Ken - Stop! Look! Sing songs of revolutions!

Ken- Stop! Look! Sing songs of revolutions!

Strange Ways / Indigo
VÖ: 02.05.2005

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die fetten Jahre sind vorbei

Nicht, daß wir uns jemals getraut hätten, das wirklich mal laut auszusprechen. Aber irgendwie konnte man ja schon den Eindruck bekommen, daß die Koblenz-Musiker in den letzten Jahren ein bißchen bequem geworden waren in ihrer kuscheligen Alt.Rock-Nische. Schlechte Platten haben sie natürlich niemals gemacht, doch im Prinzip war alles, was nach Blackmails "Bliss, please" kam, vor allem erstmal gepflegtes Auf-der-Stelle-Treten. Routiniert und perfektioniert, nur ohne den Biß der früheren Tage. Im Detail sicherlich weiter verbessert, allerdings nicht mehr mit der gleichen Experimentierfreude gesponnen, die einst alles möglich gemacht hatte. Gut, daß dann der Frühling von 05 kam.

Den Anstoß gab einmal mehr Kurt Ebelhäuser. Oder genau genommen die neue Platte "Kiss than kind" seiner anderen Band Scumbucket. Sie ist der Psycho-Rock-Wahnsinn in Tragetaschen, und Aydo Abay hat das natürlich auch mitbekommen. Weil er an der Quelle sitzt wahrscheinlich sogar noch viel früher als wir. Und da läßt es sich jetzt natürlich prima ins Blaue mutmaßen: Haben frühe Scumbucket-Demos den Ehrgeiz im Blackmail-Sänger und Ken-Dompteur wiederbelebt? Hat seine Ken-Truppe deshalb den Party-Band-Charakter beerdigt, der ihrem Debüt "Have a nice day" innegewohnt hatte? Und ist "Stop! Look! Sing songs of revolutions!" aus den gleichen Gründen zur mutigsten, vielseitigsten und eingängigsten Koblenz-Platte seit, ja eben, "Bliss, please" geworden?

Fest steht: Aydo ist kein Songwriter wie Kurt. Und Ken kontern die große Scumbucket-Offensive deshalb von vornherein mit ihren ganz eigenen Mitteln aus. "Stop! Look! Sing songs of revolutions!" ist seinem Cover-Zwilling "I am thief" insofern gar nicht unähnlich, daß es mit ebenso offenen Augen auf die jüngere Musikgeschichte zurückblickt. Mittneunziger-Indierock, New Wave, Britpop, Krautrock, Beatles - Aydo hat alles gehört und wahrscheinlich auch vieles gemocht. Das zweite Ken-Album macht folglich gleich gar kein großes Geheimnis daraus, wo seine zahlreichen Einflüsse herkommen. Zuallererst ist es aber mal verdammt gut darin, aus diesen Einflüssen sein eigenes Ding zu machen. Wirklich verdammt gut.

Es passiert so viel hier, man braucht es eigentlich nur aufzuzählen: Großes Gitarrenknallen und "Black phantom" als Ouvertüre, sphärische Outer-Space-Rundreisen mit "I shall be removed" am Ende. Dazwischen "Paniciss" und bockiger Groove, kleine Rocksongs, die sich von weitschweifigen Refrains zu großen Hymnen hinreißen lassen. "Ashes" hat den Blues auf drei Rädern und Schalldämpfer-Trompeten im Rücken. "Open fire" steigt dick ins Blutige-Nasen-Geschäft ein, "I shall be moved" quietscht mit Gummisohlen übers Gitarrenparkett. "Feelia" ist ein Power-Pop-Superhit mit allem Drum, Dran und himmelhohem Streichergeistesblitz. Und das alles klingt so wunderbar durcheinander, übernommen und doch gekonnt, daß man Aydo einen Jägermeister ausgeben will vor Freude. Arsch hochgekriegt und im eigenen Wohnzimmer revoltiert. Prima Sache. Nicht auszudenken, wie gut erst die neue Blackmail werden muß.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Lend me your leg
  • Ashes
  • Feelia
  • Hiss panic

Tracklist

  1. Black phantom
  2. Paniciss
  3. If
  4. Lend me your leg
  5. The dragon with the bleeding nose
  6. Babycrutch
  7. Wake city
  8. Open fire
  9. Ashes
  10. Feelia
  11. Hiss panic
  12. I shall be moved
  13. I shall be removed

Gesamtspielzeit: 46:49 min.

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