Zuhause - Dinge an ihrem Platz

Zuhause- Dinge an ihrem Platz

Reptiphon / Deutsche Austrophon
VÖ: 21.02.2005

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Zimmer frei!

Bilderrätsel: Spätsommer, Semesterferien. Eine Vierer-WG unterm Dach eines Altbaus. Junge, glückliche Menschen beim Abwasch, beim Wäscheaufhängen, beim Gesellschaftsspiel. Sie rauchen, trinken schwarzen Kaffee und tragen Trainingsjacken. Dies ist kein Werbefilm für eine Bausparkasse und keine Fotostrecke im Neon Magazin. Dies ist das Booklet einer Indieband.

Die Umfeldstory: Alle vier Bandmitglieder sind schon mal irgendwo in Indie-Deutschland auffällig geworden. Am bekanntesten war vermutlich die famose Band Blobkanal, die es leider auch schon nicht mehr gibt. Bassistin Barbara Conrad hat dort früher gespielt. Jetzt hat sie bei Sänger/Gitarrist/Songwriter Ronald Strehl und seinen Freunden eine neue Bleibe, ja, ein neues Zuhause gefunden. Seit anderthalb Jahren spielt die Band jetzt in dieser Besetzung und legt nun mit "Dinge an ihrem Platz" ihr Debütalbum vor. Böse zungen werden jetzt behaupten, daß es sich dabei um Musik für Bausparer und Neon-Leser handele. Was allerdings allenfalls die halbe Wahrheit ist.

Zurückgelehnter Indierock, der eigentlich fast schon lupenreiner Pop ist, trifft hier auf liebenswerte und augenzwinkernde Texte. Kostprobe gefällig? "Ich fühl mich heut ein wenig wie die Beatles vor 'Rubber soul' / Die ganze Welt hält plötzlich still, es geht mir einfach wundervoll." Findige Journalisten, die es auf die Abfeierung eines Generationengefühls angelegt haben, kriegen "Gehen & Bleiben" vor die Füße geworfen: "Wir lesen gute Bücher / Wir sehen gute Filme / Wir haben gefakete Probleme / Wir haben tausend Pläne." Diese Band ist von guten Eltern, kein Zweifel. Man kann jetzt darüber diskutieren, ob ein Refrain wie "Und meine Freunde lesen Spex / Und ich glaub nicht, dass sie's wissen / Dass Steve Malkmus die Black Crowes / Gut gefunden hat" jetzt albern oder unglaublich charmant ist. Man kann sich aber auch gleich für letzteres entscheiden.

Die ultimative Lobhudelei: Zuhause haben ihre Hausaufgaben gemacht. Und mit "Dinge an ihrem Platz" ein gefälliges, schwere- aber keinesfalls niveauloses Album Gutgelaunt hüpfen sie durch 5000 Jahre Musikgeschichte und zitieren mal hier, mal dort, ohne dabei irgendwie den Eindruck zu erwecken, keine eigenen Ideen zu haben. So gibt es ein leicht überdrehtes Instrumentalstück namens "Ichi, ni, san, shi", aber auch ein sehr sympathisches Death-Cab-For-Cutie-Rip-Off, in dem es "Ich brauch dich so viel näher" heißt. Zuhause erzählen einfache Geschichten von alltäglichen Begebenheiten und Problemen. Das ist nicht immer interessant, aber durchaus menschlich.

(Lukas Heinser)

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Highlights

  • Gehen & Bleiben
  • Der Junge, dessen Bild Du bei dir trägst
  • Ich bin nicht ich

Tracklist

  1. Willkommen zu Hause
  2. Gehen & Bleiben
  3. Der Junge, dessen Bild Du bei dir trägst
  4. Meine Geschichte und ihr Preis
  5. Plus/Minus Null
  6. Nicht loswerden
  7. Ichi, ni, san, shi
  8. So viel näher
  9. Dinge an ihrem Platz
  10. Ich bin nicht ich
  11. Wir sind nicht mehr allein

Gesamtspielzeit: 32:59 min.

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