Ken - I am thief

Ken- I am thief

Strange Ways / Indigo
VÖ: 02.05.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Beutezug

Die Henne oder das Ei. Was war vorher da? Die neuen, umwerfenden Songs für "Stop! Look! Sing songs of revolutions!" oder die Idee für dieses spaßige Coveralbum? Es ist schon erstaunlich, mit welchem Ausrufezeichen sich Ken von Aydo Abays Partyrocknebenherding zu einer echten Alternative emanzipieren. Denn auch dem mit angemessenem Augenzwinkern betitelten "I am thief" braucht man keine Halbherzigkeit zu unterstellen. Sondern Weitblick und Geschmackssicherheit.

Coveralben an sich können ja auf mehrerlei Ebenen funktionieren. Entweder legt man mit ihnen die eigenen Vorlieben und Einflüsse offen oder man profiliert sich durch die Auswahl, die entweder zu möglichst absurden Umdeutungen führt oder unverdientermaßen übersehene Perlen zum Vorschein bringen soll. "I am thief" ist ein bunter Mix aus allen Optionen, mitunter gar gleichzeitig. Denn hier kommen um die Ecke denkender Pop, resignatives Folkgeschrammel, Krautrock, Hausbesetzermucke, tiefergehängter Metal, Hochglanzschnulzen, ungekämmter Indielärm, Jazzpreziosen und etwas andere Rockklassiker zu allen Ehren, die ein rumpelnder, keifender, bratgitarriger und im besten Sinne neben der Schnur rockender Haufen Provinzler zustande bringen kann.

Stichwort absurd: Da hätten wir die vorabgeschickte Single, die mit augenzwinkernder Orchestrierung zeigt, was für ein toller Song das im Sugababes-Original völlig zugesuppte "Stronger" eigentlich ist. Oder die verstrahlte Country-Fassung, die Panteras "I'm broken" eine Humortherapie verordnet. Oder das gruftige Grollen, das "Boris the spider" zur deftigen The-Who-Hommage macht. Stichwort Profilierung: Mit Kristin Hershs "Your ghost", Peter Gabriels "Digging in the dirt", Abbey Lincolns Erhabenheit "Afro blue" und dem zuckersüßen Genörgel von "Only shallow" (My Bloody Valentine) outen sich Ken als Auskenner. Und mit "View from a bridge" (Kim Wilde) und "I ran" (A Flock Of Seagulls) sind auch noch zwei großartige Popperlen dabei, die leider bei den meisten Achtziger-Partys sträflich übersehen werden.

Aller Abwechslung zum Trotz hält nicht nur Abays Signaturkrächzen den Lärm zusammen, sondern auch der dringende Willen zur Melodie. Da wird noch jeder Melodiefetzen gesucht, gefunden und bedingungslos zur Hymne aufgeblasen. Mit angenehm schnöseliger Anmaßung und ohne Rücksicht auf eventuelle Wackler und Unschärfen. Denn gerade die machen den Reiz von "I am thief" aus. Eine Tugend, die auch die besseren unter den Mixtapes auszeichnet: Vielfalt statt Einfalt.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • I ran
  • View from a bridge
  • Digging in the dirt
  • I'm broken

Tracklist

  1. I ran
  2. Only shallow
  3. View from a bridge
  4. Your ghost
  5. Digging in the dirt
  6. I'm broken
  7. Wir müssen hier raus
  8. Boris the spider
  9. Afro blue
  10. Stronger
  11. I am thief

Gesamtspielzeit: 46:31 min.

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