Idlewild - Warnings / Promises

Idlewild- Warnings / Promises

Parlophone / Capitol / EMI
VÖ: 11.04.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Leseratten

Ein Buch sagt mehr als tausend Worte. Eine Platte unter Umständen auch. Das haben die fabulösen Idlewild für ihr fünftes Album in Betracht gezogen und einmal mehr ein bewegendes Stück Musikliteratur vollbracht. Nachdem das mit Hymnen wie "You held the world in your arms" vollgestopfte "The remote part" hierzulande sträflich unterbewertet wurde, suchen sie ihr Heil weiter in der Kunst. Und war der Vorgänger bisweilen existentialistische Poesie, ist "Warnings / Promises" ein handfester Schmöker geworden.

Die Lektüre beginnt mit dem verklärten Prolog "Love steals us from loneliness". Joy Divisions vielgelesenem Klassiker "Love will tear us apart" wird ein warmer Händedruck und ein spöttischer Tritt in den Allerwertesten geschenkt. Im nächsten Kapitel heißt "Welcome home" den Leser in einer Atmosphäre aus ständigem Zweifel und salbungsvollem Unbehagen willkommen. "I go outside to find the middle of nowhere / Everyone needs their own empty stage / Just like the sky with no beginning or ending / I like reading a book without a last page." Früh beginnt ein melancholisches Spiel mit offenen Enden.

Später besinnt sich die Handlung auf den Protagonisten. Störrisch und unausgeglichen verlangt er nach Anerkennung. Ständig auf der Suche nach Erklärungen für sein Ungemach pocht auf seine Sicht der Dinge. Zeilen wie "Another passing emotion / In hope that someone will take notice" portraitieren das bewegte Herz, das ein paar Seiten weiter im Schlafmangel von "As if I hadn't slept" die Erkenntnis findet: "It's far to vague to be meaningful." Das Lamento einer Beziehungswaise weicht der beruhigten Resignation. "And you held me like I was a shadow / But completely without any mystery / And you compared me to a shadow / Which in itself is some kind of victory."

Den Autoren gelingt es jedoch nicht immer, die Atmosphäre an den verschiedenen Schauplätzen mit gleicher Intensität aufrechtzuerhalten. Gelegentliche Eselsohren in Form allzu pathetischer Streicherformulierungen, durchsichtiger Computerrhythmen oder zielloser Gitarrenabsätze verderben das Lesevergnügen jedoch nicht. Denn Erzählstränge wie das spannungsreiche "The space between all things" oder "Blame it on obvious ways" schwelgen im glorreichen Scheitern, und "El capitan" erinnert sich wehmütig an vergangenen Ruhm. So ist "Warnings / Promises" kein versöhnliches Werk. Der Abschied, den "Goodbye" mit auf den Weg gibt, hadert mit sich selbst. Das Unbehagen bleibt. Aber das ist weiterhin ein gutes Gefühl.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Love steals us from loneliness
  • I understand it
  • As if I hadn't slept
  • The space between all things

Tracklist

  1. Love steals us from loneliness
  2. Welcome home
  3. I want a warning
  4. I understand it
  5. As if I hadn't slept
  6. Too long awake
  7. Not just sometimes but always
  8. The space between all things
  9. El capitan
  10. Blame it on the obvious ways
  11. Disconnected
  12. Goodbye

Gesamtspielzeit: 47:11 min.

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