Pelican - The fire in our throats will beckon the thaw

Pelican- The fire in our throats will beckon the thaw

Hydrahead / Indigo
VÖ: 22.08.2005

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

In der Tiefe des Raumes

Vor dem Sturm ist Ruhe. Eine Weile passiert fast nichts. Ehe das Unwetter wuchtig losbricht, türmen und sortieren sich minutenlang die Wolkenberge. Träge ziehen sie vorwärts. Ohne Hast, ohne Eile. Dafür aber mit gehörigem Nachdruck. Erbarmungslos fegt es über Mann, Haus und Maus hinweg. Wenn die Wolkendecke kurz aufreißt, streut die Sonne warme Lichtstrahlen auf die verwirbelten, zerfetzten Landstriche. Doch am Horizont kleben weitere naßkalte Schwaden. Und sie rücken unerbittlich näher.

Sphärische Obertöne überglitzern einen dunklen Akkord, werden in sanftem Crescendo faßbarer für's Ohr, brechen unvermittelt ab. In die Sekunden der Stille bricht dann die volle Breitseite. Meterdicke Gitarrenwände, die von schwerem, schleppendem Schlagzeug vorangepeitscht werden. Der Klangkoloß namens Pelican kommt ins Rollen und walzt sich vorwärts. Eine Gitarre spielt ostinate Motive über die sekundenlang stehenden, verzerrten Akkorde. Der Druck schwillt an. Jetzt wird alles weggemäht, was sich nicht bei drei in brettervernagelte Zufluchten geflüchtet hat. Einige Minuten lang gibt's die volle Kelle, dann ebbt die Welle langsam ab, macht einigen wohlklingenden, klaren Momenten Platz. Doch die Stille ist trügerisch, braut sich doch schon die nächste Wuchtladung am Horizont zusammen.

Mit "The fire in our throats will beckon the thaw" haben Pelican einen absolut veritablen Instrumetal-Monolithen rausgerotzt. Recht flott sind Vergleiche zum großen Letztwerk von Isis bei der Hand - Pelican sind aber bei allen Ähnlichkeiten schon eine sehr eigene Tasse Tee, nicht zuletzt durch den kompletten Verzicht auf Gesang. Jedoch: Auch hier werden riesige Bögen gespannt in ihren Klang-Epen. Die zehn Minuten-Dauer wird im Vorbeigehen geknackt. Nur langsam, fast minimalistisch malmen sich die Stücke vorwärts, leben von den behutsam gesteigerten Wiederholungen, jedes Mal um eine winzige Facette reicher, einen minimalen Tick schneller, lauter, eindringlicher, ehe der Druckwellenkamm erreicht ist und die aufgetürmten Schichten zusammenbrechen.

Urplötzlich tauchen dann klare, unverzerrte Gitarrenklänge aus der Stille die Stimmung in völlig anderes Licht. Zerbrechliche Zartheit ergreift für wenige Momente das Zepter. Der Drummer nimmt die Sticks hoch, ruht sich einige Zeit aus, um Kraft zu tanken für das folgende, nach vorn bretternde Doublebassgewitter. Nach knapp einer Stunde herrscht plötzlich völlige Stille. Vorbei. Erschöpft sinkt man zurück in den Stuhl. Überwältigt, mitgerissen, gebannt, verzaubert. Doch nach kurzem Durchschnaufen zuckt der Finger gleich wieder in Richtung Play-Taste. Ein großer, hypnotischer Trip.

(Ole Cordsen)

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Highlights

  • Last day of winter
  • March to the sea

Tracklist

  1. Last day of winter
  2. Autumn into summer
  3. March to the sea
  4. Red ran amber
  5. Aurora borealis
  6. Sirius

Gesamtspielzeit: 58:44 min.

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