Minusmen - Discordia

Minusmen- Discordia

Gorilla / Cargo
VÖ: 23.05.2005

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Schotterpiste

Wieviele Nachwuchsbands mag es wohl in Deutschland geben? Bands, die hartentschlossen durch Jugendzentren tingeln, unzählige Demos zusammenbasteln und doch nie auch nur einmal ein Absageschreiben von einem Plattenlabel bekommen? Und nach wievielen Jahren der Erfolglosigkeit wird wohl durchschnittlich der Rockstartraum beerdigt, um doch noch die von Eltern empfohlene, grundsolide Bankkarriere anzupacken? Drei Jahre? Fünf? Minusmen begehen nächstes Jahr ihr Zehnjähriges, alte Hasen also eigentlich schon. Mit dem Plattenlabel hat es vor einiger Zeit schon geklappt, und auch ihr Zweitwerk "Discordia" ist kein Grund, die Instrumente in die Ecke zu stellen.

Die drei Kölner liefern nämlich eine schön deftige Rockscheibe ab, die wieder einmal mehr beweist, daß in Deutschland mehr geht als Bratwurstigkeit und glänzende Erzeugnisse der vorbildlichen Automobilindustrie. Nein, Minusmen basteln sich ihren robusten Boliden mit kantigen Gitarrensound und kräftigem Druck nach vorne. Geradezu perfekt für kurze Ausflüge auf die noisige Schotterpiste. Andere Karossen mögen vielleicht schneller sein, aber die werden dann eben mit der abgehackten "Scarecrow" von der Piste gehämmert. Oder schon von vorneherein durch den versponnenen Schleier des schön düsteren "I like to open my mouth" abgeschreckt.

Aber keine Angst, man muß sich nur einmal an der dicken Hose des hämisch singenden Fahrers Jimi Gomorra vorbeiquetschen. Dann gibt es zwar nicht unbedingt liebliches Verständnis und introvertiertes Sorgenzählen, aber poppige Einsprengsel sorgen hier und da für durchschwitzte Harmonie. Rumpelkiste "Discordia" hebt damit in "Some dream of letting go" oder den fiepsigen, hinausgleitenden Synthisounds des Schlußtracks schon beinahe in den entfernten Emo-Himmel ab. Und mag dort vielleicht auch auf Konstruktionsvorbilder treffen. Denn die At-The-Drive-In-Stakkato-Gitarre im flotten "Delphine" scheint sich ebenso wie die Mike Patton ähnliche Raserei in "Puppy" amerikanischer Starthilfe zu bedienen.

Das sind jedoch nur kleine Bauähnlichkeiten, im Ganzen gesehen stellt "Discordia" eine wuchtige Einzelanfertigung der drei Minusmänner dar. Und deswegen braucht diesen vorerst auch niemand mit Anzug und Krawatte zu kommen. Es sei denn, der Anwärter trägt diese Utensilien am eigenen Körper und will mit einer Rundfahrt ´ la "Discordia" dem tristen Alltag des Bankschalters entkommen. Das könnte klappen!

(Tobias Wallusch)

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Highlights

  • Setback
  • I like to open my mouth
  • Delphine

Tracklist

  1. Setback
  2. Surprise ending
  3. I like to open my mouth
  4. Delphine
  5. The golden age
  6. Scarecrow
  7. Puppy
  8. Some dream of letting go
  9. Black heart youth

Gesamtspielzeit: 36:25 min.