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Placebo - Black market music

Placebo- Black market music

Hut / Virgin
VÖ: 09.10.2000

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

This bleeding heart

Das Album nach dem großen Durchbruch stürzte in der Vergangenheit so manche Rockband ins kreative Verderben, auch wenn es zunächst nicht danach aussah. Im Falle von Nirvana war der Erfolg von "Nevermind" sicherlich nur einer von vielen Gründen, die zu dem Drama führten, dessen Ausgang uns allen bekannt ist. Doch auch Bands wie die Smashing Pumpkins, Pearl Jam oder Live zog es nach dem Erfolg zurück in die Isolation, und Ed Kowalczyk oder Billy Corgan suchten ihr Heil im Spirituellen und Abstrakten. Abstrakt waren Placebo schon immer. "Every you every me" verkörperte mehr als nur ein unbeschwertes Liebeslied und der "Pure morning" war verhangen mit blutroten Wolken. Das mediengerechte Image der Band und die griffigen Statements wie "You don't care about us" war daher eine ausgezeichnete Fassade, um allzu neugierige Fragen nach ihrem wahren Innenleben abwehren.

Auf "Black market music" nun wird die Suche nach offensichtlichen Hits schon nach kürzester Zeit erfolglos eingestellt werden. An prägnanten Riffs und verwirrenden Seltsamkeiten vom Schlage "Nancy boy" fehlt es nicht. Dennoch erreichen die neuen Stücke weder die Eingängigkeit ihrer Vorgänger, noch erschließen sie sich beim ersten Hören. Der Schock sitzt zunächst tief. Allerdings ist es vollkommen vermessen, das Vorgängeralbum als Vergleich heranzuziehen. Ein Album wie "Without you I'm nothing" schreibt eine Band wie Placebo vermutlich nur einmal in ihrer Karriere, während die allermeisten Acts ihr Leben lang nur davon träumen. "Black market music" bezieht seine Faszination nicht aus irgendwelchen schnelllebigen Hits, denn davon gibt es mit "Days before you came" lediglich einen einzigen, der auch vergangenen Zeiten entstammen könnte.

Selten ist die Veränderung so deutlich wie auf "Spite & malice", wo Justin Warfield (One Inch Punch) gerappte Akzente setzt. Wenn "Special K" oder "Haemoglobin" oberflächlich als Up-Tempo-Hymnen an die Tür klopfen, machen sie sich in der Seele später als verworrene Klagelieder breit. Tränenreiche Elegien wie "Passive aggressive" oder "Narcoleptic" lassen vermuten, daß Molko in Gedanken zwischenzeitlich tausend Tode gestorben ist und rufen Schwarzseher wie The Cure oder Depeche Mode ins Gedächtnis. Insbesondere die düster-depressive Stimmung von deren Album "Songs of faith and devotion" zieht sich wie ein Faden durch "Black market music", und wenn in "Passive agressive" von "My bleeding heart" die Rede ist, so ist dies mehr als nur eine hohle Metapher. "Black market music" braucht sich dank seiner Geschlossenheit vor nichts und niemandem zu verstecken - und tut dies dennoch unaufhörlich. "I wrote this novel just for you" heißt es noch etwas unsicher im wunderschönen "Blue American" bis im "Commercial for Levi" berührend auch die letzten Dämme brechen: "I understand the fascination / I've even been there once or twice / But if you don't change your situation / Then you'll die" warnt Molko und fleht immer und immer wieder "Please don't die". Die Welt bleibt außen vor und Brian Molko gewährt nur im Intimen tiefe Einblicke. Die einstige "Music for the masses" erteilt nun all denen eine Absage, die die Seifenblase Placebo dankbar angenommen hatten und versuchten, sie zu ihren neuen Idolen zu stilisieren. Der letzte Lichtstrahl ist dem Dunkel gewichen und die tiefschwarze "Teenage angst" erwachsen geworden.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Days before you came
  • Blue American

Tracklist

  1. Taste in men
  2. Days before you came
  3. Special K
  4. Spite & malice
  5. Passive agressive
  6. Black eyed
  7. Blue American
  8. Slave to the wage
  9. Commercial for Levi
  10. Haemoglobin
  11. Narcoleptic
  12. Peeping Tom

Gesamtspielzeit: 55:24 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Fiep

Postings: 512

Registriert seit 29.04.2014

2020-10-10 15:56:39 Uhr
"it is a record that by the band’s own admission was created during the height of their “party phase”."

Hab letztens wieder ein paar der alben rausgegraben...ja, so klingt es. Auf partner/beziehungen/drama fokusiert. Klingt stark nach jugendalbum. (und auch recht bitter an stellen), perfekt für eine generation in diesem alter damals beim aufwachsen.

Für mich hat sich mehr ihr sound nostalgisch gut gehalten als die meisten tracks ansich.
Wobei sie ein gutes gespür hatten damals für die singles, Special K , Black Eyed, Hemoglobin und Peping Tom sind die highlights des albums für mich.

Fand die 2 Nachfolger besser.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18872

Registriert seit 08.01.2012

2020-10-10 10:22:03 Uhr - Newsbeitrag
Placebo celebrate 20th anniversary of
Black Market Music with new video-series
“Black Market Music Stories”

Placebo also share “Taste In Men”
re-mastered video - WATCH HERE



2020 rings in the 20th anniversary of Placebo’s beloved third album Black Market Music. To celebrate, the band have completed filming of a four-part video-series - “Black Market Music Stories” - which sees bassist Stef visit treasured locations and walk viewers through the writing, recording, touring, and personal stories, that would shape the conception of the album. Featuring new and archive footage, it includes interviews with the people who were key to bringing the album into the world - producers, singers and other collaborators, managers and more offer their memories of the time. Episode 1 is available to watch now below. Subscribe to the series in full HERE.

http://www.placeboworld.co.uk/

The band comments: “With our chests out, riding high on the success of our second album, we entered the studio to record Black Market Music. We were full of bravado and confidence, and proceeded to create our most visceral, dark and poppy collection of songs to date. Here's a humble nod to its 20th birthday.”

Black Market Music came together as the band saw their notoriety swelling exponentially in the wake of breakout successes with their self-titled debut, and the follow-up Without You I’m Nothing. Reaching #6 in the Official UK Album Charts and spawning the singles "Taste in Men", "Slave to the Wage", "Special K" and "Black-Eyed", it is a record that by the band’s own admission was created during the height of their “party phase”.

Black Market Music was also released into a new world, one in which mainstream chart interest was moving away from late-era grunge and instead setting its gaze on rap-rock and nu-metal, genres that the album resultingly put in its cross-hairs as it rallied against the macho - and sometimes misogynistic and homophobic - image of the scene. The introduction of hip-hop MC Justin Warfield to “Spite & Malice” was done in-part to show that the style needn’t be constantly draped in aggression.

Revisit the album Black Market Music in full HERE and watch the re-mastered video for "Taste In Men" below.

lumiko

Postings: 847

Registriert seit 09.09.2015

2019-06-19 22:31:47 Uhr
ja, können wir gerne machen!

lumiko

Postings: 847

Registriert seit 09.09.2015

2019-06-19 22:31:08 Uhr
Euch ebenfalls einen schönen Abend!

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 23405

Registriert seit 07.06.2013

2019-06-19 22:30:54 Uhr
@lumiko:
Den "Listening Sessions"-Thread kennste? Da kannste acuh gern mal Verfügbarkeit reinschreiben und wir machen noch andere Placebos und Bands. :)
Zum kompletten Thread

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