Shadow Gallery - Room V

Shadow Gallery- Room V

InsideOut / SPV
VÖ: 30.05.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Kammermusik

Shadow Gallery gehört zu den Bands, die seit Karrierebeginn im Prog-Untergrund ihre Nische gefunden haben und diese auch nicht wirklich verlassen wollen. Seit herausragenden Alben wie "Tyranny" oder "Legacy" ist ihnen die Unterstützung der Fans bei dieser Strategie gewiß. Die Taktik, lediglich alle drei Jahre ein Album zu veröffentlichen, läßt darüber hinaus Experimente wie die Mitwirkung bei Ayreon oder Mullmuzzler zu. Diese Horizonterweiterung, so viel kann jetzt schon gesagt werden, ist nicht zum Schaden der Qualität.

"Room V" ist nicht nur ein leidlich sinniger und mittlerweile arg ausgequetschter Gag für das fünfte Album, sondern es vervollständigt das Konzept, welches bereits 1998 mit "Tyranny" begonnen wurde: Zwei Menschen suchen nach einer Identität. Die Story auf "Room V" setzt mit dem dritten Akt ein und läßt die Protagonisten die Erkenntnis gewinnen, daß man mit allem, was man beendet, einen neuen Anfang schafft. Aha. Der Rest der Geschichte bleibt im Dunkeln und darf vom geneigten Hörer erarbeitet werden.

Doch so abstrus-metaphysisch die Geschichte auch sein mag, sie wird von überwiegend gutklassigem Material begleitet. Fünf hervorragende Einzelkönner formen Breitwandsounds, ohne den Hörer zu überfordern. Das mag sich in irrem Gefrickel äußern wie im Doppelinstrumental "Birth of a daughter" / "Death of a mother" oder aber in arg plüschigen Nummern wie "Vow". Am besten jedoch sind die Galeristen, wenn sie einen Song über längere Spielzeit ausarbeiten können und jeder der Musiker Zeit für eigene Ideen und Soli bekommt. So sind es die Titel mit Spielzeiten von sieben und mehr Minuten, die zu den Highlights des Albums zählen. Wahrhaft progressiv. Und dabei nie aufdringlich-artrockig, sondern unprätentiös-hemdsärmelig hardrockend.

Eine Anmerkung sei noch zum Bonusmaterial gestattet: Üblicherweise findet sich auf solchen Bonus-CDs Ausschuß, der es zu Recht nicht aufs Album geschafft hat. Auch hier wird zunächst so über wie flüssig drumsoliert und gefrickelt. Doch das abschließende "The Floydian memories" stellt eine mehr als ruhmreiche Ausnahme dar. Über 24 Minuten wird der größten Rockband aller Zeiten eine wahre Huldigung dargebracht. Dies in Form eines Medleys, welches die Songs in einem Tempo durchreicht, daß der Rezensent, der sich eigentlich als Pink-Floyd-Kenner bezeichnet, kaum hinterherkommt. Selbst Obskures wie "Cymbaline" wird verbraten. Sensationell.

Doch auch ohne das Zusatzmaterial ist den Amerikanern ein gutes Prog-Album gelungen. Auch wenn einige Songs gar zu banal klingen, stellt "Room V" doch den Stand der Dinge in Sachen Neo-Prog dar. Die Klasse des Kino-Albums nur um Nuancen verfehlend, zeigen Shadow Gallery, daß ihre Alben dazu geeignet sind, den oft strapazierten Vergleich mit einem gut gelagerten Rotwein wieder aus der Phrasenkiste zu ziehen. Mitunter sind Zeit, Geduld und ein niedriger Tellerrand gute Ratgeber.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • The Andromeda strain
  • The archer of Ben Salem
  • Room V

Tracklist

  1. Manhunt
  2. Comfort me
  3. The Andromeda strain
  4. Vow
  5. Birth of a daughter
  6. Death of a mother
  7. Lamentia
  8. Seven years
  9. Dark
  10. Torn
  11. The archer of Ben Salem
  12. Encrypted
  13. Room V
  14. Rain

Gesamtspielzeit: 75:33 min.