Botanica - Botanica vs. the truth fish

Botanica- Botanica vs. the truth fish

Rent-A-Dog / Al!ve
VÖ: 07.02.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Fahrendes Volk

Paul Wallfisch ist nicht nur ein weitgereister Mann, er pflegt durchaus eine dem Showbusiness geschuldete Zigeunerattitüde. Einerseits sind die Sounds multikulturell im besten Sinne, aber auch der Mann selbst gibt beständig den rastlos Kreativen, der mit einer guten Mischung aus Unbändigkeit und dem Gestus des Bohemians ein Dasein am Rande des Establishments kultiviert. Der Ex-Firewater-Orgler lebt in New York, ist aber in der ganzen Welt zu Hause, immer on the road. En passant hat er dabei in einem Bunker im Ruhrgebiet den dritten Longplayer mit seiner Band Botanica eingespielt: "Botanica vs. the truth fish".

Nach einem hochdramatischen Streicherintro überrumpeln die Jungs mit lautem Krawall. "The truth fish" ist als Quasi-Titelstück durch und durch programmatisch, ein urbaner Stampfer mit Hang zum Kryptischen. Die Band funktioniert als energiegeladener Zwitter zwischen osteuropäischer Hochzeitskapelle und rotweinabhängigen Neopunks. In der Luft hängen Schweiß und Rauch und der Dunst von billigem Fusel. Womit bewiesen wäre, daß die Herren aus Manhattan etwas vom Feiern verstehen.

Doch Botanica gibt es auch in nachdenklich. "The flag" ist ein Stück Vaterlandsliebe der kritischeren Art. "Closed" hingegen läßt sich als Absage an die Welt da draußen verstehen - haltet die Fenster geschlossen, damit all der Gestank und die Gifte nicht bis zu euch dringen. Und dann wird wieder in die Vollen gegangen. "Love is the difference" klingt als Titel nach einer Mischung aus Popsternchengehabe und Frauenliteratur, ist aber ein herrlich druckvoller Song über das Gute, das aus Negativem erwachsen kann, wenn denn nur die Einstellung stimmt. Daß Paul Wallfisch jedoch genau dafür ein Garant ist, wird jeder bestätigen, der schon mal das Glück hatte, einem ihrer zahlreichen Livegigs beizuwohnen. Neben Wallfisch weiß dabei vor allem Ex-Pissers-Mann Christian Bongers am Baß zu überzeugen; er dürfte sowohl bärtigen Jazzfreunden ein Begriff als auch Anhängern dreckigster Garagenklänge. Wenn dann noch in den Credits zum Album so unterschiedlichen befreundeten Künstlern wie den Dresden Dolls, Madrugada oder Jansen gedankt wird, dürfte auch dem letzten Langweiler und Jünger des Eindimensionalen klar geworden sein, daß er von diesem Album besser die Finger läßt.

(Joerg Utecht)

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Highlights

  • The truth fish
  • Love is the difference

Tracklist

  1. Intro
  2. The truth fish
  3. The flag
  4. Good
  5. Billboard Jesus
  6. Love is the difference
  7. Closed
  8. You
  9. The missing link
  10. Swimming in the ocean at night
  11. Shy or stupid
  12. Limerence
  13. Lost

Gesamtspielzeit: 49:26 min.

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