Athlete - Tourist

Athlete- Tourist

Parlophone / EMI
VÖ: 21.03.2005

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Everybody's changing

Erwachsen werden. Bei manchen Leuten dauert es das ganze Leben, und sie werden doch nicht fertig damit. Oder glaubt irgendjemand, man könnte mit, sagen wir mal, Wayne Coyne ein vernünftiges Gespräch über Altersvorsorge führen? Genau. Andere hingegen machen den Eindruck, sie seien erst mit 40 auf die Welt gekommen und dann postwendend Sozialkundelehrer geworden. Oder CSU-Politiker. Ganz, wie sie wollen. Die meisten Menschen trifft das plötzliche Erwachsensein sowieso wie der Schlag. Athlete-Sänger Joel Pott ist zum Beispiel so einer. Jahrelang mit der Band unterwegs gewesen, Spaß gehabt, Pop gemacht und dann auf einmal Vater geworden. Schließlich wurde der neugeborene Nachwuchs auch noch krank. Und davon kann man wirklich schon mal ein Lied singen.

"Wires" heißt der Song, den Pott über seine Tochter geschrieben hat, die sich mittlerweile und zum Glück an allerbester Gesundheit erfreut. Eine hochdramatische Angelegenheit, mit Klavier und Orchester und viel Wachs auf den Stimmbändern. Gleichzeitig aber auch auf dermaßen unbeholfene Weiße herzlich und süß, daß es fast schon wieder aufs Athlete-Debüt "Vehicles & animals" gepaßt hätte. Diesen quirky, smirky Fiepmatz von einer Pop-Platte, mit dem "Tourist" so gar nichts mehr zu tun haben will. Weil es fast ein bißchen so ist, als wären Athlete seit ihrem Debüt 20 Jahre älter geworden. Und Erwachsensein ist nun mal scheiße.

Der neue Plan jedenfalls sieht vor: Weg mit all dem lustigen, tapsigen, unvernünftigen, verspielten, kindischem Kram. Und her mit Erste-Liga-Pop. Große Gesten, Schmalz in alle Fugen, Busladungen voll Geigenspieler und rationales Haushalten mit den eigenen Ideen. Overkill war gestern. Und so reiht "Tourist" eine gut gemeinte Ballade an die nächste, spielt Piano, bis die Tasten qualmen und verfolgt seine beiden Grundansätze mit peinlicher Kleinlichkeit: 1.) Reicherer, vollerer Sound. 2.) Persönlichere, ernstere Themen. Pott kommt gar nicht mehr raus aus dem Flehen, Hadern und Verzagen. Und das lustigste an der Platte ist tatsächlich der Name des Produzenten. Der heißt nämlich Victor Van Vugt.

In Großbritannien sind Athlete damit durchgekommen, bis auf Platz eins in den Charts. Und es ist ja auch ein schönes Album, mit dem man sich prima am Coldplay-Vorgruppen-Wettbewerb für den kommenden Stadion-Sommer beteiligen könnte. "Half light" stolpert nach hellgelbem Beginn sympathisch über sich selbst. "If I found out" nimmt die letzte Ausfahrt zur Gospel-Kirche. Und "Twenty for hours" ist am Ende immerhin nahe dran, sich nochmal richtig gehen zu lassen. Die angezogene Handbremse kriegen Athlete aber auch mit dem beherzter zupackenden "Modern Mafia" nicht mehr raus. Der Langschläfer-Charme und die Unverwechselbarkeit des Debüts sind sowieso verloren. Und so geht es Athlete am Ende schließlich wie jedem von uns. Sie sind viel zu schnell erwachsen geworden.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Chances
  • Half light
  • Wires

Tracklist

  1. Chances
  2. Half light
  3. Tourist
  4. Trading air
  5. Wires
  6. If I found out
  7. Yesterday threw everything at me
  8. Street map
  9. Modern Mafia
  10. Twenty four hours
  11. I love

Gesamtspielzeit: 46:34 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
eric
2006-03-11 14:52:27 Uhr
Ah. Vorher gab's

El Salvador
Tourist
Twenty Four Hours
Beautiful
You Got The Style
Wires

Hm. Hab' sicher eins vergessen. Bei "Westside" haben die "Part of the rock scene" eingeblendet. Hehe.
Pure_Massacre
2006-03-11 14:26:28 Uhr
Jap, leider nur die letzten beiden Songs, also "Westside" und "Shake those windows".
eric
2006-03-11 14:11:17 Uhr
Gern geschehen! Haste noch was mitbekommen?
Pure_Massacre
2006-03-11 13:58:36 Uhr
Danke, eric :-)
eric
2006-03-11 13:28:48 Uhr
Gucken! Live auf 3 Sat. SWR3 New Pop.
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