Sunna - One minute science

Sunna- One minute science

Melankolic / Virgin
VÖ: 30.10.2000

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Black hole Sunna

Die Ausgangsposition ist bekannt. Grunge ist tot und Kurt Cobain jammt inzwischen mit Jimi Hendrix, Jeff Buckley und Rex Gildo bei den Heavenly Allstars. Manche Bands halten diese Fakten immer noch nicht davon ab, mit ihrem Debütalbum in dieselbe, über die Jahre leicht angeschimmelte, Kerbe zu schlagen. Plötzlich tauchen wieder Bands wie 3 Doors Down oder Cold an der Bildfläche auf, die den Überresten der Generation X geben, wonach sie begehrt. Bei Sunna hingegen klemmt die Schublade. Denn auch wenn Kurt Cobain und seine Mannen die erste Assoziation sind, gehen die fünf Briten von Sunna auf ihrem Debüt "One minute silence" weitaus verschrobener als andere Neo-Grunger zu Werke. Wer sich wie Jon Harris traut, eine Zusammenarbeit für das Massive Attack-Album "Mezzanine" auszuschlagen, weil der Song nicht seinen Ansprüchen genügt, muß ohnehin entweder größenwahnsinnig sein oder einfach nur genauestens wissen, was er will. Dem Signing auf "Melankolic", dem Label von Massive Attack, tat dies jedenfalls keinen Abbruch.

Das Info der Plattenfirma versteht es einmal mehr geschickt, gleich zwei Lügen in einen Satz zu verpacken: "'I'm not trading' ist der beste Opener auf einem Debütalbum, seit 'Cherub rock' das Album 'Siamese dream' von den Smashing Pumpkins eröffnete". Nun sollte man eigentlich gerade bei Virgin wissen, daß "Siamese dream" eben nicht das erste Album der Smashing Pumpkins war. Auch zählt der Opener "I'm not trading" nicht zu den absoluten Höhepunkten auf "One minute silence", denn die verbergen sich an anderer Stelle. Das druckvolle "Power struggle" beispielsweise hat nicht zu Unrecht das Rennen um den Titelsong zu "Hollow Man - Unsichtbare Gefahr" gemacht und bietet die passende Kulisse für den düsteren Grusel-Streifen. "You know I will defeat you [...] / I was made to fly / But you were made to die". Überleben werden wieder nur die wenigsten.

Das folgende, sanft geflüsterte, "I miss" wirkt nicht weniger befremdend: "I miss hate, I miss war / I miss killing people, and I miss the point" philosophiert Sänger Jon Harris - und keiner weiß, worüber eigentlich. Gerade in den ruhigeren Momenten liegt die Stärke von "One minute science". Dann nämlich erinnern Sunna an die legendäre Auftritte von Nirvana und Alice In Chains bei MTV Unplugged oder die leicht paranoiden Balladen der verblichenen Soundgarden. Das nur von einer Akustikgitarre begleitete "7%" setzt sich nicht etwa für eine Senkung der Mehrwertsteuer ein, sondern fantasiert von Krankheit in Dosen und dem hinreichend bekannten Duft von Himmel und Hölle. So summt man weiter fleißig mit, wird nicht selten von sekundenlanger Stille unterbrochen und zweifelt unaufhörlich an der Klarheit von Songwriter Jon Harris, der bereits auf einem Debütalbum derartige Gedanken zu entfesseln weiß. Die bizarren Geschichten, die in mal mehr, mal weniger eingängigen Soundgebilden erzählt werden, machen den Blick auf die Texte unvermeidlich, um das Gesamtwerk Sunna zu verstehen. Die fünf Briten lassen auf "One minute science" mehr Mystik und Atmosphäre durch den Raum schweben, als es die meisten Kollegen aus Seattle je in der Lage waren. Die Hölle wartet gleich um die Ecke.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Power struggle
  • O.D.
  • 7%

Tracklist

  1. I'm not trading
  2. Preoccupation
  3. Powerstruggle
  4. I miss
  5. Insanity pulse
  6. Too much
  7. O.D.
  8. Forlorn
  9. Grape
  10. One conditioning
  11. 7%

Gesamtspielzeit: 48:59 min.

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