Lake Placid - Make more friends

Lake Placid- Make more friends

Universal
VÖ: 07.02.2005

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Kirmeskunst

Die skandinavischen Länder gelten hier ja in Alternative-Kreisen bisweilen als eine Insel der Glückseligen. Norweger, Schweden und Dänen haben eine derart große Menge an Lieblingsbands der Gitarrenfraktion hervorgebracht, daß uns Mitteleuropäern der Mund vor Staunen offen steht und neidvolle Blicke als einzig ehrliche Reaktion möglich sind. Etwas aus dem Rahmen fallen da die Finnen, die seit Jahr und Tag gerne Klischees erfüllen und dem ihnen angedichteten Wahnsinn auch musikalisch nachkommen. Wer freut sich zum Beispiel nicht auf das kommende Release der 22 Pistepirko? Von Eläkeläiset ganz zu schweigen.

Nun geschieht es allerdings eher selten, daß ein veritables Elektropop-Kollektiv den Weg über die deutsch-dänische Grenze findet, um im Süden Freunde zu gewinnen. Genau dies könnte aber Lake Placid mit ihrem Album "Make more friends" gelingen. Nur eine klitzekleine Hürde gilt es für unvoreingenommene Hörer zu überwinden: Just der erste Song auf dem ansonsten durchgehend überzeugenden Album ist eine Zumutung. "Me and my friends" klingt, als ob eine Allstar-Band bestehend aus Blümchen und Mitgliedern von sagen wir mal Ace of Base und Chumbawamba den Auftrag erhalten hatten, die Eröffnung des örtlichen Jahrmarkts musikalisch zu unterstützen.

Doch schon mit dem zweiten Stück deuten die Mannen um Sängerin TK an, daß sie in der Musikschule die 80er ganz besonders gründlich durchgenommen haben. "Is this love" erfreut - wie auch manches weitere Stück - mit lange nicht mehr gehörten alten Synthesizer-Klängen, schepprigen Drums und einer kühlen Attitüde à la Blondie. Weiter geht es mit einem bunten Stilmix. "Chimes" lädt zum Mitpfeifen ein, "Are you with me" wandelt auf einem eigentlich schon ausgetrampelt gewähnten Pfad, den links und rechts Dub und Ska begrenzen, in der Mitte von gitarrenlastigem Powerpop angetrieben. So hat das eine gewisse Frau Stefani selten hingekriegt.

"To enjoy Life" bietet den für eine dänische Band wohl unumgänglichen Björk-Soundalike-Contest-Beitrag. "We all bleed", das Abschlußstück, umsäuselt wieder gar lieblich die Ohrmuschel und lädt ein zum nachkarnevalistischen Mitschunkeln. Nachdem der letzte Ton verklungen ist und die Synapsen so langsam austrudeln, ahnen wir, daß der Vorwurf der Chartstauglichkeit auch durchaus als Kompliment gemeint sein kann.

(Joerg Utecht)

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Highlights

  • Chimes
  • Are you with me

Tracklist

  1. Me and my friends
  2. Is this love
  3. Get up
  4. Chimes
  5. This air
  6. Are you with me
  7. We are the lakes
  8. My machine
  9. To enjoy life
  10. We all bleed

Gesamtspielzeit: 32:53 min.

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