William Elliott Whitmore - Ashes to dust

William Elliott Whitmore- Ashes to dust

Southern / Alive
VÖ: 21.02.2005

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Windstille

Es gibt viele Gründe, sich über das zweite Album des Südstaatenmannes William Elliott Whitmore zu freuen: 1. daß es solche Leute wie ihn überhaupt noch gibt; 2. daß der Begriff "Zeitgeist" in seinem Wortschatz nicht zu existieren scheint; 3. daß die Gleichung "Ein Mann plus seine Gitarre plus ein tiefes, jammervolles Tal namens Leben gleich ergreifende Musik" immer wieder aufzugehen scheint; 4. daß er den Versuch wagt, die Maxime "Weniger ist mehr" zu bestätigen; 5. daß seit dem letzten Tocotronic-Album schon wieder ein Musiker das Oscar-Wilde-Zitat "Talent borrows, genius steals" mit Leben zu füllen versucht. Et cetera.

Diese vielen Gründe können allerdings auch sämtlich gegen den Künstler und das Album "Ashes to dust" verwendet werden. Das ist die Crux mit Herrn Whitmore. Eine aufgesetzte Attitüde und die Unfähigkeit, das Wenige über die lange Strecke tragfähig zu machen, sind die offensichtlichen Vorwürfe, die dem Manne zu machen sind. Nicht, daß er seine Vergangenheit als Roadie für allerlei Punkbunds erwähnt und jetzt zum veritablen Bluesmann mit einem Leben "on the road" geworden ist, erscheint problematisch. Daß er allerdings mit seinen 26 Lenzen klingt wie 70, so, als hätte er das gute Dutzend an Aufenthalten in der Betty-Ford-Klinik schon lange hinter sich gelassen und die Weisheit alter Männer mit Löffeln gefressen, ist, wenn nicht nur Show, so doch zumindest latent peinlich.

Schwerer wiegen jedoch die eingeschlafenen Füße nach dem Hören des ganzen Albums. Obwohl nur 35 Minuten während reichen zwei bis drei gute Ideen nicht, um auch noch so große Rootsblues- und Outlaw-Folksong-Fans zu fesseln. Drei Akkorde und ein immer wiederkehrendes Thema - das Leben ist nichts weiter als der steinige Weg in die Hölle - funktionieren einmal. Auch beim zweiten Song reicht die unmerkliche Variation, um nicht gleich einzudösen. Doch wenn es dann Mal um Mal "The day the end finally came" oder "Diggin' my grave" oder "Gravel road" heißt, zerrt der ewige Gleichklang doch beträchtlich an den Nerven. Richtig ärgerlich wird es aber, wenn Vergleiche bemüht werden mit dem alten Johnny Cash und dessen brüchiger Reduziertheit. Hätte die Stimme von William Elliott Whitmore nur ein Bruchteil des Man in Black in seinen letzten Jahren - an Volumen oder Tragfähigkeit, von dessen Kreativität mal ganz zu schweigen -, wären wir glücklich und unser Ärger löste sich auf zu lauer Luft. So bleibt ziemliche Windstille.

(Joerg Utecht)

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Highlights

  • Diggin' my grave

Tracklist

  1. Midnight
  2. The day the end finally came
  3. When push comes to love
  4. Diggin' my grave
  5. The buzzards won't cry
  6. Sorest of eyes
  7. Lift my jug (Song for Hub Cale)
  8. Gravel road
  9. Porchlight

Gesamtspielzeit: 35:01 min.

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