Paal Flaata - Rain

Paal Flaata- Rain

S2 / Glitterhouse / Indigo
VÖ: 06.06.2005

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Wolken am Himmel

Jetzt sind Midnight Choir also Geschichte. Doch die Zeit für große Gefühle ist mit deren Abschiedsalbum "All tomorrow's tears" nicht etwa vorbei. Paal Flaata, der mit seinem beeindruckenden Organ bis zuletzt für Gänsehaut bei den norwegischen Schwermütern sorgte, gönnt sich keine Auszeit. Sondern nimmt die Niedergeschlagenen mit "Rain" gleich wieder an der Hand. Packt ihnen kleine Aufmunterungen und große Gesten ein. Tröstet sie mit dem zarten Schmelz seiner Stimme und instrumentalen Nadelstichen. Bis sich der letzte Kloß im Hals freiwillig in Wohlgefallen auflöst.

Flaatas zweites Sololbum kann aber auch als Befreiungsschlag verstanden werden. Denn mit neuen Hinterleuten wagt er sich beizeiten heraus aus dem Dämmerlicht des Midnight Choir. Im Spannungsfeld zwischen klarlackierten Requiems, angetrunkenem Barjazz, energischem Bluesrock und erhabenen Torchsongs zieht Flaata viele Register, die in der Grandezza seiner Ex-Band keinen Platz zu haben schienen.

Da taumelt er durch den Opener "Love trash" wie ein liebesmüder Crooner und steigt für "Overflow" in Höhen, in denen sonst nur A-Has Morten Harket regiert. Da holt er sich für die Gewissensbiß-Ballade "Right next to nothing" mit Alexandra Bråden seine eigene Kylie Minogue an Bord, verzichtet aber darauf, ihr eine Rose zwischen die Zähne zu stecken. Denn auch wenn Flaata die Herzen bluten läßt, hat er kein Blut an den Händen. Seine einzige Waffe ist seine Stimme.

Besonders die besinnlichen Momente aber, in denen er dann doch nicht aus seiner Haut kann und wieder so ans Herz geht wie damals zusammen mit Al DeLoner, sind es, die auch auf "Rain" verzaubern und von besseren Zeiten träumen lassen. Kleine Dramen wie "Alabaster jar" oder "All the while" sind von beinahe Nick Cavescher Tragik. Doch nicht nur in solchen Momenten ist Flaata dem Australier nahe. Auch sein Versuch, die Melancholie ins Breitwandformat zu bringen, tapst das eine oder andere Mal in die Kitschfalle. Aber das muß man solch großen Gefühlen wohl zugestehen.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Love trash
  • Right next to nothing
  • Life down here in hell
  • Isabella

Tracklist

  1. Love trash
  2. It will all come down
  3. Right next to nothing
  4. Overflow
  5. Don't you walk away
  6. Life down here in hell
  7. All the while
  8. Isabella
  9. Wolf's eyes
  10. Alabaster jar
  11. Bless us all

Gesamtspielzeit: 41:35 min.

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