Cursive - The difference between houses and homes (Lost songs and loose ends 1995 - 2001)

Cursive- The difference between houses and homes (Lost songs and loose ends 1995 - 2001)

Saddle Creek / Indigo
VÖ: 08.08.2005

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die besten Jahre

Es scheint, als würde Tim Kasher immer gerade das machen, was man eigentlich gar nicht von ihm hören will. Als er vor zweieinhalb Jahren mit Cursive ein paar grandiose Lektionen in Psychokiller-Rock aus dem Boden stampfte, wünschte sich keiner, daß er die Band danach auf Eis legt, um sich vornehmlich seiner anderen Truppe The Good Life zu widmen. Die hatten schließlich immer wie die begabten, aber zahnlosen Brüder von Cursive geklungen. Dann kam aber das "Album of the year", ein Konzept-Liederband über Kashers verbeultes Liebesleben, der seinen Titel noch nicht mal zu unrecht trug. Und man wäre absolut cool damit gewesen, hätte Kasher nun für immer so weitergemacht. Es wartet allerdings schon: der nächste Haken.

Die Gegenwart heißt nun wieder Cursive. Die Arbeiten an einer neuen Platte sollen dieser Tage beginnen, und außerdem ist da ja auch noch "The difference between houses and homes", eine Compilation ihrer bisherigen Seven-Inches, erweitert um zwei bis dato unveröffentlichte Songs. Wir erleben Kasher und sein Gefolge als trotzige Jungspunde, nur einmal mit Gretta Cohns kongenialen Cello-Gewittern, aber dafür wütender, roher und härter, als sie jemals wieder klingen sollten. Wir erfahren am eigenen Leib, welch ungehobelten Krach man in Omaha schon vor den Desaparecidos mit ein paar notdürftig gestimmten Gitarren machen konnte. Und wir verstehen endlich auch, was den Rolling Stone dazu veranlaßt hat, seit Jahren hartnäckig von "Kashers Emo-Core-Band" zu schreiben, wenn es um Cursive geht.

Die hier zusammengestellten Songs, sie sind tatsächlich "Emo", wenn auch mehr in einem Mittneunziger-Indie-Rock-Sinn, als nach heutigem Begriffsgebrauch. Das alles ist eher rudimentär produziert, rappelt und scheppert wie eine überladene Spülmaschine und schmückt sich als Kühlerfigur mit einem Tim Kasher, den man selten so entflammt und entfesselt erlebt hat. Wie am Spieß schreit der Arme, wenn er etwa den tüchtig zusammengerasselten Lärm von "Nostalgia" durchwühlt. Nicht zu halten ist er im giftigen Geätze von "Sucker & dry". Und auch die später deutlicher werdende Verwundbarkeit scheint bereits durch, wenn sich Kasher etwa an den gerissenen Gitarrensaiten von "I thought there'd be more than this" entlanghangelt.

Am Anfang steht aber erstmal ein Hit. "Dispenser" ist die Sorte Song, die Rivers Cuomo gut gebrauchen könnte, sollte er sich nochmal besinnen und an alte "Pinkerton"-Zeiten anknüpfen wollen. "Icebreakers" dann hat mehr Platz für Zwischenräume, die Kashers gurgelnden, unentwegt Purzelbäume schlagenden Nicht-Gesang besonders eifrig scheinen lassen. Und "And the bit just chokes them" ist dann wieder so räudiger, sich windender Gefühlsbonzen-Rock, daß man schreien und mitschreien will. Ein umwerfendes Teil, diese Platte. Im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinne. Wir sollten langsam wirklich mal erwägen, daß Kasher doch der beste Mann ist bei Saddle Creek.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Dispenser
  • And the bit just chokes them
  • Nostalgia

Tracklist

  1. Dispenser
  2. Pivotal
  3. Sucker & dry
  4. Icebreakers
  5. And the bit just chokes them
  6. There's a coldest day in every year
  7. A disruption in the normal swing of things
  8. Nostalgia
  9. The knowledgeable hasbeens
  10. Polar
  11. A disruption in our lines of influence
  12. I thought there'd be more than this

Gesamtspielzeit: 41:13 min.

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