Kaizers Orchestra - Maestro

Kaizers Orchestra- Maestro

Vertigo / Universal
VÖ: 15.08.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Hammerhart

Wir müssen sie nicht mehr vorstellen, diese sechs Norweger, die doch immer nur spielen wollten. Inzwischen haben selbst Bon-Jovi-Fans irgendwo mal von "dieser durchgeknallten Band mit den Ölfässern und der Gasmaske" gehört. Wer das Orchester einmal live gesehen hat, ist ihm auf Anhieb verfallen. Und wer dieses Glück nicht hatte, wird vielleicht nie verstehen, wie eine derart verstrahlte Musik derart viele Hörer finden konnte.

Kaizers Orchestra haben also eine solide Fanbasis in Deutschland. Dort war das Entsetzen groß, als rauskam, daß die Band ihr Drittlingswerk bei einem Major veröffentlichen würde. Schon sah sich die Band plötzlich mit "Selløut!"-Rufen konfrontiert und hatte noch nicht mal Zeit, ihr Quasi-Konzeptalbum zu erklären: "Maestro" soll kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs in einem Irrenhaus spielen, dessen Leiter Dieter Meyer (nicht zu verwechseln mit dem Sänger von Yello) sein eigener bester Kunde sein könnte. Das hört man, sogar wenn man des Norwegischen immer noch nicht mächtig ist, denn die Musik ist wieder voll von düsteren Motiven und perkussivem Wahnsinn.

Und doch ist "Maestro" anders als seine Vorgänger: die Single gleichen Namens könnte man beinahe als überproduziert bezeichnen, und statt mit Pumporgel und Gypsy-Rhythmen sind die Songs immer öfter voll von tanzbaren Beats und Rock'n'Roll-Gitarren. Gingen die Vorgängeralben als "Beerdigungsmusik" durch, ist "Maestro" eine Platte für Hochzeiten. Für durchaus viele sogar: "Blitzregn baby" ist der beste White-Stripes-Song, der nicht von den White Stripes ist, "Delikatessen" eine Surfer-Hymne für skandinavische Tarantino-Filme, "Christiania" dafür eine richtig anrührende Ballade. Also jede Menge neue Kleider bei Kaizers? Jein. Kaizers Orchestra sind schon noch Kaizers Orchestra, sie haben sich nur weiterentwickelt. Während "Evig pint" noch die logische Steigerung von "Ompa til du dør" war, nimmt "Maestro" gleich mehrere Stufen auf einmal.

Mitunter klingt das Album richtig gutgelaunt. Selbst, wer mit der Band zuvor nichts anfangen konnte, dürfte am Pop-Appeal des einen oder anderen Songs gefallen finden. Sicherlich fehlt mitunter der morbide Charme, dafür kann man nun auf Kaizers-Orchestra-Songs tanzen, ohne dabei schwerfällige Polonaisen vollführen zu müssen. Es nützt nichts, stundenlang Vor- und Nachteile abzuwägen. Dies ist nun mal die neue Kaizers-Platte. Und wenn man mal alle Vorurteile über Bord wirft, stellt man fest, daß es vielleicht ihre beste sein könnte.

(Lukas Heinser)

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Highlights

  • Maestro
  • Blitzregn baby
  • Christiania
  • Delikatessen
  • Auksjon (i Dieter Meyers hall)

Tracklist

  1. KGB
  2. Maestro
  3. Knekker deg til sist
  4. Senór Flamingos adieu
  5. Blitzregn baby
  6. Dieter Meyers Inst.
  7. Christiania
  8. Delikatessen
  9. Jaevel av en tango
  10. Papa har lov
  11. Auksjon (i Dieter Meyers hall)
  12. Pá ditt skift

Gesamtspielzeit: 45:28 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Günni
2014-05-17 10:53:43 Uhr
Falls es jemanden interessiert: die Platte, lange Zeit nicht mehr erhältlich, ist auf dem bandeigenen Label Kaizerecords in Vinyl neu aufgelegt worden!
OxildSepAdeli
2010-05-21 04:22:31 Uhr
Artiggirlcell
rbgf
Strombuli
2006-07-17 00:18:31 Uhr
wollte an dieser Stelle mal mitteilen, dass ich diese Band zutiefst verabscheue. Danke für die Aufmerksamkeit.
The MACHINA of God
2006-04-04 22:08:48 Uhr
Fotos davon? :)
bee
2006-04-04 21:08:44 Uhr
das "Major-Rockstarding" war für mich reine Persiflage, denn wer macht schon auf Rockstar mit Gasmaske auf und hämmert dabei auf Fässern rum? und die Musik war keinesfalls mainstreamig.
dass nun ein Mädel mit dem Sänger auf offener Bühne das Hemd tauscht ist wohl noch am ehesten Rockstarding (und grade wieder nicht) ,-)
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