The Posies - Every kind of light

The Posies- Every kind of light

Ryko / Rough Trade
VÖ: 27.06.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Scheinbar

Anfang der Neunziger hing der Indiehimmel kurzzeitig voller Jingle-Jangle-Gitarren. Bands wie R.E.M., Teenage Fanclub, Jellyfish, die Lemonheads oder die Posies verzauberten mit leichten Melodien und dezent bröckelnden Akkorden ein sanft lächelndes Publikum. Und während die einen zu Megastars aufstiegen, blieb allen anderen der Ruhm versagt. Es kann eben nicht jeder R.E.M. sein. Oder wenigstens Evan Dando. Was aber nicht bedeuten soll, daß die Musik von Ken Stringfellow, Jon Auer und ihren Kollegen keiner Verehrung würdig sei. Denn Songs wie "Flavor of the month" oder "Dream all day" gedeihen auch ohne Scheinwerferlicht. Kleine Musik braucht keine großen Bühnen.

So war es nur ein kleiner Kreis, der 1998 das vorläufige Ende der Posies betrauerte. In der Zwischenzeit spielte Ken Stringfellow unter anderem bei - huch - eben jenen R.E.M., und Ken Auer tauchte prominent auf der faszinierenden William-Shatner-Platte "Has been" auf. Die beiden waren also nicht nur nicht untätig, sondern arbeiteten gar gemeinsam an der Wiedererweckung der legendären Powerpopper Big Star. Vielleicht hatte das Engagement bei den großen Vorbildern auch mit der Entscheidung zu tun, der Welt die seligen Chorgesänge und schwungvollen Schrammelgitarren wieder als The Posies zu schenken.

Glück und Unglück sind bei ihnen zwei Seiten der gleichen Medaille. Gebrochene Herzen geben in gestreichelten Melodien Laut. Sonnige Harmoniebögen umfließen Lieder wie "Conversations" oder "Last crawl" und fühlen sich dabei an wie sanft an den Strand gespültes Meerwasser. "Anything & everything" verquickt schwermütige Träumerei und schwerelose Psychedelia. Doch nicht nur diese gebremsten Momente sind prinzipiell bezaubernd. Das Augen-zu-und-durch von "I guess you're right" glänzt mit salbungsvoller Wucht. Eine Art Markenzeichen: Selbst wenn sich Songs wie "All in a day's work" oder "I finally found a jungle I like!" in knirschendem Feedback suhlen, strahlt der Gesang darüber hinweg wie die ersten Ausläufer der aufgehenden Sonne.

Die Posies sind immer noch die netten Kerle mit einem Gespür für melodische Zusammenhänge, das sie sich bei den Bands mit dem großen B abgehört haben: Beatles, Byrds, Beach Boys, Big Star. Und immer wieder spürt man auch die Seelenverwandtschaft zu ihren Kumpels aus Athens, Georgia. Rock'n'Roll ohne Lärm, Melancholie statt Verzerrer. Somit ist "Every kind of light" das, was man Kaffee Hag immer nachsagt: eigentlich koffeinfrei, aber äußerst liebevoll zu den Geschmacksknospen.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • I guess you're right
  • Anything & everything
  • Last crawl
  • I finally found a jungle I like!

Tracklist

  1. It's great to be here again
  2. Conversations
  3. All in a day's work
  4. I guess you're right
  5. Anything & everything
  6. Second time around
  7. Last crawl
  8. Could he treat you better?
  9. Love comes
  10. I finally found a jungle I like!
  11. That don't fly
  12. Sweethearts of Rodeo Drive

Gesamtspielzeit: 49:53 min.

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