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Desperate Fight / Stickman
VÖ: 26.09.2000

Unsere Bewertung: Ohne Bewertung

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Neuer Krach

"We need new noise, new art for the real people." Dieser zentrale Satz des einzigen Hits der viel zu kurzen Karriere der schwedischen Punk-Erneuerer Refused scheint die oberste Maxime eines ansonsten völlig maximenlosen Kollektivs namens Text zu sein, welches sich hauptsächlich aus den Überresten eben dieser Band rekrutierte. Nachdem sich Refused im Sommer 1998 aufgelöst hatten, sollte ein neuer Krach her, der die Mauern einer Musik endgültig sprengte, die mit "The shape of punk to come" schon eingerissen waren. Viele der Strukturen und Theorien hinter diesem bahnbrechendem Album werden nach Aussage der restlichen Band auch in diesem Projekt weitergeführt, ausgedehnt, gar überdehnt.

Zwischen Dub und Industrial, zwischen Postrock und purem Lärm mäandert hier etwas durch die Gegend, was schon vor dem Ableben der Vorgängerband als kollektive Vision am Horizont erkennbar gewesen sein soll. Mit dem Ende von Refused war aber auch dieses Projekt zunächst am Ende, bis sich der Schwedische Rat für kulturelle Angelegenheiten einmischte und diese Vision kurzerhand zur Kunst erklärte. Wer Zeilen wie "Auschwitz - the modern neurotic dream" losläßt, seine Tracks "Collages désertes, 1ère tableau: Du sable" nennt und über zwanzig Minuten dauern läßt, muß denn auch wohl ein Künstler sein. Songstrukturen braucht niemand, und Ideen sind sich selbst genug.

"Diese Musik dokumentiert ein wahrhaft subversives musikalisches Kollektiv in komplettem Aufruhr", weiß das Presseinfo. Dieser Aufruhr findet sich auch in "The Huntsville treaty", einem Bastard aus Elektro, Hardcore und Dub. Es sägen die Gitarren, es dröhnt das Schlagzeug und der Chefneurotiker des Text-Kollektivs läßt ein enervierendes "My language is dead" erschallen. "Du magst es Punkrock nennen, und Du magst es alles außer Punkrock nennen", sagt Drummer David Sandstrom. Punkrock jedoch ist ein Etikett, das man dieser Scheibe tunlichst nicht ankleben sollte. Stille, Krach, Rezitationen, gelegentliche Melodie. Hier ist viel zu viel Experiment, als daß man sich auf die grundlegenden Drei-Akkord-Schemata einlassen würde. In "- We have explosives! - Schmexplosives?" kracht zwar ebenfalls eine neurotische Gitarre umher, aber diese befindet sich alsbald im steten Fluß wieder. Schon bald flüstern sich verhallte Klaviertexturen an schwebenden Geräuschen entlang. Am Ziel angekommen wissen sie zu berichten, daß Postrock mittlerweile auch Schweden erreicht hat.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Sound is compressed; words rebel and hiss
  • The Huntsville treaty

Tracklist

  1. Requiem for Ernst-Hugo (1928-1998)
  2. Sound is compressed; words rebel and hiss
  3. Collages désertes, 1ère tableau: Du sable
  4. - We have explosives! - Schmexplosives?
  5. Those kids are gone
  6. Collages désertes, 2ème tableau: Du soleil
  7. The Huntsville treaty
  8. Collages désertes, 3ème tableau: Du chemin

Gesamtspielzeit: 64:39 min.

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