Tori Amos - The beekeeper

Tori Amos- The beekeeper

Epic / Sony BMG
VÖ: 21.02.2005

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Go on and fly

Tori Amos lächelt. Zum allerersten Mal auf einem Albumcover. Verschmitzt beinahe, auf jeden Fall aber mit Selbstsicherheit. "Es ist sicherlich nicht das künstlerischste Cover", rechtfertigt sie sich im Interview. "Wir haben eine Menge Fotos gemacht. Aber die Leute wurden irgendwie zu dem Foto hingezogen, das habe ich beobachtet. Du auch?" Aber natürlich. Genau wie zu "The beekeeper". Es ist sicherlich nicht das ambitionierteste Album ihrer Karriere. Aber das einladendste und außerdem das beste seit "Boys for Pele".

Sie hat sich nicht nur gesammelt, sondern wiedergefunden. "Strange little girls" und "Scarlet's walk", die beiden letzten Werke von Tori Amos, waren alles andere als schlecht - sie wurden lediglich in das zu enge Korsett eines Konzeptalbums gezwängt. Damit ist jetzt Schluß. "The beekeeper" repräsentiert zwar Tori Amos' Faszination für die alte Tradition der Imkerei und spielt auch immer wieder mit ihren Motiven. Es ist zudem als Reaktion zu sehen auf die Machenschaften Amerikas und der Welt und auch eine späte Aufarbeitung ihrer Jugend als Pfarrerstochter. Aber letztlich ist es vor allem eine riesengroße, scheinbar unerschöpfliche Sammlung großer Songs. 19 an der Zahl in fast 80 Minuten.

Was Tori Amos in zwei Jahren erschaffen hat, wird den Hörer noch viel länger beschäftigen. Und nimmt ihn mit auf lange und teils langwierige Entdeckungsreisen, bei denen erst das Ziel belohnt. Mag sein, daß sich einige Songs schlicht nicht erschließen lassen, insbesondere das unnötige, von Bongos begleitete "Hoochie woman". Die meisten der 19 jedoch halten brillante Geheimnisse bereit. Tori Amos will nicht mehr alles erzwingen. Sie überrumpelt einen nicht, sondern berieselt, umspielt und umschließt. Auch wenn man nie so richtig weiß, wovon sie singt, ob von sich oder anderswem oder gleich allem und jedem: Bei der luftigen Single "Sleeps with butterflies" scheint man die Protagonistin genau zu kennen: "I don't hold on / To the tail of your kite / I'm not like the girls that you've known / But I believe I'm worth coming home to / Kiss away night / This girl only sleeps with butterflies / So go on and fly then / Boy."

Die ländliche und familiäre Idylle scheint ihr gut getan zu haben. Mit ihrer Tochter Natashya und ihrem Ehemann, dem Tontechniker Mark Hawley, lebt sie irgendwo in Cornwall. Und ihrem Angetrauten ist auch die größte musikalische Veränderung auf "The beekeeper" anzulasten. Er war es, der ihr eine Orgel zu Weihnachten geschenkt hat, mit der sie sich nach und nach angefreundet hat. In vielen Songs tönen ihr geliebtes Boesendorfer-Piano und die Hammond im Einklang, oft nimmt sogar letztere die Zügel in die Hand. Das nur anfangs gewöhnungsbedürftige "Sweet the sting", "Ireland" oder das groovende, mit Gospelchor versehene "Witness" schallen in einem Sound, den man zuletzt von Joss Stone gehört hat. Ohne es zu wissen hat man vielleicht nur darauf gewartet hat, bis jemand wie Tori Amos ihn annimmt.

Auch den bewährteren Klängen stehen die neue Stimmung und das neue Instrument bestens zu Gesicht. "Parasol" findet den Frieden in den eigenen vier Wänden. "The sexiest thing is trust", stellt das wunderbare "Jamaica Inn" fest und trotzt damit den Piraten an der Küste. Das beklemmende "The power of orange knickers" singt Tori Amos im Einklang mit Damien Rice, hinterfragt Stereotypen und den Terrorismus auf der Welt und im Persönlichen. "Mother revolution" beweist Stärke in einem schwachen Zeitalter. "Goodbye pisces" ist eine Art Kinderlied durch die Augen der weisen Tori Amos. Und mit "Original sinsuality" hinterfragt sie die Sache mit dem Garten Eden und ist plötzlich näher an Kate Bush als je zuvor. Tori Amos ist sicherlich noch immer nicht zufrieden mit allem, was da drin und da draußen wütet. Aber sie hat ihr vorläufiges Glück gefunden. Und ist sicher schon auf der Suche nach dem nächsten.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Parasol
  • The power of orange knickers
  • Jamaica Inn
  • Sleeps with butterflies
  • Original sinsuality

Tracklist

  1. Parasol
  2. Sweet the sting
  3. The power of orange knickers
  4. Jamaica Inn
  5. Barons of Suburbia
  6. Sleeps with butterflies
  7. General joy
  8. Mother revolution
  9. Ribbons undone
  10. Cars and guitars
  11. Witness
  12. Original sinsuality
  13. Ireland
  14. The beekeeper
  15. Martha's foolish ginger
  16. Hoochie woman
  17. Goodbye pisces
  18. Marys of the sea
  19. Toast

Gesamtspielzeit: 79:23 min.

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User Beitrag
Leatherface
2009-01-13 14:53:58 Uhr
Momentan habe ich eine Beekeeper-Phase. Normalerweise sind mir die Songs zu seicht, aber zur Zeit gefällt es mir irgendwie sehr gut, vor allem das ohrwurmige "Cars & Guitars". Das hätte sie als Single auskoppeln sollen.
Tino81
2005-06-19 23:14:19 Uhr
Nochmal zu "The Beekeeper": Finde ich sehr gelungen. 10mal besser als das dröge "Scarlet´s walk".
Fantastisch: Parosal, The power of orange knickers, Sweet string
Mixtape
2005-06-17 05:57:09 Uhr
Die "Precous Rarities" lohnt sich schon allein wegen "A case of you". Diese Version treibt mir jedesmal Tränen in die Augen...
Greylight
2005-04-03 23:25:13 Uhr
@Andre

Der ist auf dem "Heil Tori"-Doppelalbum, du Volldepp. Dieses besitzt übrigens durch die SS-Technologie einen Sonderschutz, deshalb kann man es nicht kopieren. Wieso sollte ich nach mehreren hirnamputierten Sprüchen von dir hier im Forum eine vernünftige Antwort geben? :-/

Obwohl, ein wenig Tori Amos zu hören, könnte deinen Horizont vielleicht mal erweitern... Der Song ist auf keinem Album, er ist lediglich auf der "Crucify"-EP und die gibt es zumindest bei Amazon nur als Import. Du könntest dir als Einstieg aber auch gut entweder das Album "Little Earthquakes", oder "Under the pink", oder die "Tales of a librarian"-Pseudo-Best-Of zulegen. Tori hat noch weitaus bessere Songs auf Lager, als dieses auf jeden Fall großartige Nirvana-Cover.
Andre
2005-04-03 14:49:21 Uhr
auf welcher platte ist smells like teen spirit

danke schonmal im voraus
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