Maplewood - Maplewood

Maplewood- Maplewood

Raufaser / Tapete / Edel
VÖ: 15.08.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Sonnensystem

Ein knappes halbes Jahr ist es her, daß die sympathischen Orange Peels aus dem kalifornischen Sunnyvale mit einer hervorragenden Westcoast-Pop-Platte freudig überraschten. "Circling the sun" verführte zum Verhalten eines chronisch Spielsüchtigen: Man steckte erwartungsvoll all seine Hoffnungen in den Sonnenjackpot des Sommers 2005. Bedauerlicherweise vermochte zumindest Deutschland nicht, diesen zu knacken - bis jetzt. Denn die Saison ist noch nicht vorüber, und manchmal kommt aus vollkommen unerwarteter Richtung etwas Herzerwärmendes. Zum Beispiel aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn: 12-saitige Gitarren, dreistimmiger, höchst harmonischer Gesang, Pedal Steel und - man mag es kaum glauben - relaxter, sonniger Westcoast-Pop. Passenderweise ziert auch noch ein Orangenhain das Cover des Maplewood-Debüts.

Bei den Musikern des 2001 gegründeten Quintetts handelt es sich allerdings keineswegs um Neulinge: Maplewood ist die Zweitband des Nada-Surf-Drummers Ira Elliot und Mark Rozzo bereits als Sänger von Champale bekannt. Nun widmen sie sich aber mit aller erdenklichen Hingabe dem Entstauben von Plattensammlungen aus den frühen Siebzigern, verwandeln Muff in Jasminduft und den Regenblues in Sonnenwalzer. In diesem ganz speziellen Ahornwald möchte man sehr gerne Hänsel und Gretel sein. Hier macht verirren - die prachtvollen Song-Bäume sind sich nämlich alle relativ ähnlich - größten Spaß. Der Opener schürt Vorfreude auf den "Indian summer", man spürt schon den Sand zwischen den Zehen und den Wind, der um die Canyons saust und hin und wieder auf Nasenspitzen Rast macht.

Wir lernen "Darlene" und "Caroline Jasmine" kennen, zwei wirklich ganz zauberhafte Schönheiten, denen wunderbare Melodien auf den Leib geschneidert wurden. Bei Maplewood geht es nicht nur um den formvollendeten California-Sound, sondern auch um die Philosophie des Momentgenießens: "Summer's almost over / Lean your head back and lay in the clover", rät Rozzo dem "Little dreamer girl" und klingt dabei wie der junge Tom Petty. Aber auch durch den dichten Ahornwald bahnen sich gelegentlich graue Wolken des Selbstzweifels ihren Weg: "4 a.m. / Again awake / Wish I could give more than I take [...] / 5.a.m. / Again asleep / Wish I could give more than I keep." In diesem Fall empfiehlt sich ein Ausflug nach "Santa Fe". Dort findet man all das, was die Thrills auf ihrem zweiten Album vermissen ließen.

Gastmusiker Alan Weatherhead (Sparklehorse) sorgt für Pedal-Steel-Country-Feeling, während Maplewood ewige Freundschaft versprechen. Und sie meinen es wirklich ehrlich, noch im nächsten Song, dem ruhigen "Bright eyes", fragt Mark Rozzo: "Is there something you want to get off your chest?" Ein leises Cello malt das Fragezeichen nach. Und dann wird endlich mit der Sprache rausgerückt, in einem Tonfall, der sogar in amerikanischen Collegeradios offene Ohren finden würde: "Be my morning star!" Spätestens bei "Poconos" grinst man zufrieden in sich hinein, und vergißt das nervenzehrende Regenpanorama vor dem Fenster. Zuversicht schiebt sich vor die Wolken: "You'll find your way and I'll find mine." Und der "Indian summer" findet auch noch seinen Weg. Bestimmt. Geht doch ganz einfach: Er muß nur der Orangen-Fährte folgen.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Darlene
  • Santa Fe
  • Be my friend

Tracklist

  1. Indian summer
  2. Darlene
  3. Gemini on the way
  4. Little dreamer girl
  5. Santa Fe
  6. Be my friend
  7. Bright eyes
  8. Morning star
  9. Sea hero
  10. Think it through
  11. Poconos
  12. Carolina Jasmine
  13. Desert queen

Gesamtspielzeit: 43:34 min.

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