Of Montreal - The sunlandic twins

Of Montreal- The sunlandic twins

Polyvinyl / Track And Field / Cargo
VÖ: 13.06.2005

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Dopplereffekt

Wenn am Kranz mit den Vorschußlorbeeren eine Schleife mit der Aufschrift "Brian Wilson macht ein Dancealbum" hängt, darf man gespannt sein. Wenn die so angekündigte Truppe dann auch noch ursprünglich aus dem sympathischen Indierock-Kombinat Elephant 6 stammt, freut man sich schon vor dem allerersten Ton auf angenehm versponnene Melodien mit fröhlichem Hang zum Knarzen. Dumm nur, daß "The sunlandic twins" dann so eine halbgare Hippiekacke geworden ist.

Dabei flickert und flackert das siebte Album der Band aus Athens, Georgia durchaus spaßig los. Mit einem Requiem. Statt Niederschlag und Tränenfluß powerpoppt es, als hätte man das Konzept Kummer endgültig aus der Welt getilgt. Dann wird beim offiziell schlechtesten Beach-Boys-Song aller Zeiten gemopst. Aber wenn schon Adam Green "Kokomo" komplett covert, darf Kevin Barnes im altklugen "I was never young" ein paar Strandschlager-Anleihen zwischen Zappelgroove und Kifferchören verstecken.

Die Trumpfkarte von Of Montreal ist noch immer bambiäugige Niedlichkeit. Harmloser als Belle & Sebastian, lollipoppiger als Erasure. Mit unschuldiger Mine werden allerlei Sechzigerkeiten erst bis zur Kitschgrenze angereichert und dann mit handelsüblichen Plumpsklo-Beats gestreckt. Dann soll auch noch getanzt werden. Sinnentleerte Parolen wie "Let's pretend we don't exist" aus dem Hüftschwenker "Wraith pinned to the mist and other games" oder der selbstbewußte Stumpfsinn "The party's crashin us" laden für sich genommen tatsächlich zum Schunkeln ein.

Die verstreute Handvoll Frickeleien und Vokalschlaufen ist anfangs lediglich zutrauliches Naschwerk. Später dann, so ab "I was a landscape in your dream" ändert sich das. Weil Barnes offenbar die Songideen ausgegangen sind, verschwinden selbst die hübschen Melodien. Oder werden unter Bergen von Pieps, Blubber und Knirsch verbuddelt. Entsetzlich uninspiriert. Dabei sollte man eigentlich erst die Bedienungsanleitung lesen, bevor man am Effektgerät schraubt. Oder wissen, was man damit will.

Mit einer weniger plastikhaltigen Produktion hätte beispielsweise "October is eternal" ein hübsches Gekuschel werden können. Bis zu der Stelle jedenfalls, in der plötzlich das Casio-Teil in die Luft fliegt. Allerlei Kram türmt sich auf und heischt zunehmend nach Eindruck. Und kaum ist der Moment vorbei, bleibt kaum noch eine vage Erinnerung. Wie ein vorbeigerauschtes Martinshorn. Trotzdem: Prinzipiell ist "The sunlandic twins" ein prima Album. Knuffige Melodien, ehrliche Albernheiten. Man muß sich nur daran hindern, mehr als einen Track am Stück zu hören. Oder eines aus der zweiten Hälfte.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Requiem for OMM2
  • Forecasted fascist future
  • So begins our alabee

Tracklist

  1. Requiem for OMM2
  2. I was never young
  3. Wraith pinned to the mist and other games
  4. Forecasted fascist future
  5. So begins our alabee
  6. Our spring is sweet not fleeting
  7. The party's crashing us
  8. Knight rider
  9. I was a landscape in your dream
  10. Death of a shade of hue
  11. Oslo in the summertime
  12. October is eternal
  13. Reprobate immortals

Gesamtspielzeit: 41:18 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Oliver Ding
2005-08-28 20:56:29 Uhr
Mehr als Daniel zu der plumpen Aufregung zu sagen hatte, habe ich auch nicht beizusteuern. Ich bin lediglich etwas darüber befremdet, daß eigentlich der Offenheit zugewandte Musikhörer sich derart intolerant gegenüber anderslautenden Meinungen äußern.
Dän
2005-08-10 23:03:50 Uhr
@Caiman
ihr hättet zumindest EINEN redakteur finden können, der sich schon etwas länger mit der band beschäftigt hat.
Woher willst Du denn wissen, ob Oliver die älteren Sachen kennt oder nicht? Dazu steht doch gar nichts in der Rezi.

aber den gab es sicher nicht, weil sich die plattentests.de-redaktion weitestgehend aus visions-lesern & schreibern rekrutiert.
Sorry, aber auch das ist Quatsch. Es mag stimmen, dass *zwei* Plattentests-Schreiber auch für Visions schreiben, das thematische Spektrum ist hier aber doch offensichtlich wesentlich breiter. Mal ganz abgesehen davon kenne z.B. ich mehrere Platten von Of Montreal - wenn auch nicht alle - und mag unter anderem auch "Sunlandic twins". Für die Rezi hatte sich aber nun mal Oliver gemeldet. Der fand das Album nur durchschnittlich. Das ist die ganze Geschichte. Alles weitere hast Du dazufantasiert.

daß auch die neue of montreal eine super platte ist, lässt sich u.a der spex (platten des monats) und spiegel online entnehmen. da sitzen schließlich nicht auch nur deppen....
Ja, und die haben die Wahrheit natürlich in jedem Fall gepachtet. Danke auch für den netten Ton.
bee
2005-08-10 18:21:28 Uhr
hm - ich kenn die alten Sachen nicht und hab das Album gehört - eher langweilig das ganze und viel zu sülzig. und jetzt?
caiman
2005-08-10 17:51:07 Uhr
Dän: falsch. ihr hättet zumindest EINEN redakteur finden können, der sich schon etwas länger mit der band beschäftigt hat. aber den gab es sicher nicht, weil sich die plattentests.de-redaktion weitestgehend aus visions-lesern & schreibern rekrutiert. daß auch die neue of montreal eine super platte ist, lässt sich u.a der spex (platten des monats) und spiegel online entnehmen. da sitzen schließlich nicht auch nur deppen....
Dän
2005-08-10 17:07:10 Uhr
Die Neutral Milk Hotel werden wir wohl tatsächlich nicht machen, eben weil sie ein Re-Release ist.

Und ansonsten: Sorry, aber das ist hier doch auch nichts anderes als das Jammern irgendwelcher "Insert-beschissene-Band"-Fans, nur halt auf höherem Niveau. Oliver hat eine Platte nicht sonderlich gemocht, die euch gefällt. Davon wird die Welt nicht untergehen.
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