Bruce Springsteen - Devils + dust

Bruce Springsteen- Devils + dust

Columbia / Sony
VÖ: 25.04.2005

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Staubfressen

Es war der standesgemäße Riesenerfolg. Als Bruce Springsteen mit "The rising" nach langen Jahren die E-Street-Band reaktivierte, trugen Nostalgiker und Hausfrauen das Album gleich millionenfach nach Hause, während die Massen es sich nicht nehmen lassen konnten, in die Stadien zu strömen, als gäbe es kein Morgen. Dabei war es doch die Botschaft, daß es trotz 9/11 noch Hoffnung in der Welt gibt, die die Volksseele so berührte. Und geflissentlich darüber hinweghören ließ, daß sich "The rising" zwischen Handwerk und Pomp verhedderte.

Auch wenn nun die neuerliche Reduktion der ehemaligen Zukunft des Rock'n'Roll nicht ganz so bewegend geriet wie einst "Nebraska", zeigt sich Springsteen dennoch von seiner allerbesten Seite. Großes Storytelling, kleine Arrangements. So werden die existentiellen Gefühle nicht rücksichtslos in einem Meer aus bombastischen Keyboards ertränkt, sondern ringen in karger Klangdekoration erfolgreich um Luft. Die Akustische ächzt mühevoll, nur selten werden die Gitarren unter Strom gesetzt. Ein wenig Mundharmonika, ein paar Banjos und Fiddles, dazu ein höchst dezenter Beat. Mehr braucht der Meister nicht.

Die merkliche Sorgfalt, mit der an der ärmlichen Ausstattung gefeilt wurde, hat sich gelohnt. Der Hochglanz ist ebenso nur eine Ahnung wie die gelegentlichen Selbstzitate. Denn unter der Oberfläche warten Abgründe. "Devils + dust" folgt der dreckigen Straße, auf denen Springsteen vor zehn Jahren den Geist von Tom Joad fand. Springsteen jault wie ein liebeskranker Koyote, brummt wie ein gebrochener Mann und klagt sein Leid wildfremden Menschen. Weiß nicht ein noch aus, hadert mit sich selbst und beichtet seine Sünden. Die Hure in "Reno" bietet ihm einen Whiskey. Doch auch der schmeckt längst nicht so gut wie zuhause.

Ob Springsteen auf dem Weg ins Selbst war, als er diese bitteren Moritaten fand, bleibt unklar. Doch die Aufrichtigkeit des Erzählers ist in jeder Zeile spürbar. Keine Schauspielerei, die sich in den staubigen Löchern zwischen rumpelndem Blues, Gospel, Folk und Country versteckt. Nur der feste Glauben, aus dem verkorksten Dasein noch etwas machen zu können. "I ain't gonna fuck it up this time." Im Zweifel findet der Künstler zur Größe. "The rising" hieß nur so. Erst mit gesenktem Kopf ist Springsteen wieder oben auf.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Devils + dust
  • All the way home
  • Black cowboys
  • Matamaros Banks

Tracklist

  1. Devils + dust
  2. All the way home
  3. Reno
  4. Long time comin'
  5. Black cowboys
  6. Maria's bed
  7. Silver palomino
  8. Jesus was an only son
  9. Leah
  10. The hitter
  11. All I'm thinkin' about
  12. Matamoros Banks

Gesamtspielzeit: 50:46 min.

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