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Rachael Yamagata - Happenstance

Rachael Yamagata- Happenstance

RCA / Sony BMG
VÖ: 04.04.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wolkenbruch

Mit manchen meint es das Schicksal wirklich allzu gut. Die Chicagoerin Rachael Yamagata beispielsweise bummelt etwas im Studium umher, hat keine wahren Zukunftsvorstellungen und interessiert sich mehr für die Kunst und das Schöne im Leben. Proberaum statt Bibliothek ist daher angesagt. Auftritte mit der Funkkombo Bumpus brachten erste Bühnenerfahrung, und solo werden nebenbei mal Songideen am Klavier bei Open-Mic-Abenden ausprobiert. Und an einem ebensolchen stellt sich nach ihrem Auftritt plötzlich ein schick gekleideter Herr im Anzug vor. Von einem Plattenlabel sei er, und ob man sich denn nicht mal treffen wolle.

Der seriöse Mann war glücklicherweise kein getarnter Stelzbock, sondern verschaffte Glückspilz Yamagata einen schönen Major-Plattenvertrag. Nach einigen EPs nennt sich nun das daraus entstandene Debütalbum "Happenstance", glücklicher Zufall also, womit ihr Weg ins Studio gemeint sein muß. Denn auf der CD selbst herrscht eher graue Niedergeschlagenheit. Das schwere, langsame Klavier, die bedeutungsschwangeren Streichern, und der Kopf ganz tief in der Regenkapuze: "The rain will bring / The rain will bring / The rain will bring me down", heißt's im wunderschönen "I'll find a way". Soll man das nicht verschwinden wollende kleine Regenwölkchen über dem Kopf denn gleich als Zeichen deuten, die Hoffnung dahinschwinden zu lassen?

Nein, ganz so verloren fühlt sich Madame Yamagata nicht. Sonst würde Sie im rockigen "Worn me down" nicht derart locker über den abtrünnigen Lover schimpfen. Oder diesen im unbeschwerten "I want you" nun doch - verdammt nochmal! - an ihre Seite bitten, während im Hintergrund fidele Klezmer-Klänge ertönen. Einige Schlückchen Whiskey, und die Stimme wäre dabei nicht fern vom Kratzen eines Damien Rice. Im Gegensatz zu dessen Reduziertheit findet sich aber auf "Happenstance" ein bunter Stilmix. Etwas Folk in "Paper dDoll", etwas jazzige Nachdenklichkeit in "Even so", das Mitleidsbedürfnis einer Fiona Apple in "Be be your love", das Schluchzen einer Heather Nova in "Worn me down" oder auch ein Stückchen mysteriöse Klavierwirbelei in "Letter read". Hier zeigt sich wiederum die fordernde Diven-Aura einer Tori Amos oder PJ Harvey, wenn diese auch gegen Ende des Songs der gefälligen Radiointerpretin weichen muß.

Die großen Momente finden sich auf "Happenstance" dann aber doch jedesmal, wenn sich die Dame der Melancholie hingibt. Eingeleitet vom sanften Streicher-Interlude "Moments with Oliver" folgt vor dem abschließenden Hidden-Track das Album-Highlight "Quiet": "I don't expect anything to change when I leave", besingt Rachel resigniert zu verhaltenen Klaviertönen mal wieder ein Beziehungsende. Natürlich gibt es diese bereits erwähnten glücklichen Zufälle. Aber warum soll man denn darüber schreiben, wenn das Betasten der eigenen Wunden so schmerzhaft schön sein kann?

(Tobias Wallusch)

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Highlights

  • I'll find a way
  • I want you
  • Moments with Oliver
  • Quiet

Tracklist

  1. Be be your love
  2. Letter read
  3. Worn me down
  4. Paper doll
  5. I'll find a way
  6. 1963
  7. Under my skin
  8. Meet me by the water
  9. Even so
  10. I want you
  11. Reason why
  12. Moments with Oliver
  13. Quiet

Gesamtspielzeit: 62:57 min.

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