Caitlin Cary & Thad Cockrell - Begonias

Caitlin Cary & Thad Cockrell- Begonias

Yep Roc / Cargo
VÖ: 20.06.2005

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

No depression

Alle reden von Ryan Adams. Als gleichzeitigem Wiedergänger von Gram Parsons, Neil Young, Bob Dylan und Bruce Springsteen. Als arbeitswütigem Musiker, der dieses Jahr gleich drei Alben veröffentlichen will. Oder als unberechenbarem Stadioncountrykauz, der gerade schon wieder eine Deutschlandtour abgesagt hat. So berechtigt man Adams derzeit abfeiert, so unverzeihlich werden dabei aber seine ehemalige Band Whiskeytown und seine dortige Partnerin Caitlin Cary übersehen. Die Welt ist ungerecht.

Denn was Cary in Ermangelung von Adams heiserem Goldkehlchen zusammen mit Thad Cockrell ausgeheckt hat, ist aller Ehren wert. Da bricht gleich im betörenden Opener "Two different things" der liebliche Chorgesang von Cockrells dezent heiserer Kehle und Carys weichem Hauchen alle verfügbaren Herzen. Diese Pause zwischen "What I want and what I have" und "Are two different things"! In "Something less than something more" streicheln Pedal Steel und Schlagzeugbesen die hoffnungsfroh verzweifelte Stimmung. Und der wunderbare Schlabberrocker "Second option" lebt das Leben eines Lovers auf dem Sprung. Was für ein Einstieg!

Cary und Cockrell folgen einer alten Überlieferung. Zartschmelzende Melodien aus Dur und Moll treffen auf brutale Wahrheiten über das Leben und die Liebe. Selbst wenn die Songs klingen, als hätten sie vor Jahren schon im Scheinwerferlicht der Grand Ole Opry gebadet, ist nur einer wirklich so alt. Und dann ist dieses "Warm & tender love" ein alter Schlager ausgerechnet von Soulschmuser Percy Sledge. Country und Seele - das paßt.

Gerade in den Arrangements der ruhigen Momente überbieten sich Gitarre, Geige, Orgel und Kontrabaß gegenseitig mit ihrer Zurückhaltung. In klitzekleinen Saitenläufen blitzt das Können von Pat Buchanan und Logan Matheny auf, Mitproduzent Brad Jones (Josh Rouse, Jill Sobule) bettet die Songs auf einer Ahnung von Orgel und Harmonium, und Pete Finney spendiert seine Steelguitar als freundlichen Klarlack. Vor allem deswegen ahnt man zwischen den Zeilen von "Conversations about a friend (Who's in love with Katie)" oder "Big house" das leise Seufzen nicht nur. Man spürt und fühlt es in der sich zuschnürenden Kehle.

Wenn Cockrell zwischendurch verdächtig wie Ryan Adams moppeliger Bruder klingt, stellt sich die gleiche Gänsehaut ein wie einst bei Whiskeytowns letzter Großtat "Pneumonia". Und im Duett mit Cary umarmen sich ihre Stimmen wie einst bei Gram und Emmylou. Zauberhafte Harmonien, wie man sie in Nashville seit Jahren nicht mehr hinbekommt. Handwerk ohne übertriebenen Ehrgeiz, Tradition ohne fehlverstandenen Purismus. Mag "Begonias" vielleicht wegen seiner Bodenständigkeit längst nicht so massentauglich sein wie Adams jüngstes Meisterwerk "Cold roses". Mit seinem Chorgeschmelz, Gitarrentwang und Streicherzüngeln ist es nur eine schmale Geigensaite von ganz oben entfernt. Selbstvertrauen haben die beiden reichlich: "I don't want to be your second option." Bestimmt nicht zu unrecht.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Two different things
  • Something less than something more
  • Second opinion
  • Conversations about a friend (Who's in love with Katie)

Tracklist

  1. Two different things
  2. Something less than something more
  3. Second option
  4. Please break my heart
  5. Whatever you want
  6. Don't make it better
  7. Warm & tender love
  8. Party time
  9. Conversations about a friend (Who's in love with Katie)
  10. Waiting on June
  11. Big house

Gesamtspielzeit: 49:28 min.

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User Beitrag
Hansmaulwurf
2006-01-21 00:05:04 Uhr
Hab die Platte auch schon länger, bin damals durch die SpiegelOnline Rezi drauf aufmerksam geworden und die Platte is echt gut, nur für mich manchmal etwas zu viel Country.
Auf jedenfall sollten alle Ryan Adam Fans wirklich mal rein hören.
dorian
2005-12-07 19:53:23 Uhr
Nun da es sonst keiner macht mach ich es halt.

Grad überrascht festgestellt das es zu dem Album hier ja ne Rezi gibt. Damit hab ich also sozusagen den Segen von oben nen Thread zu diesem wunderschönen Album zu eröffnen. Ich dachte ja immer das wär zu Country für Plattentest deswegen hab ich mich gar nicht weiter drum gekümmert.

Whatever. Schon im Juni erschienen und vollkommen unterschätzt, bzw. wohl einfach zu unbekannt. Caitlin Cary noch bekannt von Whiskeytown und statt Ryan Adams jetzt Thad Cockrell. Also alle die Ryan Amdams mögen (die rock´n roll möger ausen vor gelassen ;) ) hören sich jetzt gefälligst das an weil es das beste ist was mir an so naja sagen wir mal reinrassigen Country je untergekommen ist.

Jeder kennt doch das Gefühl wenn man auf nem blöden Volksfest sitzt und irgend ne schlechte Dorfkapelle mit lauter alten Säcken meint es noch mal richtig zeigen zu müssen. Aber selbst deren Auftritte haben so kurze Sekunden (kann auch am Alkohol liegen) wo man denkt: Man, so scheiße ist das garnicht. Das darf man sich jetzt mal bitte auf Albumlänge vorstellen. Hab ich das Wort großartig schon benutzt? Egal.

So. Jetzt sollte das ganze mal bitte abgefeiert werden. Basta!
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