Funny Van Dannen - Nebelmaschine

Funny Van Dannen- Nebelmaschine

Trikont / Indigo
VÖ: 18.04.2005

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Nestverunschmutzer

Allüberall in den Hitparadenspitzen / Sieht man tussige Deutschrockbands sitzen. Entschuldigung, Entschuldigung. So schlecht wie die Argumente, jetzt doch endlich den einheimischen Reißbrettpop qua Quote zum Erfolg zu verdammen, geriet auch dieser Reim. Wie gut, daß es Funny Van Dannen gibt. Denn der Großmeister des Understatements in Versform hat nicht nur lebertranige Schunkelschlager für die Toten Hosen in seiner Feder, sondern eine echte "Nebelmaschine". Ohne Karnevalshaudrauf, aber mit lagerfeurigem Unernst.

Wie schon beim schicken Vorgänger "Herzscheiße" hat Van Dannen seine Schrammelschlager mit Hilfe der straßenmusikcharmanten No Goods aufgebohrt. Die nur vorgetäuschte Hausmannskost traut sich einiges. Country, Folk, Jazz, Bossanova, Cha Cha Cha, Walzer. Und wenn man glaubt, den Gipfel der Harmlosigkeit erreicht zu haben, bekommt der flehentlich geschmetterte Text den nächsten versponnenen Dreh in nun wirklich nicht mehr naheliegende Richtungen. Da kommt auch schon mal der Reim unter die Räder. Nur um mit feierlicher Sorgfalt zu Grabe getragen zu werden.

Wieder blinzelt der Barde dafür durch diverse Schlüssellöcher, um weitere Absurditäten des Alltags zu entdecken. Er besingt "Fotos von Ohren", das "Leben auf fremden Planeten" und den notorischen "Dingficker", achtet auf "Bodenunebenheiten" und preist die Segnungen der "Infrastruktur". Entwaffnend ehrlich und mit ergreifender Realitätsunverbundenheit flunkert er seine Geschichten vor, die so weit neben der Schnur sind, daß sie einfach wahr sein müssen.

Doch der Barde zeigt auch seine Krallen. Wenn Van Dannen explizit wird und sich zärtlich bei der promiskuitiven Partnerin für die Bezeichnung "Hobbynutte" entschuldigt. Wo sie doch lediglich ein eigentlich zu vernachlässigendes Treueproblem hat. Wenn er für "Mein Volk" nur Schimpf, Schande und Spott übrig hat: "Als Gott den kleinen Mann erschuf, hat er Gehirn gespart." Wenn er die wahre Geschichte vom "Bundesadler" erzählt, den einst die Ehefrau rausschmiß, bevor man ihn schließlich im Bundestag aufhängte. "Sie wollte Sex, er sagte 'Erst die Muschi rasieren' / Sie sah ihn an und schrie: 'Du bist ja krank im Gehirn / Kein Vogel hat 'ne Muschi, das weißt Du ganz genau / Hau ab, wenn Du auf Säugetiere stehst, perverse Sau." Völlig unrockbar, der Mann. Aber trotzdem durch und durch großartig.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Indisch essen
  • Humankapital
  • Bundesadler
  • Hobbynutte
  • Dingficker
  • Mein Volk

Tracklist

  1. Adele Tschüssikowski
  2. Indisch essen
  3. Humankapital
  4. Gelingendes Leben
  5. Bodenunebenheiten
  6. Bundesadler
  7. Bärtiger Delphin
  8. Hobbynutte
  9. Blutige Halme
  10. Die Zeit
  11. Da stehen sie
  12. Haus aus Styropor
  13. Steuerflüchtling
  14. Jeden Tag leben
  15. Dingficker
  16. Noch ein Wort
  17. Fotos von Ohren
  18. Nebelmaschine
  19. All die Matrosen
  20. Mein Volk
  21. Infrastruktur
  22. Leben auf fremden Planeten
  23. Zu traurig

Gesamtspielzeit: 75:18 min.

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Mister X

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Registriert seit 30.10.2013

2018-10-13 15:51:25 Uhr
10/10
alea iacta est
2009-09-04 15:18:44 Uhr
Musikalisch abwechslungsreicher als manches davor, allerdings zuviel banales, einfallsloses zeugs wie Adele tschüssikovski, Bodenunebenheiten (der gipfel des nichtssagenden)

Nicht wirklich schlecht (weder musikalisch noch textlich) sind zwar noch ein wort, gelingendes leben, jeden tag leben, die zeit oder da stehen sie aber in ihrer gesamtheit sind es zuviele lieder, die nicht wirklich etwas erzählen sondern eher an "aufzählungen" erinnern...

auf der herzscheisse gabs das nicht, ausser das ich herzen fliegen dir zu wirklich kitschig finde...aber sonst um klassen besser, trotz eher "einfacherer" ibstrumentierung
ichbinnorman
2005-11-03 17:48:32 Uhr
Ich finds auch super, aber Herzscheiße war wirklich besser
zsah
2005-11-03 17:19:01 Uhr
find sie auch ganz nett..
bee
2005-11-03 16:57:26 Uhr
wundert mich, dass die Platte hier so schlecht gesehen wird. Klaro - das ist kein Stonerrock, sondern Songwriterzeugs mit ansprechenden Songs und sehr guten lustigen/nachdenklichen Texten. Die Songs Bundesadler, Hobbynutte, Die Zeit, Steuerflüchtling, Dingficker, Fotos von Ohren, Nebelmaschine - alles sehr gelungen finde ich.
Wird noch in meine Top 2005er kommen ,-)
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