Ted Leo And The Pharmacists - Shake the sheets

Ted Leo And The Pharmacists- Shake the sheets

Lookout / Cargo
VÖ: 21.02.2005

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Risiken und Nebenwirkungen

Der letzte rechte Haken des Lebens hat Dich wirklich schwer erwischt. Du stehst ohne klaren Kopf auf Beinen aus Gummi. Nun, genau genommen stehst Du eigentlich gar nicht mehr, sondern hängst auf halb acht in den Seilen. Aber Du bist noch nicht am Boden, Du kannst noch mehr nehmen. Das zählt. Und außerdem hast Du Ted Leo in Deiner Ecke. Ein unscheinbares Mittelding aus in die Jahre gekommenem Gitarrenrocker und Ringarzt für die alltäglichen Auseinandersetzungen, die man sich so liefert mit dem Leben. Seit unzähligen Runden flüstert er Dir jetzt schon immer wieder die gleichen zweieinhalb Worte zu: "It's alright." Und Du glaubst ihm.

Eine richtige Rockplatte zu machen, ist eine Sache. Und "Shake the sheets" ganz sicher eine andere. Eigentlich ist es nur ein weiteres Album von Ted Leo + Pharmacists, diesen wunderbar tapsig aussehenden Männern mit ihren formlosen Frisuren und dichten Bärten. Aber irgendwas müssen sie diesmal ganz furchtbar richtig gemacht haben, zwischen dem 17. Mai und dem 4. Juni 2004, als sie diese Platte eingespielt haben. Weil sie voll ist mit kurzen Rocksongs, die man nicht mehr aus dem Kopf kriegt. Quirlig wie ein 70er-Jahre-Linksaußen, klug wie Mandela und gesungen in Ausrufezeichen. "Euphorie" ist das Wort, das wir suchen.

Das Beste an "Shake the sheets" sind die Gitarren, eher aus voller Ekstase beackert, als im schnöden Normalo-Sinn gespielt. Als volles Brett wie im eröffnenden "Me and Mia", das eine Bank werden muß auf Jahresbesten-Samplern. Atemlos kreiselnd in "The angel's share". Und in "The one who got us out", das eigentlich klingt, als sollte es ein Punksong werden, mit seiner neckischen Verzocktheit, die man so zuletzt vor einem Jahr bei den Shins gehört hat. Nur, daß die eben keine Rockband sind. Im Gegensatz zu den Pharmacists. Drei Teufelskerle mit Kleinkinderspieltrieb. Die wirklich rocken. Und so auch noch den Emo zurückgewinnen. Zurück zu den Guten.

Und dabei passiert viel zu viel zwischen dem sporengebenden Opener dieser Platte und dem abschließenden Party-Vibe-Singalong von "Walking to do", als daß man es in 400 Worten adäquat abreißen könnte. Ein Baßsolo zum Beispiel, dafür muß bei aller gebotenen Kürze schon Zeit sein. Background-Gesang, Pianos und Glockenspiele, die zwischen all dem Überschwang bis heute keinem aufgefallen wären, wenn sie nicht im Booklet stünden. Und dann auch noch Teds Texte, ein Taumeln zwischen alltagstragischen Liebesgeschichten, Optimismus-Doping und Auf-die-Barrikaden-gehen. Das kannst Du gut gebrauchen. Gleich wird nämlich der Gong läuten. Und dann mußt Du wieder hoch von Deinem kleinen Schemel. Dem Leben entgegen. Es wartet schon. "It's alright."

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Me and Mia
  • The one who got us out
  • Little dawn
  • Walking to do

Tracklist

  1. Me and Mia
  2. The angels' share
  3. The one who got us out
  4. Counting down the hours
  5. Little dawn
  6. Heart problems
  7. Criminal piece
  8. Better dead than lead
  9. Shake the sheets
  10. Bleeding powers
  11. Walking to do

Gesamtspielzeit: 40:00 min.

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