Colder - Heat

Colder- Heat

Output / PIAS / Rough Trade
VÖ: 27.06.2005

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Blut und Rosen

Wie so viele Zeiten davor ist natürlich auch die unsere die denkbar schlechteste: Politisch geht es den Bach runter, die Charts werden von extended Klingeltönen überzogen, und in Zeiten von Reality TV und Talkshows scheint sich selbst das Fernsehen stets noch weiter an Dumpfheit überbieten zu wollen. Wer kann es da denn dem Franzosen Marc Nguyen Tan verübeln, daß sein musikalisches Alter Ego Colder ganz tief drin in den düsteren Achtzigern steckt?

Colder setzt nämlich so etwa jede Idee fort, die damals in kühlen Betonkellern gesponnen wurde. Die Tracks sind nicht voller comichafter Jetztzeit-Elektroeffekte, sondern schieben wenige, abgehackte Rhythmen übereinander, welche sich in stoischer Berechenbarkeit wiederholen, während trashige Sci-Fi-Klänge einen wabbrigen Hintergrund ziehen. Zwar sparten die großen Achtziger-Heroen Joy Division mit Synthesizer-Elementen und setzten diese wenn, dann immer ungeschönt und schmutzig ein. Aber die Ähnlichkeit, beispielsweise beim Drum-Intro des Openers "Wrong Baby", sind wie schon auf Colders erstem, damals hoch gehypten Album unüberhörbar.

Anstatt bitterer Verzweiflung gibt es bei Nguyen Tan jedoch schleichende Ästehtik. Mal im dubbigen Chill-Out Stück "Tonight", mal im schwer faßbaren, hypnotischen "On my mind", welches wohl nur allzu gerne muffige Underground-Parties in U-Bahn-Schächten beschallen würde. Und auch der Albumtitel "Heat" kommt dabei über ein Schmallspur-Witzchen hinaus zu seiner Bedeutung. Denn nicht erst wenn in "Your face" die klapprige Doors-Orgel erklingt, merkt man dem Album ein Stück der Madrugadaschen Düsterromantik an. Der 31-jährige übt sich als mysteriöser Verführer, murmelt distanziert seine Zeilen und verbreitet polierte, matt schimmernde Plastik-Erotik.

Trotz des Stil-Mixes sind die Referenzen der Musik und der beispielsweise im schwarzen Blut-und-Rosen Cover verwendeten Symbolik so offensichtlich, daß diese schon gar nicht mehr als diebische Ideenlosigkeit, sondern eher als große Verbeugung gewertet werden müssen. Kulturpessimisten wird's freuen, zeigt es doch, daß Sie mit ihrem ununmstößlichen Festhalten am Vergangenen nicht alleine sind. Und wie gesagt, was ist denn schon schlimm daran, ein bißchen der guten alten Zeit zu huldigen?

(Tobias Wallusch)

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Highlights

  • Losing myself
  • Downtown
  • Your face

Tracklist

  1. Wrong baby
  2. Losing myself
  3. The winter's fields
  4. To the music
  5. Downtown
  6. Tonight
  7. On my mind
  8. Your face
  9. Fade away
  10. Burnt out

Gesamtspielzeit: 54:10 min.

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