The Futureheads - The Futureheads

The Futureheads- The Futureheads

679 / WEA / Warner
VÖ: 30.05.2005

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

The voices in your head

Es ist natürlich wieder ein mächtiger Zirkus, der da gerade um die neuerlich aufblühende Musikszene der Großbriten gemacht wird. Der NME, freilich noch nie für seine schmalen Schultern bekannt, publiziert wieder mit besonders breiter Brust. "England brennt", titelt selbst der deutsche Musikexpress und wirft mit Sternchen für Bloc Party und Maximo Park nur so um sich, während die Kaiser Chiefs und The Others schon als zweite Welle im Startblock hocken. Was aber bei aller Redseligkeit diesmal eben nicht zu überhören ist: Erstmals seit runden zehn Jahren ist die Musik der Briten tatsächlich wieder lauter als das Marktgeschrei ihrer Chronisten. Und von den Futureheads haben wir noch nicht mal angefangen.

Aber jetzt. Es ist nämlich schlicht und einfach so: Beim ersten Mal überfährt einen deren Debütplatte. Und streng genommen ist es heute, fast vier Wochen danach, immer noch ganz genauso. Platte rennt, Hörer liegt. Vier junge Männer aus Sunderland sind die Duracell-Häschen in Deinem iPod. Die Schweißflecke unter Deinen Armen. Und die Stimmen in Deinem Kopf. Gerüstet mit dem eckigen Akzent ihres Viertels. Kreuz und quer und steil gehenden Melodien aus allen erdenklichen Himmelsrichtungen. Und dem irrsinnigsten Händchen für Arrangements, das Du Dir gerade nicht mehr vorstellen kannst. Was genau passiert hier eigentlich?

Zunächst mal nichts Außergewöhnliches. In den ersten zehn Sekunden. Dann aber werfen sich die Jungs die erste vierstimmige Harmoniekugel zu und hören in den nächsten 40 Minuten nicht mehr auf damit. Mindestens ein Futurehead hat eigentlich immer den Mund auf, meistens singen sie aber doch alle zugleich gegen-, unter- und aneinander vorbei. Wortfetzen fliegen auf dieser Platte wie Bierbecher durch Fußballstadien, werden abgefangen, abgefälscht, verlängert oder erschlagen von Gitarren mit scharfen Kanten und kurzer Zündschnur. Das Schlagzeug zerfällt dazu höchst zweckmäßig, und die Songs brauchen selten drei Minuten, um rund, komplett und fertig zu sein. Es ist die reinste Hysterie da draußen.

Wer Schritt halten will, sollte also ein geübter Sprinter sein. Und außerdem die Augen aufhalten, da die Futureheads zu allem Übel auch noch Weltmeister im hinterhältigen Beinstellen sind. "Danger of the water" jedenfalls braucht nur die vier Stimmen seiner Meister und ein selten gedrücktes Keyboard, um die überhitzten Systeme nach einem Sechser im Lotto von einem Plattenauftakt runterzufahren. "First day" steigert sich rein in ein rasendes "Eisgekühlter Bommerlunder"-Ende, nur halt in richtig und gut und sowieso ganz anders. Am Hinterausgang wartet außerdem auch noch das "Hounds of love"-Cover der Futureheads. Und damit rocken sie Kate Bush geradewegs das Runzeln von der Stirn.

Kann man dieser Platte also überhaupt etwas vorwerfen? Höchstens, daß sie all ihren Begabungen zum Trotz doch eher als lose Hitrevue, denn als stringentes Album funktioniert. Wobei auch solches Gemecker kaum haltbar ist, wenn man sich denn mal vor Augen hält, was für gottverdammte Hits die Futureheads da spielen. "Robot"? Nach dem Refrain nicht mehr aufzuhalten. "Decent days and nights"? Die Tobsucht in Tüten. Und wer in den nächsten Nächten nicht mit dem unwiderstehlichen "You should be old enough"-Part aus "Carnival kids" im Kopf hochschreckt, der kann nur an chronischer Schlaflosigkeit leiden. Obwohl das alles doch eigentlich bloß vollkommen bescheuerte Popmusik ist. "Old enough to know better", singen die Futureheads ja selbst. Und sind zum Glück auch young enough not to care.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Robot
  • Decent days and nights
  • Carnival kids
  • Hounds of love

Tracklist

  1. Le garage
  2. Robot
  3. A to B
  4. Decent days and nights
  5. Meantime
  6. Alms
  7. Danger of the water
  8. Carnival kids
  9. The city is here for you to use
  10. First day
  11. He knows
  12. Stupid and shallow
  13. Trying not to think about time
  14. Hounds of love
  15. Man ray
  16. Decent days and nights (Radio edit)
  17. Hounds of love (Radio edit)

Gesamtspielzeit: 42:28 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Lyxen
2007-11-28 15:08:17 Uhr
Hab sie mal wiede rausgeholt und muss sagen: Immer noch toll. 8,5/10
Dem Nachfolger gebe ich direkt eine neue Chance und auf das neue Album bin ich auch gespannt.
Einzelkind
2005-12-20 18:39:12 Uhr
Weiß zufällig jemand,ob 'Area'(neuer Song) auch hier in Deutschland erscheint?
captain kidd
2005-12-16 11:14:19 Uhr
die sind vielleicht lustig - aber nicht albern.
Patte
2005-12-15 20:44:18 Uhr
Und die Futureheads sind in keiner einzigen Note auf dem Album *nicht* "albern"? Wäre mir neu.
captain kidd
2005-12-15 19:06:42 Uhr
völlig zu unrecht etwas untergegangen. super album. ganz dicht hinter maximo park, die ja hier einiges gediebt haben. albernen mist wie die kaiser chiefs lassen sie ganz weit hinter sich.
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