The Concretes - The Concretes

The Concretes- The Concretes

Licking Fingers / EMI
VÖ: 14.03.2005

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Katzenbuckel

Faszinierendes Völkchen, diese Schweden. Haben nicht mal doppelt so viele Einwohner wie wir Arbeitslose und laut PISA-Studie die klügsten Kinder Europas. Auf 100 Einwohner kommen 97 Fernseher und 52 Internet-Zugänge - EU-Rekord! Außerdem war es ein Schwede, der das kleinste fahrbare Motorrad der Welt gebaut hat. Aber das nur am Rande: Viel wichtiger ist im hiesigen Kontext, daß unsere skandinavischen Freunde offenbar auch ein rekordverdächtiges Talent dafür haben, tolle Platten auf den Markt zu werfen. Was man unter anderem hier und da und dort nachlesen kann.

Auch die Concretes haben ihre Hausaufgaben in Sachen Pop gemacht. Mit dem Unterschied, daß sie auf ihrem Debüt nicht so klingen, als wären sie in Stockholm zur Schule gegangen. Sondern in New York zusammen mit Lou Reed und Nico. Songs wie das fragile "New friend" lassen in ihrer morbiden Schönheit Velvet Underground auferstehen, ohne daß sich ein fader Beigeschmack einstellte. Viktoria Bergmans Stimme umschmeichelt die Ohren so bittersüß, daß jeglicher Widerstand zwecklos wird. Ruhigen Stücken stehen immer wieder folkige Uptempo-Nummern wie "Seems fine" gegenüber, bei denen sich die acht Schweden nicht scheuen, eine Phil-Spector-mäßige Wall of Sound mit Streichern, Bläsern und Chören aufzufahren. Das ganze Album pendelt zwischen diesen beiden Polen hin und her, wobei sich Bergmans & Co. auch mal trauen, mit verqueren Rhythmen auszubrechen. Zum Glück, denn die Songs drohen desöfteren, in allzu seichten Gewässern baden zu gehen.

"The Concretes" ist vor allem eine Großstadt-Platte. Ein Album, das seine Inspiration aus den dunklen Häuserschluchten des urbanen Dschungels bezieht. Einsamkeit, Herzschmerz und die Flucht aus der Alltags-Monotonie sind die Themen, die das Kollektiv immer wieder punktgenau verarbeitet. Es geht um die Momente, die erahnen lassen, was sein könnte, wenn nicht alles so vergänglich wäre wie die letzte Zigarette. Zwischen verklärter Romantik und der Melancholie zu langer Nächte in schummrigen Bars paßt immer noch ein Concretes-Song. "Although I'll make sure we fall on safe ground / I wouldn't your faith in my hand", seufzt Bergsman. Am Ende ist es doch nur das kalte Licht der Straßenlampe und nicht der Sonnenaufgang, der den Weg nach Hause erhellt. Was bleibt ist ein Song wie "Lonely as can be".

Insofern paßt die Symbolik des Leopoarden, den sich die Concretes auf jedes Plattencover malen. Richtig süß und knuddelig sieht der aus. Aber trotz seiner Niedlichkeit bleibt er ein Raubtier, ein Jäger, der sich hinterrücks anschleicht und tötet. Auch die Musik der Concretes atmet diese gefährliche Schönheit. Hinter dem vordergründig naivem Pop verbergen sich Haken und Ösen, Kratzer und Risse. Es ist diese Zerbrechlichkeit, die das Debüt der Stockholmer so spannend macht - ganz im Stile der erwähnten musikalischen Vorbilder. Daß die Concretes dabei ihre Eigenständigkeit behalten und sich bei ihrem Sixties-Recycling keineswegs zum Leoparden, äah, zum Affen machen, ist wohl das größte Lob, das man ihnen aussprechen kann.

(Christof Nikolai)

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Highlights

  • You can't hurry love
  • New friend
  • Lonely as can be

Tracklist

  1. Say something new
  2. You can't hurry love
  3. Chico
  4. New friend
  5. Diana Ross
  6. Warm night
  7. Foreign country
  8. Seems fine
  9. Lovin kind
  10. Loney as can be
  11. This one's for you

Gesamtspielzeit: 40:11 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
lego
2010-10-06 23:30:27 Uhr
das neue album ist ein feines.
Sidekick
2006-04-10 18:57:30 Uhr
Stimmt aber. Touren gerade, sind am 19.04. im Molotow, hingehen quasi, ist angesagt.
iamlegend
2005-05-04 19:12:02 Uhr
sehr schönes album. mit 6 punkten absolut unterbewertet.

und hat nicht finnland bei der pisa-studie am besten abgeschnitten?
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