HGH - Miracle working man

HGH- Miracle working man

Stickman / Indigo
VÖ: 28.02.2005

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Bluegrass Brothers

Als ich HGH 2001 bei einem Konzert in einem kleinen, feinen Club kennenlernen durfte, wollte mir ein etwas konspirativ veranlagter Kumpel nicht nur weißmachen, daß sich hinter dem Bandnamen ein Verweis auf meist durch grüne Pflänzchen herbeigeführte Höhepunkte versteckt. Sondern auch, daß diese drei Jungs auch die musikalische Zukunft aufzeigen: nicht mehr langweiliger, immergleicher Dicke-Hose-Rock, sondern Experimente mit der gesammelten Gute-Laune-Macht des Bluegrass. Jetzt, da ich mit "Miracle working man" das vierte Album der Norweger vor mir liegen habe, möchte ich diese Aussage etwas relativieren: HGH steht für Hagfords, Gebhardt und Hickstars, die Namen der drei Bandmitglieder, von denen der mittlere, Hakon Gebhardt, auch noch hauptberuflich Drummer bei Motorpsycho ist.

Doch selbst wenn die geheime Aura mit diesem Wissen etwas Schaden genommen hat, Spaß machen HGH weiterhin. Banjo, verstaubte Rhythmusmaschinen und vibrierender Zwei-Stimmen-Gesang - mehr braucht es nicht für ihren erfreulich-individuellen Minimal-Folk. Oder ist's Country? Doch Bluegrass? "Trashgrass" nennen sie's selber, auch gut, ist ja eh alles nicht Ernst, was dargeboten wird: "When I take her out, she takes forever / We'll twist and shout, or tar and feather" bringt "She brings me luck" Männlein-Weiblein-Probleme auf den Punkt. Schöne Kinderblick-Naivität. Der "Miracle working man" wird verblüfft gegrüßt und über "Blood for oil" nur enttäuscht der Kopf geschüttelt. Kleine Melancholie hängt den Songs schon meist mit an, aber nichts, was ein paar flotte Banjo-Saiten nicht wegtanzen könnten.

Neben der Nase für lustige Poplieder, haben die Drei auch einen gehörigen Hang zu Absonderlichkeiten. Beim verschrobenen "Mulder" scheint sich eine Spieluhr zur langsam vor sich hinleiernden Melodie zu drehen, besinnliche Sitar-Klänge in "Anna Lovinda" lassen Räucherstäbchen-Atmosphäre aufkommen. Und natürlich darf Father Seb nicht vergessen werden: Dieser Laienprediger hat der Band scheinbar bei einer recht trinkfreudigen Nacht in Hamburg Asyl gewährt und dabei den zu beschreitenden Weg aufgezeigt: "He told us what we need to reflect upon / Of love and tolerance, and the need for movement, too", heißts in "He travelled with our band" dazu. Seitdem gilt es, seine Lehre zu verbreiten.

Aber dieser Missionieriungseifer kann auf die Dauer schon auch auf die Nerven gehen. Natürlich findet man hier kein christliches Pathos. Aber auch manische Grinsebacken mag man manchmal einfach Abwatschen, natürlich auch nur aus Spaß. Und wenn's dann bei "The day the font capsized" schon fast weihnachtlich wird, scheint die alte Rockleier auch nicht mehr so abgenudelt zu sein. Aber wenn denn dann mal die endgültige Banjo-Erlösung durch Father Seb's Bigband kommen sollte, gilt es, dabei zu sein.

(Tobias Wallusch)

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Highlights

  • 22nd century sacred banjo
  • She brings me luck
  • Jealous girl

Tracklist

  1. 22nd century sacred banjo
  2. Miracle working man
  3. Blood for oil
  4. She brings me luck
  5. Jealous girl
  6. He travelled with our band
  7. Lost sleep
  8. The day the font capsized
  9. Mulder
  10. Bah bah baby
  11. Anna Lovinda

Gesamtspielzeit: 39:45 min.

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  • HGH (6 Beiträge / Letzter am 25.03.2005 - 09:39 Uhr)