Heather Nova - Redbird

Heather Nova- Redbird

Columbia / Sony BMG
VÖ: 08.08.2005

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Suppenhuhn

Es ist seit jeher ein schlimmer Irrtum unter Musikern, daß allgemein geglaubt wird, man müsse Lieder für seine Kinder schreiben, sobald man mal welche kriegt. Liam Gallagher hat zum Beispiel einst probiert, menschliche Züge zu zeigen, indem er seinem neugeborenen Stammhalter ein "Little James" widmete - und damit eigentlich doch nur unter Beweis gestellt, daß ihm die Rolle des kotzbröckelnden Großmauls bedeutend besser steht, als die des langweilenden Erziehungsberechtigten. Und Heather Nova? Ist natürlich weder Kotzbrocken noch Großmaul. Aber neuerdings Mutter und ein ähnlich unbegabter Kinderliedautor wie der kleine Gallagher. "Motherland" hat sie den Song zum Kind genannt, "Redbird" ihr erstes postnatales Album. Und das, Baby, das zeigt Dir den Vogel. In zwölf Akten.

Abgesehen davon, daß Nova nun also zukünftig diverse MILF-Listen beehren wird und diesmal auf die Hilfe von Mercury Rev verzichtete, die ihre letzte Platte "Storm" ja noch zu einer stimmungsvollen Fuhre Edelkitsch hochproduziert hatten, hat sich allerdings nicht viel getan auf den Bermudas. Die Stimmung ist ähnlich hängemattig wie beim Vorgänger, die Instrumentierung aber nicht mehr vornehmlich akustisch, und das Songwriting leider drei Etagen tiefer angelegt. Gleich der Opener "Welcome" klingt wie eine harmlose Version der harmlosen Dido, und na hoppla, die hat sogar dran mitgeschrieben. Wenn später gar wieder gerockt wird, macht Nova das allerdings doch lieber alleine. Und hört sich an, als hätte man ihr den Marshallverstärker mit alten Kissen ausgestopft.

Schlimmster Feind von "Redbird" ist aber weder eine 30jährige Teen-Pop-Schmusebacke, noch der klägliche Versuch, an alte Zeiten anzuknüpfen. Was der Geschichte richtig in die Haxen grätscht, ist Novas nervtötende Stimmakrobatik, die man so ausgeprägt auch noch nicht erlebt hatte. Es heult, jault und jodelt in einer Tour, unter fünf Kilo Bedeutungsschwere kommt keine Silbe aus der Sache raus, und in "Overturned" wird dann sogar, nun ja, gerappt. Mit dem Flow eines Schirms und dem Charme einer Melone. Sheryl Crow darf sich verantwortlich fühlen. Obwohl sie doch eigentlich nur ein bißchen Spaß haben wollte.

Weil wir hier keinen Lance Armstrong haben, der uns über den Berg bringen könnte, müssen wir außerdem noch miterleben, wie Nova zum betretenen Schnarchen eines peinlich berührten Backgroundchors "I'm done drifting / I'm ready for living" bekennt und im Geiste vermutlich einen Bausparvertrag abschließt. Tiefer schafft es da nur noch Chris Isaaks "Wicked game". Es ist natürlich der beste Song auf "Redbird", wird aber so ehrfürchtig und originalgetreu nachgespielt, daß es letztlich eher einer Karaoke-, denn einer Coverversion gleicht. Amazon tut also nur gut daran, diese Platte im Bündel mit Alanis Morissettes jüngstem Akustik-Desaster Jagged little pill acoustic anzubieten. Wer seinem Geld aber etwas Gutes tun will, der kauft sich besser ein Vogelhaus.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

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Tracklist

  1. Welcome
  2. I miss my sky (Amelia Earhart's last days)
  3. Motherland
  4. Redbird
  5. Done drifting
  6. Overturned
  7. Mesmerized
  8. Singing you through
  9. A way to live
  10. Wicked game
  11. This body
  12. The sun will always rise

Gesamtspielzeit: 51:17 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Mixtape
2008-04-12 08:03:41 Uhr
Ihrt Ehemann heißt auch Felix Todd unf nicht Felix Tod.
Greylight
2008-04-12 00:39:56 Uhr
Bekannt wurde die bezaubernde Sängerin 1995 mit dem Erfolgsalbum „Oyster
“ und dem Hit „Walk This Way“


Ähem... "Walk This Way World". ^^
desaparecido
2008-04-12 00:24:42 Uhr
28 euro? ob noch so viele leute bereit sind so viel geld für sie auszugeben ohne dass es wirklich neues material von ihr gibt?
Armin
2008-04-11 22:57:50 Uhr
Liebe Freunde und Medienpartner,

Zuletzt war sie im Oktober 2005 in deutschen Konzerthallen unterwegs. Drei
Jahre später kommt die US-amerikanische Songwriterin nun endlich wieder auf
Tournee nach Deutschland. Rechtzeitig zu den Konzerten soll ein
Best-Of-Album der 40jährigen Musikerin erscheinen.

Nachdem Heather Nova fast zwei Jahrzehnte in London gelebt hat, ist sie
inzwischen wieder auf den Bermudas zuhause, dort, wo sie geboren und
aufgewachsen ist. Zusammen mit Ehemann und Produzent Felix Tod und dem
gemeinsamen, vierjährigen Sohn Sebastian geniesst sie das Leben in der
Natur, wobei sie seit ihrer Rückkehr ausgesprochen aktiv an zahlreichen
Umwelt- und sozialen Projekten in ihrer Heimat teilnimmt.

Bekannt wurde die bezaubernde Sängerin 1995 mit dem Erfolgsalbum „Oyster
“ und dem Hit „Walk This Way“ Weitere Hits wie „Truth And Bone“, „Maybe An
Angel“ oder „Head And Shoulders“ folgten. Ebenso erfogreiche Alben wie
„Siren“, „South“, „Storm“ und zuletzt „Redbird“ (2005).

Der melodiöse Folkrock von Heather Nova mag heute als Blaupause für viele
der hochgelobten jüngeren Garde von Songwriterinnen dienen. Schön, dass das
Original endlich auch wieder auf Tour ist. Begleitet wird Heather Nova von
ihrer Band.

Mehr Infos unter www.heathernova.com und www.myspace.com/heathernova


In Hamburg und Berlin ist im Vorprogramm das aus Boston kommende Rock-Trio
Scarce zu sehen. Mehr Infos unter www.myspace.com/scarcetheband




HEATHER NOVA
Special Guests: SCARCE (nur Hamburg und Berlin)

Mi 15.10.2008 Hamburg-Große Freiheit 36 EUR 28,00
Do 16.10.2008 Berlin-Columbiahalle EUR 28,00
Di 21.10.2008 München-Muffathalle EUR 28,00
Mi 22.10.2008 Stuttgart-Theaterhaus EUR 28,00/EUR 32,00
Fr 24.10.2008 Köln-E-Werk EUR 28,00

VVK über www.kartenhaus.de oder 01805-969 0000/14 ct pro Minute

Pop-Profi
2006-04-04 19:20:36 Uhr
Die Rezension war mal wieder so ein klassischer Fall von falscher Kritiker hört falsches Album mit falscher Einstellung. Aus poptechnischer Sicht aber ist Redbird ein Kleinod, das locker 9/10 Punkte verdient.

Auffallend in der Kritik war die Reduktion des Albums auf die platten Mama-Texte. Mama Nova darf das nicht. Mama Bush aber schon. Die bekommt selbst bei Weisheiten wie "Washing machiieeene" oder "¶" noch 8/10 Punkte.
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