Andreas Dorau - Ich bin der eine von uns beiden

Andreas Dorau- Ich bin der eine von uns beiden

Mute / EMI
VÖ: 23.05.2005

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Tri-tra-trullala

Er war "Fred vom Jupiter", schwärmte von "Girls in love" und ließ das Telefon einfach Du sagen. Als sich die Neue Deutsche Welle verschlagerisieren ließ, stand er mit beiden Füßen beherzt genau auf der Schwelle. Und als sein Kokettieren mit Einfalt mehr als ein Jahrzehnt später von allerhand Flachbirnen um das damals übliche Synthetikgeboller erweitert als Neuer Deutscher Dancefloor (Blümchen, you know) recycelt wurde, platzte er mit einem nicht für möglich gehaltenen und überragenden Comeback herein. "Pfui, Kitsch!", sagten die Pillendreher. Und die Leute mit den langen, fettigen Haaren trugen damals noch Biohazard-T-Shirts. Großartig war's trotzdem. So ist das nun mal.

Nach einer angemessenen Pause, die er sich mit einer lustigen Persönlichkeitsspaltung vertrieb - Dorau wollte die Clubs regieren, während Andreas der Sinn nach lieblichem Liedgut stand -, kehrt Andreas Dorau zurück. Mit fröhlichen Abzählreimen und Poesiealbumseinträgen in Jambus und Trochäus. Händchenhaltende Mädchen jauchzen im Refrain der gutmenschelnden Single "Kein Liebeslied" dermaßen bambiaugenaufschlagend, daß einem vor Nettigkeit beinahe schwindelig wird. "Dies ist kein Liebeslied / Denn das wäre nicht mein Fachgebiet." Und hätte man nicht im Booklet Sven "Herr Lehmann" Regener als Mittexter entdeckt, wäre einem die dezente Boshaftigkeit von "Man kann doch nicht immer von Herzeleid singen / Das wird dieser Welt keine Besserung bringen" nicht aufgefallen. Aber vielleicht ist das nur Zufall.

Dorau näselt vom Fremdgehen, von späten Besuchern und Spätsommerliebeleien. Er preist Paarhufer und "40 Frauen". All das pappsüß wie Aspartam und mit der Konsistenz von Himbeersirup. Es gibt nur ein Problem: Wo ist die verdammte Ironie geblieben? Denn gerade das allzu offensichtliche Augenzwinkern entließ Doraus musikalische Drei-Minuten-Terrinen doch immer noch in die Geschmackssicherheit. Meint er am Ende gar tränendrüsigen Quark wie "Du bist nicht wie die anderen" völlig ernst? Selbst wenn er für das Cover ein Wildschwein im Strickpulli herzt? Und überhaupt: "Was wollen uns diese Noten sagen?" Fragen über Fragen.

Die guten Vorsätze, mit denen sich der Zuhörer von Doraus Neuer locker-flockige Grenzwert-Unterhaltung verspricht, benötigen ein widerstandsfähiges Nervenkostüm. Auf verquere Art selbstsicher wildert die mit Justus Köhncke, Marcus Rossknecht und Turner zu verantwortende Produktion in den Achtzigern. Besonders der damlige Italopop wandert untot durch die Dreitonmelodien und Zweieinhalbakkordkompositionen. Und Dorau quengelt dazu dünnhäutige Verse wie "Niemand hilft Dir jetzt beim Schuhe binden / Da mußt Du jemand anderen finden" oder "Eine Tür ging auf / Und das Unglück nahm seinen Lauf", die schon fast das Maximum an Tiefgang sind. "Aus dem Hinterhaus, aus dem Hinterhaus / Kommen die Leute vorne raus." So debil, daß es nach all der tieffliegenden Dauerdisco beinahe doch wieder Spaß macht.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Kein Liebeslied
  • 40 Frauen
  • Hinterhaus
  • Die Besondere

Tracklist

  1. Du bist nicht wie die anderen
  2. Kein Liebeslied
  3. Schwarze Furchen
  4. Im September
  5. 40 Frauen
  6. Wir sind keine Freunde
  7. Zwei Hände im Sand
  8. Heute kommt er
  9. Die Klette
  10. Hinterhaus
  11. Du gehst fremd
  12. Die Besondere

Gesamtspielzeit: 48:06 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Beate Uhse
2017-04-16 15:13:35 Uhr
Neulich mach ich meim mp2-Player uff, uff einmal kommt der Geleier vom Andreas Donau. "Ich bin der eine, ich bin der eine, ich bin der eine von uns beiden! Ich bin der eine, ich bin der eine, ich bin der eine vong uns zwei, Joe Biden!" Der Text isst sehr gut und meine Laune erhebt sich daruber uber dem Song, wenn er nicht erklingt. Es isst immer noch wie ein neuer Song fur mich. Schon dasses noch solche Musique gibt, wo das Herz erwärmt. Grade auch an Ostern mit Jesus und Petrus und so. Die Musique vom Andreas Donau. Aber der Instrument in der Strophe ist nicht so deliziös! Und im Gesang ist der Refräng ein bißchen blaupausig? Ja, wer da?
Erkannt
2017-04-16 11:31:53 Uhr
Das Lieders gefällt mir lansgam gut und manchmal nicht gut, weil der Melodie ist ein bißchen tonal, doch der Gesang und der Lieder von des Text ist gut und auch wichtig und nichtig.
Jan W ausm Klo
2017-04-16 10:59:36 Uhr
Sein Namul ist progrAmm: Liebe liebelei fürn Osterei. Frohes Chest und allerlei, ihr maden! Dufter Rhythmus auch und so. Jan W ausm Klo
Jussuf
2017-04-16 00:15:13 Uhr
Er ist 1 gute Lied was er zählt über die Liebe mit melodei was gefällt. Eine machen mir traurig aber auch Frolic zu gleixh; wo der Texte mit die Music verschmiltzt zu 1 gute Lied ißt es wo mir gefärlt !
Beeke
2015-12-08 10:53:13 Uhr
Nach Zeit wieder gehört. Die Melody ist schön. Der Teksten macht nachdenklich.
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