Running Wild - Rogues en vogue

Running Wild- Rogues en vogue

G.U.N. / BMG
VÖ: 21.02.2005

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Narhallamarsch

Seltsam. Eigentlich ist Hamburg doch karnevalsfreie Zone. Warum bloß geht Rolf Kasparek dann aber ständig als Freibeuter, als matteschüttelnder Liekedeeler namens Rock'n'Rolf? Und warum erscheinen Running-Wild-Alben mit schöner Regelmäßigkeit im Februar, also so ziemlich ungefähr beinah genau zum Rosenmontag? Und wieso klingt die Mucke nach schlappen 20 Jahren Bandkarriere immer noch wie die Roten Funken des Karnevalsvereins Köln-Porz auf Ecstasy? Warum nur?

Hatten wir uns vor zwei Jahren anläßlich "The brotherhood" noch mit letzter Kraft aus den Fängen der Bruderschaft Des Wahren True Metals entreißen können, so läßt man uns diesmal mit Bravour über die Planke gehen. Beispiel gefällig? "The cannons are packed and loaded / Ready to shoot their load / A cracking round is blowing / Shaking the sea and the boat / A cloud of smoke and fire is blacking out the sea / The flag in white is rising, no more chance to flee." Rolf, Du glaubst gar nicht, wie recht Du damit hast. Mal ganz davon abgesehen, daß die Piraten-Nummer so abgestanden ist wie der 3.564. Witz des Colonia-Duetts: Auf "Under Jolly Roger", damals, 1987, hätte diese Nummer nicht den Hauch einer Chance gehabt. Ebenfalls hart an der Grasnarbe das zehnminütige "The war", ein Song über den Ersten Weltkrieg. Wer es eines Tages wagen sollte, das Wort gegen Iced Earths "Gettysburg (1863)" oder "The battle of Waterloo" vom Bandhighlight "Death or glory" zu erheben, wird mit diesem zusammengestückelten Songrudiment nicht unter drei Durchläufen bestraft.

Kommen wir nun zu einem weiteren Running Gag bei Running Wild (tätääää!): dem Sound. Wie soll man's formulieren? Aufgenommen wurde "Rogues en vogue" in Kaspareks eigenem Jolly-Roger-Sound Studio. Er produzierte, mixte, spielte Gitarre und Baß. So weit, so gut. Es gibt ja die Vermutung, daß es sich bei besagtem Studio um eine Vierzimmerwohnung in Hamburg-Barmbek handelt. Der Baß wird im Wohnzimmer gezupft, die Gitarre und vor allem der Verstärker liegen unter einem Kubikmeter Schmutzwäsche, und Rolf preßt seine Gesangslinien bei wichtigen Sitzungen auf dem Schacht raus. Fürs Drumkit war kein Platz, das steht unten in der Garage. Tja, und das einzige Mikro ist im Hausflur. Hört sich grausam an? Stimmt. Zumal Drummer Matthias Liebetruth wie eine Maschine trommelt: Entweder volles Pfund oder eben gar nicht, eins oder null, völlig binär. Selbst sein Vorgänger Angelo Sasso runzelt da die Siliziumstirn.

Gingen die Vorgängeralben doch noch irgendwie als "amüsant" durch, waren sie bisweilen sogar echte Kracher, so ist "Rogues en vogue" mittlerweile nur noch peinlich. Daß Rock'n'Rolf nur einen Song schreiben kann, ist hinlänglich bekannt, aber zuvor gab's auch mal Abwechslung in der Musik. Einziger Lichtblick ist "Angel of mercy", bei dem die Nackenmuskeln endlich mal in Aktion treten können. Ja, sogar in die richtige Richtung. Ach ja, und das Booklet hat keine Fotos. Glück gehabt. Um also auf die eingangs gestellten Fragen zurückzukommen: In Hamburg ist tatsächlich kein Karneval. Die meinen das ernst. Bitter ernst.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Angel of mercy

Tracklist

  1. Draw the line
  2. Angel of mercy
  3. Skeleton dance
  4. Skull & bones
  5. Born bad, dying worse
  6. Black gold
  7. Soul vampires
  8. Rogues en vogue
  9. Winged & feathered
  10. Dead man's road
  11. The war

Gesamtspielzeit: 56:39 min.

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