By Seven aus dem Königreich ihren Shoegazer-Rock. Immer etwas schludrig, immer mit sattem Hall und neuerdings durchaus auch mit bemühtem Einsatz der neuen technischen Gegebenheiten. Immer jedoch auch ein ganzes Stück entfernt von dem, was positiv oder negativ aufregen könnte. Six.By Seven machen jetzt Schluß und bringen nach einer endlosen Labelwanderung das neue Album "Artists cannibals poets thieves" im Selbstverlag heraus. Ein dickes Ausrufezeichen hinter einer 14 Jahre (!) währenden Karriere setzt der letzte reguläre Longplayer jedoch nur bedingt.

Bedingungsloser Respekt für dieses Album ist fehl am Platze. Six.By Seven setzen keinen Deut auf melodische Varianz. Stattdessen verzerren sie an manchen Stellen Gitarren bis zur Unkenntlichkeit. Wohlwollend beschriebe man dann dies mit dem Wort "sphärisch". Kritisch notierte man "schludern". Und wenn dieses Schludern Masche ist, dann mag noch nicht mal dies als Einwand geltend gemacht werden. Sie können es nicht besser? Sie wollen es nicht anders! "All I really want from you is love" ist so ein Song. Nach einem gezupften Baßlauf singt der wuchtige Chris Olley sich in Rage. Die Grenzen zwischen den Instrumenten verschwimmen. Rauschende Orgeln, detonierende Gitarren.

In "Nowhere to go but home" erkennen wir ja zu Anfang wohlwollend das The-Cure-lastige Intro. Was folgt, ist einmal mehr ein Refrain, der verschwimmt, bei dem die Orgel aus der letzten Pore des Lautsprechers wummert, und sich einmal mehr alles zu einer einzigen Tonbrühe verläuft. Der erste kleine Aufreger gelingt dann im fuchtelnden "In my time (We don't belong). Ein wütendes Saxophon faucht da verabschiedende Töne. Ein Pfeifen aus dem letzten Loch. Vertonte Tristesse! Die musikalische Skizze des Alltags in der Großstadt. Die Hoffnung schimmert. Und gleich mal die Frage, warum Songs mit eingeklammerten Zusätzen eigentlich immer noch Hochkonjunktur haben?

Wirklich richtig schön durchgedreht wird es schließlich mit "Stara Paris rescued me". Vielleicht ist dies die neue Richtung, in die sich Mastermind Chris Olley entwickeln will. Elektro-Shoegazer-Rock. Synthesizer und (natürlich) wieder verzerrte Gitarren. Was bleibt? Wackelnde Füße. Das Highlight! Das Überlebenszeichen dann am Ende: "You know I feel alright". Wieder so ein elektronisches Piepsen und Zirpen. Die Gitarren verstummen, und zum Ende bleibt nur das elektronische Klangbild. Ein Aufbruch zu neuen Ufern? Das Ziel ist vor Augen. Wir können sie also beruhigt in ihre Freiheit entlassen. Cheers, Ihr Guten! Laßt mal von euch hören!

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • Stara Paris rescued me
  • You know I feel alright now

Tracklist

  1. All I really want from you is love
  2. Nowhere to go but home
  3. In my time (We don't belong)
  4. (tonight) i wanna make it our
  5. (I gotta) get it together again
  6. Stara Paris rescued me
  7. Just get it down
  8. Let's throw some mud at the wall
  9. You know I feel alright now

Gesamtspielzeit: 40:06 min.

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