Valentine - Ocean full of tears

Valentine- Ocean full of tears

Capitol / EMI
VÖ: 27.06.2005

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Windelweich

Die meisten von uns haben dieses Kindheitstrauma. Mit nie enden wollenden Tonleitern und einem überalternden Lehrer in den Hauptrollen. Jugendmusikschule! Na, klingelt's? Und es ist heute noch so: Die Cooleren dürfen Gitarre lernen, die weniger Coolen müssen in die Klarinette tröten. Und die ganz Uncoolen malträtieren das Rohkostvonmuttieingepacktbekommer-Instrument Nummer 1, die Oboe. Einmal im Jahr schlägt für sie alle die große Stunde: Vorspielabend in der Jugendmusikschule. Zweihundert Elternpaare mit schlechtsitzenden Klamotten und feuchten Händen kämpfen sich durch einen unglaublich langatmigen Abend mit dutzendweise musikalischen Flachpfeifen, die kaum einen Ton treffen. Und weil eine dieser Nieten ihr Sprößling ist, geraten sie während dessen Auftritts in mittelschwere Ekstase und müssen beinahe abtransportiert werden. Danach ist der Abend gegessen. Aber aus Höflichkeit bleiben trotzdem alle bis zum Ende. Bis am Ende der Primus der Jugendmusikschule sein Können am Klavier beweisen darf und das gesamte Publikum aus dem Tiefschlaf reißt. Das einzige Genie nach einer Reihe untalentierter Zwangsmusiker. Jemand wie Valentine.

Die ist eine Streberin sondergleichen. Es ist wohl besser so, daß sie das Gymnasium nach der Zehnten zugunsten der Musikerkarriere verlassen hat. Und ihre ihre alte Schulklasse sie so schnell nicht mehr zu Gesicht bekommen wird. Sonst würde der Neid der lieben Kameraden sie vermutlich auffressen und kein Krümelchen mehr übrig lassen. Wir resümieren das mal kurz: Valentine ist 17 Lenze alt. Die Eltern Toningenieur und Musikerin. Auch ihr Stiefvater Robert Gläser ist ein netter Berufsmusiker, womöglich mit mehrstöckigem, freistehendem Haus und Pool im Garten, wie es die Berufsmusiker halt so haben. Sie selbst war bis zur zehnten Klasse der Primus ihrer Klasse, Meisterin aller Fächer. Und eben auch noch die ungekrönte Prinzessin der Jungmusikantinnen in Berlin-Friedrichshain. Reicht das? Nein, reicht nicht.

Jetzt hat sie auch noch einen Plattenvertrag. Weil ihr Stiefpapi sie einfach mal in ein Studio und zur EMI geschleppt hat. Die waren völlig aus dem Häuschen. Weil sich Kinderstars ja so supi vermarkten lassen. Tatsächlich: Ende Juni übertrumpften sich Spiegel, Stern, Bravo und Frau im Spiegel gegenseitig mit Artikeln anläßlich des Debütalbums "Ocean full of tears". Es ist ja auch so außergewöhnlich, daß eine 17-jährige ihre Songs selbst schreibt. "All songs written & composed by Valentine", steht im Booklet. Respekt.

Aber das Musikbusiness ist halt etwas anders als so ein Vorspielabend. Da patschen nicht alle blindlings aus Reflex drauflos. Da muß man sich einiges gefallen lassen. Nicht nur Respekt. Den hat sie sich aber zumindest für die erste Single "Feel so bad" verdient, die sowas ist wie Tori Amos für Einsteiger. Und äußerst vielversprechend. Man glaubt schon fast, Valentine sei der perfekte Mensch, weil sie einfach alles kann. Bis man das ganze Album hört. Zwar ist Valentines Klavierspiel ist für eine 16-jährige bemerkenswert und ihre Stimme anschmiegsam wie die der altersweisen Madonna. Doch ihre Songs sind ihr ähnlich stinklangweilig geraten. Dann ertränkt auch noch eine Vielzahl von Studiomusikern, die keiner gerufen hat, die Kompositionen in langweilig-überladenen Poparrangements.

Wieso stellt man nicht Stimme und Piano in den Vordergrund? Wie in der Single? Und wie sie es auch verdient hätten? Dann wären die Schwächen vermutlich nicht ganz so aufgefallen. Und auch nicht, wie sehr dieses "All songs written & composed by Valentine" in die Binsen ging. Aber es wäre ja auch bedenklich gewesen, wenn ausgerechnet Valentine sich als der perfekte Mensch erwiesen hätte. Wenigstens eines kann sie nicht. Ha! Da lacht man sich fast so ins Fäustchen wie früher. Als es den oboespielenden Klassenstreber beim Hürdenlauf immer regelmäßig auf die Plautze gehauen hat. Tja, nobody's perfect.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Feel so bad
  • Your shit

Tracklist

  1. Won't give up
  2. Feel so bad
  3. Good bye
  4. I will try
  5. Ocean full of tears
  6. Part of the deal
  7. Walk away
  8. Your shit
  9. Never knew
  10. Sick
  11. Sad
  12. Fight for you

Gesamtspielzeit: 44:20 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Arbok
2005-08-12 21:57:10 Uhr
Echt? BOAH!
Rettan
2005-08-12 21:53:56 Uhr
Kommerz
Arbok
2005-08-12 21:52:18 Uhr
Wollt ma Fragen wieso sie bis jetzt noch keinen eigenen Thread hat! Find die Muzik von ihr hat nen Spitzenmäßigen Sound! Tolle Stimme, heißes Aussehen und dazu noch so talentiert! Im Gegensatz zu manch anderen Popsängerinnen kann sie zumindest ein Instrument spielen, und zwar mit richtigem Unterricht, und dabei noch zu singen ist wirklich Talent! Vor solchen Sängern hab ich wirklich Respekt, zumal ich weiß was es heißt beim Instrumentspielen noch zu singen ohne Durcheinanderzukommen! Es erfordert wirklich eine Menge Übung! das einzige was mich an ihr stört ist dass sie das mit dem englischen Dialekt nicht so hinkriegt, aber das macht sie locker wett!
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