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Marshmallow - Marshmallow

Marshmallow- Marshmallow

Storm / Broken Silence
VÖ: 11.07.2005

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Candy boy

Letztens wieder Amerika-Wochen im Aldi. (Der Autor arbeitet Aldi-unabhängig und ist nicht bestochen. Muß man ja in solchen medialen Krisenzeiten dazu schreiben.) Und alles dabei: Spare-Rips, Waffelteig aus der Dose und natürlich Marshmallows. Lauter Kalorienbomben zum Schnäppchenpreis. Einige dieser Produkte fristen noch immer ein trauriges Dasein in den Regalen des Discounters. Nur die Marshmallows, die waren eher weg, als das dem Liebhaber zuckriger Spezialitäten Recht sein kann. Es muß an der Süße liegen, an der Leichtigkeit und der vermeintlichen Unschuld, die diese Zuckerklumpen so zugänglich macht. Die Band Marshmallow aus London hat ihren Namen mit Fug und Recht gewählt. Denn auch deren Melodien strotzen nur so vor klebriger Süße und federleichter Eingängigkeit.

Es wirkt immer leicht naiv, wenn Popformationen nicht einen Deut an den Mißständen der Zeit abarbeiten oder sich an den Gepflogenheiten der Gegenwart reiben. Läßt man jedoch die Tatsache außer Acht, daß sich textlich hier oft nicht viel bewegt, dann weiß das Album sehr wohl zu gefallen. Denn wer auch im Sound nur auf Harmonien baut, bei dem wirkt auch die textliche Harmonie nur konsequent. Das erkennen auch heimliche Verehrer wie die Go-Betweens oder Ron Sexsmith, der gleich in zwei Songs der Formation für den Background-Chor zuständig ist.

Marshmallow, das ist eigentlich nur Alan Gregg, ehemaliger Songwriter und Bassist der neuseeländischen Formation The Mutton Birds. Und mit den Opener "Anytime soon" rechtfertigt er gleich einmal alle Lorbeeren. Denn wie da rund um die glorreiche Frage "Will I see you anytime soon?" ein feines Päckchen Popmusik geschnürt wird, das darf sich hören lassen. Das unschuldige Spektakel geht mit "Come sunday" so weiter. Für uns Deutsche ist dieser Sound jedoch nur allzu vertraut, klingen doch Marshmallow beizeiten recht nach Subterfuge und dem Electric Club. Dazu ein wenig Teenage Fanclub. Über allem thronen die Beatles. Na und?

Wer wie in "Snow" so schön traurig die Trompete blasen läßt oder bei "Do the decent thing" so dezent in Mikro haucht, der darf auch nach was anderem klingen. Alan Gregg hat das alles schon sehr wohl kalkuliert. Schunkel-Pop für Indie-Darlings. "Let me love you like there's no tomorrow." Kann denn Naschen Sünde sein? Marshmallow machen die Welt bunter. Das will uns wohl auch das Cover sagen. Dreizehn karamellisierte Stückchen Popmusik. Der Geschmack ist zwar nach dem nächsten Zähneputzen wieder weg. Aber es zählt der Moment.

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • Anytime soon
  • Snow
  • Over & done

Tracklist

  1. Anytime soon
  2. Come sunday
  3. Scooter girl
  4. Snow
  5. Do the decent thing
  6. Interlude
  7. Let me love you
  8. Casting couch
  9. Open mic night
  10. Over & done
  11. The ballad of Wendi Deng
  12. Born again
  13. Later on

Gesamtspielzeit: 49:16 min.

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