J Mascis & The Fog - More light

J Mascis & The Fog- More light

City Slang / Virgin
VÖ: 09.10.2000

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der letzte Dinosaurier

Amherst/Massachussetts 1987 - Eine bis dahin unbekannte Indie-Band namens Dinosaur Jr veröffentlicht auf dem Ami-Kult Label SST eine der Platten der Achtziger. "You're living all over me" hatte alles: laute Drums, einen krachenden Bass, J. Mascis' bis zum Ansatz verzerrtes Gitarrenspiel, Solos bis das Fuzz-Pedal qualmte, lärmende Riffs und vor allem rundum ausgereifte Songs. Und das alles bereits zwei Jahre vor Nirvana und vier vor dem großen Seattle-Hype.

Dreizehn Jahre und vieler Umbesetzungen im Line-Up später wohnt der gute Mann trotz des Mini-Singlehits "Feel the pain" die meiste Zeit immer noch im verschlafenen Amherst, wo er sich auch ein idyllisches Studio eingerichtet hat. Seine Hymnen über Weltschmerz und Depressionen spielt er seit Jahren im Prinzip komplett alleine und nun auch folgerichtig unter eigenem Namen ein. Hatte er sich in der Vergangenheit im Studio leider oft mit dem Aufnehmen von zig Gitarrenspuren und diversen Solos verzettelt und dadurch gelegentlich das Songwriting vergessen, scheint er sich jetzt wieder auf das Entscheidende besonnen zu haben. Tracks wie "Same day" oder die neue Single "Where'd you go" erinnern an vergangene Glanztaten des Meisters und gefallen vor allem durch den erfrischenden Sound. Wie immer hat Mascis zwar wieder Monate an der Platte gebastelt, was man dieser aber nicht anmerkt. Das Album klingt spontan und wie aus einem Guß.

"More light" - mehr Mascis, aber leichter. Der Titel ist Programm. Vorbei sind die Zeiten, als er sich durch die schweren und überfüllten Songs quälte und man sich schon wunderte, ob er denn das Ende des Liedes noch erreichen würde. Mascis bringt wieder mehr Licht ins Dunkel und schreibt Songs für seine Fans statt für sich alleine. Mit dem Alter kam die Weisheit zurück. Still und leise scheint er sich schon darauf vorzubereiten, die Nachfolge von Neil Young als Grunge-Opa anzunehmen. Wie bereits auf der letzten Platte von Dinosaur Jr. unterstützt ihn auch diesmal wieder Kevin Shields von My Bloody Valentine, einer dieser Gitarren-Eigenbrötler, der es hoffentlich noch schaffen wird, vor der Pensionierung eine neue Platte aufzunehmen. Neben den üblichen Instrumenten attackiert einen, anders als zu den früheren Dinosaurier-Tagen, auch wieder ein Keyboard, das die Songs eine Spur poppiger und dadurch zugänglicher als jemals zuvor erscheinen läßt.

"It takes a teenage riot to get him out of bed" Die Zeiten als man ihn als Slacker und Faulenzer bezeichnete sollten endgültig vorbei sein. Der Mann scheint nicht nur in musikalischer Form vollkommen geläutert und liefert mit "More light" ein Album ab, das um Längen besser ist als diverse andere diesjährige Veröffentlichungen von ehemaligen Pre-Grunge-Helden. "Hey hey, my my - rock 'n' roll will never die" - der Klang von Mascis' verzerrter Gitarre wird nie aussterben.

(Thomas O. Huber)

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Highlights

  • Same day
  • Waistin
  • Where'd you go

Tracklist

  1. Same day
  2. Waistin
  3. Where'd you go
  4. Back before you go
  5. Ground me to you
  6. Ammaring
  7. All the girls
  8. I'm not fine
  9. Can't take this on
  10. Does the kiss fit
  11. More light

Gesamtspielzeit: 43:27 min.

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