Katze - Von hinten

Katze- Von hinten

Zick Zack / Indigo
VÖ: 25.07.2005

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Punk is Dad

"Punk's not dead!" Wenn die mittlerweile zur stumpfen Floskel verkommene Redewendung in der Vergangenheit nicht allzu inflationär bemüht worden wäre, könnte man ja fast auf den Gedanken kommen, noch ganz euphorisch daran zu glauben. Ja, er lebt noch, er lebt noch! Auch Katze zitieren im zwölften Song ihres Debüts "Von hinten" jenen Slogan, der einst eine ganze Subkultur ständig vitalisierte: "Denn ich mag Deine Jugendbewegung / Dein Haß auf das System / Punk's not dead." Dieses ehrwürdige Zitat in jeglichen Ehren. Nur hält es verzweifelt an einem Irrglauben fest, der so schon lange nicht haltbar ist. Die gegenwärtige Musikszene liefert genug Beweismaterial für das vermeintliche Ende des Punk in seinen alten Grenzen. Und auch Klaus Cornfield (früher Throw That Beat In The Garbagecan) und seine weibliche Begleitung Mini Warhol, zusammen sind sie Katze, liefern in den zwölf Stücken zuvor und dem einen danach nicht gerade den Beweis für den einleitenden Slogan. Kurzum: "Von hinten" ist naiver Power-Pop mit schmutzigen Gitarrenakkorden und schrägem Gesang. Postpunk. Der Sound unserer Eltern?

Es ist gleichzeitig ein simples wie vertracktes Konzept, mit dem Katze uns hier aus der Reserve locken. Einerseits sind die Melodien so leicht und unschuldig, daß man sie einfach nur streicheln mag. Andererseits verbohrt sich der weibliche und männliche Gesang in manchen Momenten wie eine böse Kralle in die Ohren. Zumindest der Klamottenberater hat bei Katze ganze Arbeit geleistet. Die Farbe Rosa dominiert sowohl bei Plattencover wie auch bei den Anziehsachen (ein schönes Wort, das vortefflich zum Geist von Katze paßt) der zwei Artisten im Booklet. Rosarote Panther und einmal mehr: Naivität! Die dominiert auch das musikalische Konzept. Den Anfang macht "Ich Katze, Du Hund". Nur Gitarre, Xylophon und kratzbürstiger Gesang. Der programmatische Titel und ein Refrain, der bei Live-Konzerten in bundesrepublikanischen Jugendzentren Fäuste in Lüfte schweben läßt. Oder das Stück "Sie liebt HipHop", eine Abrechnung des Punk mit dem HipHop. Wahrlich keine Brüder im Geiste.

Im manchen Momenten blitzt er dann doch noch mal durch, in einer Light-Variante. Der eingangs bereits zitierte Punk. "Das Geld, der Ruhm und die Mädchen". Das ist schneller Pop. Verdammt schneller. Und deshalb vielleicht doch schon wieder Punk. Oder "Wir machen Lärm". Da rufen sie es so lange, bis auch der größte Laie den selbst verordneten Dilettantismus erkennt und sich an das Konzept von Punkrock erinnert: "Die Akkorde weiß ich noch / Es waren ja nicht soviel." Wovon also dieser Sound am Ende lebt? Was ihn ausmacht? Der Fun-Faktor. Und die Ironie. Irgendwie dann also doch? Punk's not dead. Oder eben nicht? Die Antwort folgt, wie immer, am Ende. Da singen Katze "Das Feuerwerk ist aus" und erinnern an Ton Steine Scherben. Der Traum ist aus. Große Koalition statt Anarchie. Punk is Dad! Erwachsen und gelassen geworden. Wut fehlt. Schade.

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • Ich Katze, du Hund
  • Das Feuerwerk ist aus

Tracklist

  1. Ich Katze, du Hund
  2. Der Brief
  3. Badengehen
  4. Sie liebt HipHop
  5. Wir machen Lärm
  6. Soviel geraucht
  7. Menschen springen von Hochhäusern
  8. Größter Anhänger
  9. Wie Dein Kopf schwirrt
  10. Herr Traurigmann
  11. Das Geld, der Ruhm und die Mädchen
  12. Punks not dead
  13. Das Feuerwerk ist aus

Gesamtspielzeit: 38:13 min.

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