Negative - Sweet & deceitful

Negative- Sweet & deceitful

Roadrunner / Universal
VÖ: 23.05.2005

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Kühles Blondes

Was ist das denn? Mötley Crüe für Arme? Fingerdicker Kajal, Tätowierungen knapp überm Gemächt, hübsch gefärbte Haare - dem ersten Eindruck nach könnten die sechs Burschen locker als Coverband der kalifornischen Ozonschichtkiller auftreten. Die Grazie in der Mitte ist übrigens mitnichten eine solche, sondern Sänger Jonne Aaron. Ups.

Aber Androgynie ist ja spätestens seit HIM ein Garant für schmachtende Mädchenblicke, womit die Zielgruppe klar umrissen sein dürfte. Also alles bereit für den Verriß und rein mit dem Silberteller. Doch verdammt auch: Nach dem völlig sinnentleerten Intro wird ja richtig gerockt! In geordneten Bahnen natürlich, man will ja niemandem weh tun. Die Gitarre sägt tapfer, der Sänger röhrt wie Bryan Adams in besten Zeiten, und "Frozen to lose it all" geht ohne Umweg über den Kopf direkt in die Beine. Hey, die Platte könnte womöglich Spaß machen.

Wer das folgende "The moment of our love" nicht kennt, hat weder Kabel-TV, noch ein Handy für den passenden Klingelton. Oder ist so ein alter Sack wie der Rezensent. Fakt ist, daß sich diese Single verkauft wie geschnitten Brot und den Finnen sowas wie einen Durchbruch verschafft hat. Ein wenig Poser-Rock, ein bißchen Bon Jovi, ein kräftiger Schuß HIM, dazu ein Körnchen Schwermut, um die gängigen Finnenklischees zu bedienen - so kann's gehen.

Überhaupt HIM. So langsam müssen sich die Mannen um Herrn Valo wieder etwas einfallen lassen, um nicht von ihren eigenen Epigonen in die Tundra geschickt zu werden. Denn schmachten kann Jonne auch. Obwohl sich das geräuschvolle Einatmen für maskuline Ohren eher wie ein rachitischer Rauhhaardackel anhört denn nach laszivem Seufzen. Doch bei "L.A. feeding fire" wird doch noch mal glatt der Mötley Crüe die Reverenz erwiesen und gar fürstlich drauflosgerockt. Hut ab, meine Herren. Natürlich ist "Sweet & deceitful" auf Dauer nicht wirklich gut. Natürlich ist das Songwriting viel zu eintönig, um nachhaltig zu sein. Und natürlich sind alle über 16-jährigen zu alt für sowas. Negative gehen genauso als räudige Rocker durch wie Josef Ackermann als Gewerkschaftsgenosse. Und irgendwann kommt er dann doch noch, der erhoffte Lacherfolg. Bei "My my / Hey hey" wird doch tatsächlich alten Rockheroen gehuldigt. Im doppelten Sinne. "My my, hey hey / Rock and roll is here to stay / It's better to burn out / Than to fade away." Ein Neil-Young-Cover. Aber was für eines! "The King is gone but is not forgotten / This is the story of a Johnny Rotten." Was soll man dazu noch sagen?

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Frozen to lose it all
  • L.A. feeding fire

Tracklist

  1. Intro
  2. Frozen to lose it all
  3. The moment of our love
  4. Creeping inside
  5. Locked in the dark side
  6. In my heaven
  7. My my / Hey hey (Out of the blue)
  8. Neverending parade
  9. L.A. feeding fire
  10. Until you're mine
  11. About my sorrow
  12. Secret forgiveness
  13. Angels won't lie

Gesamtspielzeit: 52:08 min.

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