Clem Snide - End of love

Clem Snide- End of love

Fargo / Rough Trade
VÖ: 02.05.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Krisenfest

Der Titel "End of love" legt die Vermutung nahe, Clem-Snide-Kopf Eef Barzelay beschere uns mit dem fünften Album seiner Formation nun den Antagonisten zum 2003er Vorgänger "Soft spot". Damals entdeckte er, daß die Liebe auch ein ganz gutes Song-Thema sein kann. Und jetzt also Schluß damit? Natürlich nicht. Denn im ungewohnt rockenden und gitarrenlastigen Opener und Titeltrack stellt er gleich klar: "No one will survive the end of love." Eine Liebe ist bei Barzelay sowieso schon immer äußerst ausgeprägt: die zum Detail und der Schönheit im Einfachen. Es sind die angenehm frisch und natürlich anmutenden - und trotzdem nie oberflächlichen - Melodien und Arrangements zwischen Country, Folk, Blues und Rock, die das Quartett so sympathisch machen. Und vor allem Barzelays großartige Texte, bei denen Ironie immer auch Erkenntnis bedeutet.

Daß "End of love" natürlich keine schlichte Fortsetzung von "Soft spot" ist, läßt sich leicht erklären: Barzelays persönliche Welt wurde in der Zwischenzeit von einigen düsteren Erlebnissen bewegt - besonders der Tod seiner Mutter hat Spuren hinterlassen. Zu jener Zeit tourten Clem Snide etwa genauso viel, wie das emotionale Chaos Raum in Barzelays Kopf beanspruchte. Sehr viel. Das Chaos bündelte während der Fahrten von einem Auftrittsort zum nächsten Melodien und Worte und präsentierte sie unverzüglich dem Bewußtsein des Songwriters. Dennoch ist die neue Clem-Snide-Platte keine Chronik einer Krise geworden, sondern handelt vielmehr von der Möglichkeit des Triumphes über eine scheinbar hoffnungslose Situation.

Barzelay läßt noch einmal den plötzlichen Blitzeinschlag in seine heile Welt Revue passieren: "There's a different kind of dark / The kind that stops the dogs to bark / It never has to wait for setting suns." Während man dem Clem-Snide-Sänger hin und wieder mal unterstellen könnte, er habe einen Clown gefrühstückt, lag bei dem vor Energie nur so sprühenden und herrlich ohrwurmigen "Fill me with your light" wohl ein ausgewachsener Optimist auf seinem Teller. Der "Jews for Jesus blues" erzählt höchst amüsant, was passiert, wenn man glaubt in Religiosität eine einfache Glücksformel gefunden zu haben und trotzdem nicht zufrieden ist: "I opened my heart and I let Jesus in / With the promise that I would be free of my sins / But I only felt guilty that he died on the cross / Now that I'm found I miss being lost." Gott antwortet sogar, mit Glockenspiel und Sixties-Sound: "Your tears will help me grow some trees." Jede Krise hat also ihren Zweck.

Im wunderbaren "Made for TV movie" sinniert Barzelay zur Akustikgitarre über das Privatleben von Lucille Ball. Denn: "They would never make a movie if everything was great." Man könnte glatt meinen, der studierte Jazzer sei hauptberuflich nicht Musiker, sondern Tratschonkel: "Well, I heard he used to beat her / Like she was a conga drum / They always slept in separate beds / But somehow they had a son." Eigentlich ist er aber sowas wie ein Philosoph und will uns damit sagen: Wenn's Dir schlecht geht, dann bist Du nie der einzige auf der Welt, der sich gerade so fühlt. Und ein Tal bedeutet meistens eine Abkürzung auf dem Weg zum nächsten Gipfel. "End of love" ist der beste Beweis dafür.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Fill me with your light
  • Jews for Jesus blues
  • Made for TV movie

Tracklist

  1. End of love
  2. Collapse
  3. Fill me with your light
  4. The sound of German hip hop
  5. Tiny European cars
  6. Jews for Jesus blues
  7. God answers back
  8. Something beautiful
  9. Made for TV movie
  10. When we become
  11. Weird

Gesamtspielzeit: 44:23 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
bee
2008-10-10 17:48:25 Uhr
diese Platte ist wirklich unverwüstlich - Upgrade zu 9/10 ist angebracht!
bee
2005-11-09 20:01:38 Uhr
nachdem ich die Decemberists nun kenne: no way - Clem Snide 8,69/10 - Decemberists 7,09/10
Sebastian
2005-08-31 15:41:33 Uhr
ich find sie auch ganz gut aber nicht so gut wie die decemberists wobei erstere relaxter und zweitere dramatischer
bee
2005-08-31 11:03:44 Uhr
Hi Captain - lohnt sich auf jeden Fall! noch relaxter, noch bissigere Texte und jedes Stück hat seine besonderen Widerhaken ,-)
captain kidd
2005-08-30 22:36:18 Uhr
fand die platten immer so okay von denen. ist die neue wirklich so gut?
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