The White Stripes - Get behind me Satan

The White Stripes- Get behind me Satan

Third Man / XL / Beggars / Indigo
VÖ: 06.06.2005

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

White draußen

Das hätten sie in Hollywood auch nicht besser timen können. Zeitgleich erscheinen dieser Tage die neuen Alben von Coldplay und den White Stripes. Und es ist, als würde man die beiden Endpunkte einer Wie-wird-man-die-größte-Rockband-der-Welt-Skala aufeinander loslassen. Da sind vier kämpferische Briten, die die Herausforderung, nach dem Höchsten der Gefühle zu streben, angenommen haben. Und da ist ein Fake-Ehepaar aus Michigan, das am liebsten seine Ruhe hätte. Da sind die akribischen Arbeiter, die drei ganze Alben einstampften, bevor sie ihr neues Werk schließlich in endlos-zermürbenden Sessions erbastelten und ausproduzierten. Und da sind die Bauchmenschen, die sich für ihre Platte zehn Tage lang mit altem Equipment hinsetzten, um ein bißchen rumzuklimpern. Selbstverständnisse, Herangehensweisen und Entstehungsgeschichten? Verschiedener können sie nicht sein.

Aber es geht ja noch weiter. Für Coldplay steht der wichtigste Teil des Jobs jetzt erst an - sie müssen ihre Platte verkaufen. Ein Aktienkurs, ein paar hundert Arbeitsplätze, vielleicht sogar eine ganze Firma hängen davon ab. Deshalb absolviert die Band gerade den üblichen Spießrutenlauf durch alle erdenklichen Medien, bevor sie dann im Sommer auch noch die Fußballstadien dieser Welt abklappern wird. Die White Stripes hingegen geben diesmal keine Interviews. Später im Jahr werden sie ein paar Konzerte in Osteuropa und Griechenland spielen. Und die Promoarbeit beschränkte man darauf, daß Jack White sich den verwegensten Schnurrbart diesseits von Giorgio Moroder stehen ließ.

Warum wir das alles jetzt mal schnell vorgerechnet haben? Weil "Get behind me Satan" schlicht und einfach die musikalische Entsprechung der beschriebenen Begleitumstände ist. Mit ihrem durchbrüchigen Vorgänger "Elephant" hat die Platte zunächst mal nur den unkomplizierten Schaffensprozeß gemeinsam. Alles weitere ist, zumindest was Jack angeht, eine ziemlich gepflegte Art von Besinnungslosigkeit. Es sind nur noch drei Songs, die der Riffweltmeister von 2003 auf der E-Gitarre geschrieben hat. Und einer davon ist ausgerechnet "Blue orchid", die fanschockende, wenn auch ziemlich geile Prince-in-der-Hölle-Single. Der Rest wird dominiert von Piano und Percussion. Schellenkranz, Rasseln, Meg natürlich. Und das Ding da am Anfang von "Red rain" könnte so ein buntes Fisher-Price-Klavierchen sein.

Im Prinzip ist schon mit dem zweiten Song alles verloren diesmal. Jack spielt in "The nurse" den Krankenpfleger seiner Wahnvorstellungen und ein Marimbaphon, vermutlich mit den eigenen Knochen. Die großartige Meg scheint das Schlagzeug dazu eher versehentlich zu treffen. Und zählt das jetzt wegen des kleinen Solos schon als E-Gitarren-Song? "Instinct blues" kriegt man da leichter zugeordnet. Hier brennt die rote Telecaster noch mal, liegt mittendrin schon in den letzten Zügen, kann den Song aber doch nicht loslassen. Sie klammert, kratzt und bürstet übers Griffbrett, bis aber auch wirklich alles in Schutt und Asche liegt. Und Jack macht dazu den räudigen Straßenköter, jault, japst und winselt wie ein alter Blueser. "Furios" trifft's wohl ganz gut.

Gleichzeitig ist dieses Teufelswerk aber auch auf ziemlich unwahrscheinliche Weise eingängig. "My doorbell" etwa wäre als lustwandelnder "Hotel Yorba"-Erbe vielleicht sogar die bessere erste Single gewesen. "Little ghost" ist ein hinreißend schiefer Country-Singalong für Feriencamps in Kansas oder Kentucky. Und "Passive manipulation", das kürzeste, von Meg gesungene Stück, ist offensichtlich ein zwinkerndes, zeigefingerschwingendes Kinderlied. Was das alles noch mit der Suche nach Wahrheit zu tun hat, der sich "Get behind me Satan" angeblich verschrieben hat? Müßte man Jack mal fragen. Aber der gibt ja keine Interviews. Und würde sich wahrscheinlich vor Freude den Schnurrbart kämmen, wenn er uns hier so überrumpelt sehen könnte.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Blue orchid
  • The nurse
  • My doorbell
  • Instinct blues

Tracklist

  1. Blue orchid
  2. The nurse
  3. My doorbell
  4. Forever for her (Is over for me)
  5. Little ghost
  6. The denial twist
  7. White moon
  8. Instinct blues
  9. Passive manipulation
  10. Take, take, take
  11. As ugly as I seem
  12. Red rain
  13. I'm lonely (But I ain't that lonely yet)

Gesamtspielzeit: 44:11 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Mein Name
2007-06-17 00:35:20 Uhr
Ich finde das Album zu eingängig. Für die ersten Hördurchgänge würde ich 9/10 vergeben, danach wirds langweilig.
cds23
2007-06-16 23:24:28 Uhr
Schlimm, wie dieses Album völlig zu Unrecht runtergeputzt wurde. Zusammen mit "Elephant" ihre stärkste.

01. Blue Orchid - 9/10
02. The Nurse - 7/10
03. My Doorbell - 8/10
04. Forever For Her (Is Over For Me) - 8/10
05. Little Ghost - 8/10
06. The Denial Twist - 9/10
07. White Moon - 8/10
08. Instinct Blues - 9/10
09. Passive Manipulation - 8/10
10. Take, Take, Take - 10/10
11. As Ugly As I Seem - 9/10
12. Red Rain - 8/10
13. I'm Lonely (But I Ain't That Lonely Yet) - 9/10
Einzelkind
2006-06-20 20:53:22 Uhr
Wenn man die offizielle Homepage www.whitestripes.com besucht,dann hört man einen Song.Ich gehe davon aus,dass das Blue Orchid rückwärts gespielt ist.Leider hör ich nicht richtig ,ob der Text noch Sinn ergibt.

Also bitte geht mal auf die Seite (Soll keine Schleichwerbung oder so sein^^)
humbert humbert
2006-04-26 18:09:14 Uhr
Letzendlich kann man doch sagen, dass diese Platte ihre Beste ist.
weißer streifen
2006-01-17 22:30:40 Uhr
hhmmm, schwierige frage, ich könnte mir die gnaze zeit cds kaufen, aber wie man sieht hinke ich meiner zeit hoffnungslos hinterher. es gibt seit dem white stripes alnum schon wieder soooo viele neuveröffentlichungen, die ich gerne kaufen würde. teures hobbie das musikhören.
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