Van Morrison - Magic time

Van Morrison- Magic time

Polydor / Universal
VÖ: 17.05.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Felsenfest

Musikalische Stile gehen wie Gezeiten. Sie überfluten den Markt, dann ebben sie irgendwann wieder ab. In diesem musikalischen Meer gibt es kleine Steine, die schwimmen mit auf der Woge der Begeisterung, werden weit nach vorne getrieben und irgendwann dann doch vom Sand der Geschichte überspült. Daneben gibt es im Meer der Gezeiten die dicken Brocken. Die stehen im Meer, trotzen Ebbe und Flut. Markant, aber mit den Jahren auch glatter in ihrem Äußeren. Van Morrison ist wahrscheinlich ein Stein der zweiten Kategorie. Mächtig, imposant, verschwiegen und ein wenig auch glatt gespült von den Stil-Gezeiten. "I'm stranded, at the edge of the world", singt er im bluesigen Albumopener von "Magic time" und untermauert damit indirekt, wie weit sich der Koloß von Irland beständig fernab der aktuellen Musikszene plaziert.

Auch auf "Magic time", dem neuesten Werk des nunmehr 60jährigen Iren mit 40jährigem Bühnengeburtstag, trotzt er aktuellen Entwicklungen. Er mischt - mal wieder - Blues mit Jazz und Soul. Und fährt mit diesem Kurs den Karren auch mit dem fünfunddreißigsten Album nicht auf Sand. Der Jazz-Anteil von "What's wrong with picture?" wurde deutlich zurück gefahren, schimmert doch an einigen Stellen noch durch. Mehr und mehr nähert sich Morrison auf "Magic time" jener romantischen Stimmung seines zur Musikgeschichte gewordenen Album "Moondance". Magische Momente und große Kulissen.

Der leichte Stilmix wirkt dabei höchst entspannt. Morrison erfindet die Musik nicht neu. Das hat er aber noch nie gemacht. Stattdessen Kontinuität: Er schluchzt und grummelt, jankt und zetert wie eh und je. Was mit dem wehmütigen "Stranded" einen guten Anfang nimmt, setzt sich in der folgenden knappen Stunde fort. "Celtic new year" als getragen bluesige Altersweisheit in epischer Breite, "Keep mediocrity at bay" und "Evening train" als leichte Skiffle-Tracks, "This love of mine" swingend im Big-Band-Sound. Das wunderbar schwermütige "Just like Greta" ist dann vorläufiger Albumhöhepunkt, ehe das Album mit dem Barblues von "Gipsy in my soul" und dem souligen "Lonely and blue" in vertrauten Gefilden landet.

Die Folkballade "The lion this time" setzt einen weiteren Höhepunkt, ehe im vorletzten Song "They sold me out" ein kleiner Seitenhieb auf die Plattenindustrie versteckt sein könnte. Wobei Morrison selbst auch zum fünfunddreißigsten Mal nicht der Vorwurf eines musikalischen Ausverkaufs gemacht werden kann. Es bleibt auch nach "Magic time" dabei: Die Gezeiten kommen und gehen, manche Steine bleiben stehen.

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • Stranded
  • Just like Greta
  • Lonely and blue

Tracklist

  1. Stranded
  2. Celtic new year
  3. Keep mediocrity at bay
  4. Evening train
  5. This love of mine
  6. Just like Greta
  7. Gipsy in my soul
  8. Lonely and blue
  9. The lion this time
  10. Magic time
  11. They sold me out
  12. Carry on regardless

Gesamtspielzeit: 54:43 min.

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