Washington - A new order rising

Washington- A new order rising

Glitterhouse / Indigo
VÖ: 27.06.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Nordlichtblick

Hilfsbereitschaft ist selten geworden. Umso erfreulicher, daß die drei jungen Männer von Washington die Ärmel ihrer Kuscheljäckchen hochkrempeln und beherzt anpacken. Kuscheljäckchen, weil: Rune Simonsen (Gesang, Gitarre), Esko Pedersen (Beats) und Andreas Høyer (Baßs) kommen aus Tromsø, das liegt nördlich des nördlichen Polarkreises, etwa auf einer Höhe mit Nord-Alaska und Sibirien. In Tromsø lebt man nicht nur wie eine vergessene Forelle im Gefrierfach, dort ist es auch ebenso zappenduster. Sieben Monate lang, jedes Jahr. Washington halten musikalisch dagegen - ihr mit Motorpsycho-Produzent Lars Lier eingespieltes Debüt ist ein Seelenheizofen erster Güte. "A new order rising" leistet wirkungsvolle Hilfe bei Gemütsunterkühlung. Zudem erweisen sich auch die Gäste Ane Brun (Cello) und Ex-Motorpsychologe Håkon Gebhardt (Sitar) als hervorragende Sanitäter.

Auftauvorarbeiter ist ein leises Klavier, das mit einer großen Portion Herzenswärme den Schmelzvorgang einleitet und trotzdem das Glitzern der Eiskristalle bewahrt. Yoga für die Ohren. Doch bevor das Gedankenboot zu weit aufs Meer hinaustreibt, wird es von einer den Ernst des Lebens diktierenden Orgel zurück an Land geholt. Dort wartet schon Simonsens eindringlich lautmalerische Stimme und hat Fran Healy, Thom Yorke und James Walsh als Empfangskomitee mitgebracht. Eine harmoniewechselwarme Gitarre gibt sich ebenfalls die Ehre und steckt den Bundesstaat Washington neu ab: Irgendwo zwischen gestern und morgen, auf jeden Fall weitflächig. Da darf sich der elegische Opener "Black wine" auch gerne stolze acht Minuten gönnen.

"Landslide" schwebt auf skandinavischem Hymnen-Helium, aber überläßt Flugkapitän Britpop das Steuer. Und der weiß, daß Washington emotionsgeographisch in Schwelgien zu lokalisieren ist, Hauptstadt: Slide-Gitarre. Der "Walking man" schlendert im "Why does it always rain on me?"-Rhythmus und hat seinen Rucksack randvoll mit bittersüßmelodischen Landkarten, die ihn zu sich selbst führen sollen. Samt Pedal Steel geht es auf's Land. Dort entfacht "Have you ever" ein dämmerungserhellendes Lagerfeuer, während das "Bluebird" in wolkenverhangenem Tonfall melancholiert und zaghafte Streicher die Adern sich im Wind wiegender Blätter nachzeichnen. Rune Simonsen beobachtet den "Riverrun by night". Plötzlich spiegelt sich im Mondschein Jeff Buckley auf der Wasseroberfläche.

Die größtenteils instrumentale Entschleunigungs-Anleitung "A long poem about the acts of heroes or gods" flüstert "Pink Floyd" in die Nacht und läuft einem sakral anmutenden Männerchor in die Arme. Das ist das Happy End einer Platte, die das Prinzip der Ganzheitsmedizin komplett verstanden und eindrucksvoll umgesetzt hat. Ganz so, wie der Onkel Doktor das tapfere Kind mit Schokolade belohnt, halten auch Washington zwei Bonustracks als Bonbon bereit. Mit dem Unterschied, daß es bei ihnen vorher nichts zu überstehen gilt. Ganz im Gegenteil: Wer einmal von Washington aufgetaut wurde, legt seine Seele gerne wieder ins Gefrierfach. Zu den vergessenen Forellen.

(Ina Simone Mautz)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Landslide
  • Walking man
  • Riverrun by night
  • A long poem about the acts of heroes or gods

Tracklist

  1. Black wine
  2. Landslide
  3. Walking man
  4. Have you ever
  5. Bluebird
  6. Maker of time
  7. Riverrun by night
  8. Hymn
  9. A long poem about the acts of heroes or gods
  10. Velvet room
  11. My sea

Gesamtspielzeit: 55:15 min.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify