The Kills - No wow

The Kills- No wow

Domino / Rough Trade
VÖ: 21.02.2005

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Mostly harmless

Arthur Dent war schockiert, als er zum ersten Mal las, was der Reiseführer "Per Anhalter durch die Galaxis" über die Erde zu sagen hatte, den schönsten und zugegebenermaßen bis dahin auch einzigen Planeten, den er je gesehen hatte. Unter diesem Stichwort fand sich nur ein einziges Wort: "Harmlos." Auch die in einer späteren Auflage publizierte Fassung "Größenteils harmlos." machte Arthur Dent nicht wirklich glücklich. Andererseits: Wer schon mal die Schönheit eines Doppelsonnenuntergangs über purpurnen Meeren gesehen hat oder der grausamen Gefahr Vogonischer Lyrik gegenüberstand, steht dem kleinen, blaugrünen Planeten irgendwo am westlichen Ende der Galaxie mit einem gelangweilten Schulterzucken gegenüber.

Ganz ähnlich verhält es sich mit einer Band namens The Kills, die seit kurzer Zeit für übermäßig viel Aufsehen sorgt. Rational erklärbar ist das nicht. Stattdessen schrillt der Hype-Alarm unablässig, und man fragt sich, ob die musikhörende Gemeinde mal wieder kollektiv das Bewußtsein verliert. Die Mischung aus elektronischen Minimalbeats, Zerrgitarre und leicht laszivem Gesang ist nett, ohne Zweifel. Die atemlos angekündigte Sensation aber verbirgt sich ganz sicher nicht dahinter. Bei Jon Spencer klingt es gefährlicher, bei Garbage sexier, und P.J. Harvey kann all das geheimnisvoller. Außerdem ist Jon Spencer sexier, Garbage sind geheimnisvoller und P.J. Harvey ist definitiv gefährlicher.

The Kills dagegen, und daran läßt das neue Album "No wow" keinen Zweifel, werden durch das Attribut "größtenteils harmlos" einfach perfekt und umfassend beschrieben, eben genau wie dieser seltsame Planet, von dem sie stammen. Und genau wie bei der Erde werden die musikalischen Pendants zu Arthur Dent dieses Urteil nicht verstehen und für hochgradig ignorant und ungerecht halten. Hey, ignorant war die alte Auflage, die das "größtenteils" unterschlagen hat. Alles eine Frage des Blickwinkels. Und wenn der Galaxiebummler mal ausruhen möchte, kommt der Hinweis auf einen harmlosen Ort doch wie gerufen.

Es gibt diese Platten, die Dir förmlich die Luft abdrücken, die Dich voll und ganz einnehmen, die jedes Quentchen Deiner Aufmerksamkeit für sich in Anspruch nehmen. "No wow" fesselt einfach nicht auf diese Weise. Nebenbeschäfftigungen sind hier beim Hören keinesfalls ausgeschlossen. Sorry, aber auch wenn The Kills sich redlich bemühen: Die wissen einfach nicht, wo ihr Handtuch ist.

(Rüdiger Hofmann)

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Highlights

  • No wow
  • At the back of the shell

Tracklist

  1. No wow
  2. Love is a deserter
  3. Dead road 7
  4. The good ones
  5. I hate the way you love
  6. I hate the way you love Part 2
  7. At the back of the shell
  8. Sweet cloud
  9. Rodeo town
  10. Murdermile
  11. Ticket man

Gesamtspielzeit: 40:01 min.

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