Saint Etienne - Tales from Turnpike House

Saint Etienne- Tales from Turnpike House

Sanctuary / Rough Trade
VÖ: 20.06.2005

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

France Ferdinand

Ein Glück, daß irgendjemand diese Ohrstöpsel-Kopfhörer erfunden hat. So kann man sich im Sommer in die Sonne legen, ohne daß man hinterher weiße Ohren von riesigen Kopfhörer-Muscheln hätte. In den Discman kommen dann entspannte, fluffige Pop-Platten, nicht selten solche elektronischer Bauart. Da uns Air dieses Jahr zum Glück nicht mit einem weiteren Selbstdemontage-Versuch versorgen, empfiehlt sich der Griff zu "Tales from Turnpike House" der Briten von Saint Etienne. Ja, das sind immer noch Briten, auch wenn Bandname und Sound seit jeher eher in Richtung Frankreich verweisen.

Normalerweise brauchen Bob Stanley, Peter Wiggs und Sarah Cracknell vier Jahre, um ein neues Album fertigzustellen. Diesmal sind es nur drei, die seit der Veröffentlichung von "Finisterre" vergangen sind. Böse Zungen werden sagen, die Band hätte sich mal besser noch ein weiteres Jahr im Studio einsperren sollen. Noch bösere werden behaupten, das hätte auch keinen Unterschied gemacht. Dabei ist "Tales from Turnpike House" nun wirklich nicht schlecht, nur ein bißchen beliebig und manchmal etwas langweilig. Und das - da werden auch nicht ganz so böse Zungen zustimmen - war ja schon immer ein Problemchen von Saint Etienne.

Dabei haben sie sich diesmal sogar wirklich Mühe gegeben und bei einigen Stücken völlig auf elektronische Spielereien verzichtet und einen richtigen Bandsound erschaffen. Auch was Abwechslungsreichtum angeht, schöpft die Band diesmal aus dem Vollen: "A good thing" hat so einen bescheuert-treibenden Beat, daß es fast schon wieder lustig ist - ein bißchen wie die Pet Shop Boys 1989. Das famose "Side streets" kommt als schlurfiger Bossa Nova daher und erinnert irgendwie an "Razor boy" von Steely Dan. "Stars above us" würde man aufs erste Ohr eigentlich Kylie Minogue zuschreiben. Und bei den Backgroundchören im A-cappella-Schlußtrack "Goodnight" ist man sich fast sicher, daß hier jemand alte Beach-Boys-Bänder weiterverarbeitet hat.

Wirklich herausragend sind vor allem "Milk bottle symphony", ein runder Popsong, der sich beständig weigert, tanzbar zu sein, und "Teenage winter", dessen Spoken-word-Strophen von einem lupenreinen Sixties-Refrain aufgebrochen werden. Herrlich, wie die Band hier Ideen zusammensetzt wie kleine Kinder Legosteine. Da ist es dann auch durchaus verzeihlich, wenn sich das Album sonst tatsächlich in Beliebigkeit ergeht. Beim Sonnen will man ja keinen komplexen Artrock oder Zwölftonmusik hören, sondern einfach nur schöne Popmusik. Und die liefert "Tales from Turnpike House" allemal.

(Lukas Heinser)

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Highlights

  • Milk bottle symphony
  • Side streets
  • Teenage winter

Tracklist

  1. Sun in my morning
  2. Milk bottle symphony
  3. Lightning strikes twice
  4. Slow down at the castle
  5. A good thing
  6. Side streets
  7. Last orders for Gary Stead
  8. Stars above us
  9. Relocate
  10. The birdman of EC1
  11. Teenage winter
  12. Goodnight

Gesamtspielzeit: 44:16 min.

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