The Walkabouts - Acetylene

The Walkabouts- Acetylene

Glitterhouse / Indigo
VÖ: 08.08.2005

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Schweißnähte

Es war beidseitige Ignoranz. Seit Jahren schon straften die Vereinigten Staaten von Amerika die Band von Chris Eckman mit Mißachtung. Also kehrte er ihnen - nicht nur der Liebe wegen - den Rücken. Seine Walkabouts hatten ihren Lebensmittelpunkt ohnehin mehr und mehr in Richtung Beverungen, Ostwestfalen verlegt. Als Eckman schließlich doch nach Bushland zurückkehrte, war es fast wie ein Kulturschock. Heuchelei, Ungerechtigkeit, Lügen - aus europäischer Perspektive fällt der alltägliche Wahnsinn im "land of the free" wohl noch deutlicher ins Auge. Da kann einen schon mal der heilige Zorn packen.

Also drehten die Walkabouts für ihre Rückmeldung nach vier Jahren Quasi-Auszeit die Regler nach langer Zeit mal wieder auf Zehn. Um abzurechnen. Um anzuprangern. Um nicht zuletzt sich selbst aufzurütteln. "This doesn't seem like the end / It seems more like a bad beginning", spuckt Eckman schon im bäßbeißigen Opener "Fuck your fear". So rauh und zäh malmten die Gitarren seit "New west motel" nicht mehr. Und das hielt man damals mitten im Seattle-Hype ja sogar für Grunge.

Tatsächlich splittern die Gitarren von "Kalashnikov", "Before this city wakes" oder "Coming up for air", als hätte sie Feedbackgroßmeister Neil Young persönlich zerschunden. "Acetylene" ist für die Walkabouts nichts weniger als die Wiederentdeckung des Rock. An der Wurzel gepackt und mit blutigen Fingern vor brutzelnde Röhrenverstärker geworfen. Und dabei wie die titelspendierende Chemikalie ständig in Gefahr, Feuer zu fangen.

Selbst in ruhigen Momenten wie "Northsea train", in denen Carla Torgersons herbes Organ wie stets jedes Härchen auf dem Rücken einzeln aufstellt, wummert fast immer der Baß zu bratenden Gitarren. Wahrer Schönheit kann das freilich nichts anhaben. Im Gegenteil. Das langsam wogende "The last ones" zerbricht schmerzvoll an Felsen aus Schwermut und Verzweiflung. Und "Devil in the details" bewegt gerade wegen der Verbindung aus schroffem Groove und anmutiger Zerbrechlichkeit. "The future is a muscle you don't have", stellt Torgerson hier klar. Das hier ist nicht die Zukunft des Rock'n'Roll. Aber ein eindringliches Stück Gegenwartsverarbeitung.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Devil in the details
  • Whisper
  • Northsea train
  • The last ones

Tracklist

  1. Fuck your fear
  2. Coming up for air
  3. Devil in the details
  4. Whisper
  5. Kalashnikov
  6. Have you ever seen the morning?
  7. Northsea train
  8. Acetylene
  9. Before this city wakes
  10. The last ones

Gesamtspielzeit: 52:41 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Hogi

Postings: 295

Registriert seit 17.06.2013

2019-09-16 13:15:17 Uhr
Find sein Projekt The Strange zusammen mit den Bambi Molesters seeehr gut...das Album Echo Chamber klingt zum Teil sehr nach den Walkabouts.

timo

Postings: 74

Registriert seit 28.07.2017

2019-09-15 08:57:46 Uhr
Danke für den Tipp! Da werde ich beizeiten mal reinhören.

Ich habe vor einiger Zeit schon das Projekt 'Dirtmusic' entdeckt, welches C.E. gemeinsam mit Hugo Race sowie unterschiedlich wechselnden Musikern, wie z. B. der Tuareg-Combo 'Tamikrest' oder Murat Ertel von 'Baba Zula', betreibt.

Herr

Postings: 858

Registriert seit 17.08.2013

2019-09-14 20:44:16 Uhr
Und seinen Seitenprojekten und Prduktionsaktivitäten. Sehr zu empfehlen:
The Bambi Molesters: eine rein instrumental spielende Surf-Band aus Kroatien.

carpi

Postings: 578

Registriert seit 26.06.2013

2019-09-14 18:28:37 Uhr
Kann vor allem "New West Motel" (1993) und "Ended up a stranger" (2001) empfehlen, vor sechs Jahren habe ich Chris Eckman nochmal live erleben dürfen, habe jetzt aber schon lange nichts mehr von ihm bzw. über ihn gehört.
Schon richtig, mit der recht langen Discographie könnte man sich noch intensiver beschäftigen.

timo

Postings: 74

Registriert seit 28.07.2017

2019-09-14 15:15:54 Uhr
Viel zu spät habe ich dieses tolle Album (sowie "Train leaves at eight") und damit erst diese tolle Band entdeckt. Ein Versäumnis, wie sich herausgestellt hat. Dabei bewege ich mich schon seit etlichen Jahren (festival- sowie musiktechnisch) im Glitzerhaus-Umfeld.

Diese beiden Alben stellen bei mir grad den musikalisch entspannenden Ausgleich zur übergroßen Tool dar.

Falls irgendwer Bedarf nach dunkel brodelndem Alternative Americana Folk Country Rock (oder so) hat: Die CD gibt es zurzeit bei Glitterhouse für unglaubliche 3,95 €.
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