Paul Anka - Rock swings

Paul Anka- Rock swings

Centaurus / Sony BMG
VÖ: 28.02.2005

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ort der Begegnung

Sonntag Nachmittag. Die Dritten blitzen wie selten, das Blümchenkleid zwickt ein wenig, wurde aber von der Schwester eben noch frisch angezogen, und der charmante Herr von der Wohngruppe nebenan nähert sich. Ein Gentleman der alten Schule, gewandet in seinem feinsten Zwirn. "Schöne Frau, darf ich bitten?" Einen Knicks später schwoofen zwei Schuhpaare über den Boden des Gemeinschaftsraums und fühlen sich einige Momente lang wie damals. Die Brillen rutschen Millimeter für Millimeter herunter und geben einen tiefen Blick in die Augen frei. "Black hole sun / Won't you come / To wash away the rain." Was der da wohl singt? Macht nichts. Es klingt wunderschön.

Wer hätte das noch zu träumen gewagt? In Zukunft werden die Tanztee-Stündchen in der Seniorengruppe von zeitgenössischer Rockmusik untermalt. Soundgarden, Van Halen, R.E.M., Oasis, Bon Jovi, Michael Jackson, Nirvana, Billy Idol oder The Cure haben die Songs verfaßt, zu denen ältliche Herrschaften in Zukunft übers Parkett schlurfen. Es sei ihnen von Herzen gegönnt. Und ist Paul Anka zu verdanken. Die Älteren erinnern sich noch, die Jüngeren erhalten hiermit eine kleine Geschichtsstunde: Paul Anka schrieb für Frank Sinatra "My way", für Tom Jones "She's a lady" und für sich selbst mit "Diana" eine der meistverkauften Singles aller Zeiten.

"Rock swings" ist ein Generationen-Album, das Brücken baut. Jeder vom Teenie bis zum beschriebenen rüstigen Rentner wird ihm etwas abgewinnen können. Der stilvolle Swing erinnert an das unvergessene "Rat Pack" um Frank Sinatra und sorgt bei allen, die damals schon auf der Welt waren, für garantiert leuchtende Augen. Die Nachwachsenden hingegen kennen zumindest die vertretenen Songs aus dem FF und erfreuen sich an der Kuriosität, "Smells like teen spirit" in ungeahntem Klang zu vernehmen.

Nur die größten der großen Rockklassiker hat Paul Anka herausgepickt, alles von "Eye of the tiger" über "Everybody hurts", "Wonderwall" und "Black hole sun" bis "Smells like teen spirit". Diese Auswahl ist natürlich genausowenig originell wie das Konzept als solches, nach unzähligen ähnlichen Alben von The Mike Flowers Pops, Westlife oder Robbie Williams. Und während letzterer auf seinem aufsehenerregenden "Swing when you're winning"-Album noch alleine durch seine Präsenz noch für den Charme der Moderne sorgte, zieht es Paul Anka altbacken vor. Ein gewöhnungsbedürftiger Ansatz, zugegebenermaßen, aber ein ehrenswerter.

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Ironie indes ist keine zu entdecken. Die kommt von ganz alleine, wenn ein 64-jähriger die Songs seiner Enkel covert, ist vielleicht sogar gewollt, aber nicht die Hauptintention. Viel eher schon will Paul Anka schöne Lieder aus ihrem Krach-Gefängnis befreien und sie in der puren Schönheit eines Swing-Orchesters erklingen lassen. Ob das einem Nirvana-Fan zu vermitteln ist, ist die andere Frage. Und doch kann sich der Junge ein Schmunzeln nicht verkneifen und schnipst beseelt mit den Fingern. Der Alte hingegen freut sich, daß der Tanztee endlich mal von frischer Musik aufgemischt wird. Eine neue Chance. Spiel's noch einmal, Schwester!

(Armin Linder)

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Highlights

  • Jump
  • Black hole sun
  • Lovecats

Tracklist

  1. Eye of the tiger
  2. Jump
  3. Everybody hurts
  4. Wonderwall
  5. Black hole sun
  6. It's my life
  7. It's a sin
  8. True
  9. Smells like teen spirit
  10. Hello
  11. Eyes without a face
  12. Lovecats
  13. The way you make me feel
  14. Tears in heaven

Gesamtspielzeit: 58:11 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Lennon
2005-11-25 22:58:32 Uhr
ein hervorragendes album und die swing versionen sind abwechslungsreicher als beispielsweise pat boones "in the metal mood". besonders zu empfehlen ist smells like teen spirit
Raventhird
2005-11-25 22:22:28 Uhr
http://plattentests.de/rezi.php?show=2836

Kennt plattentests natürlich selbst schon. Da war ich doch wohl etwas zu voreingenommen in meiner Annahme der Musikauswahl der Redaktion hier ;).
Raventhird
2005-11-25 22:20:17 Uhr
Halte normalerweise nichts von derartigen Cover-Samplern, aber den hier wollte ich mal rausstellen, wirklich schöne Musik, v.a. das "Wonderwall"-Cover ist Eins A.
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