LCD Soundsystem - LCD Soundsystem

LCD Soundsystem- LCD Soundsystem

DFA / EMI
VÖ: 24.01.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Da punk

Wenn James Murphy großkotzt, daß Daft Punk einen Rave in seinem Wohnzimmer veranstalten, könnte man ihm das glatt abkaufen. Dabei hätte er es gar nicht nötig, sich irgendwelche abgehalfterten Franzosen in die Hütte zu holen. Denn Murphy ist nur deswegen nicht mehr auf schnurgeradem Weg zur Decke, weil er diese längst durchbrochen hat. Dank seiner Produktionen mit Partner Tim Goldsworthy von U.N.K.L.E. unter dem Emblem DFA hat man ihn längst zum Disco-Propheten ernannt. Zählen wir doch mal seine Verdienste auf: Mit dem großartigen "Echoes" von The Rapture und den Durchknallten von !!! brachte er die Kuhglocke zurück auf die Tanzfläche. Und bevölkerte das Parkett gleich derart dreist mit heruntergefickten Rockernasen, daß selbst Technoheads mit ihnen das Headbangen üben wollten. Und mit seinem eigenen Spielzeug namens LCD Soundsystem zerstörte er antike Grooveboxen, schredderte harmlose Mikrophone und fügte unschuldigen Analog-Bässen mittelschwere Bänderdehnungen zu. Hype? Mit Sicherheit.

Wer die auf diversen Maxis und EPs veröffentlichte Wagenladung absurder Tanzhöllenfeger von "Losing my edge" bis "Give it up" tatsächlich verpaßt haben sollte, bekommt diese beim ersten Album von LCD Soundsystem gleich in handlicher Versammlung dazu geschenkt. Sogar wer bei Housekram üblicherweise Arschjucken bekommt, sollte das mal anchecken. Dabei sind die neun neuen Treter, die Murphy zusammengelötet hat, beinahe noch feister. Vom schon erwähnten Knarzer "Daft Punk is playing at my house" über das debil grinsende "Tribulations" und den elektropunkenden Klatschmarsch "Movement" bis hin zum hirnerweichenden "Disco infiltrator" nimmt Murphy alle Ecken und jeden Fallstrick mit. Bis seine Tracks nur noch aus rostigen Beulen bestehen. So - und nur so - funktioniert Zukunftsmusik. Zumindest wenn man den einschlägigen Postillen glauben darf. Vielleicht sehr, sehr geil.

Wie aber klingt dieses gesäßkühle Soundgewirr denn nun? Ballermanniger Tanztrash schnüffelt punkzertifizierten Klebstoff. Ferngesteuerte Schweinerocker sägen an den Kabeln stotternder Synthis. Stupendes Umz-umz zerfließt unter arg angefressenen Parolen. Punk, New Wave, Electroclash und House veranstalten inzestuösen Sex. Zischelnde Grooves und Blubberbässe buchstabieren D.I.S.C.O. wie ein debiles Mantra. Vorgestrige Ex-Futurismen schwirren umher. Und mittendrin nimmt Murphy die gleichen schlechten Drogen wie Mark E. Smith und David Byrne. Denn Spaß ist hier gefälligst noch harte Arbeit. "Yeah! Yeah! Yeah!" Kurz: LCD Soundsystem sind das Gegenteil von Scooter.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Daft Punk is playing at my house
  • Tribulations
  • Movement
  • Give it up
  • Losing my edge

Tracklist

  • CD 1
    1. Daft Punk is playing at my house
    2. Too much love
    3. Tribulations
    4. Movement
    5. Never as tired as when I'm waking up
    6. On repeat
    7. Thrills
    8. Disco infiltrator
    9. Great release
  • CD 2
    1. Losing my edge
    2. Beat connection
    3. Give it up
    4. Tired
    5. Yeah (Crass version)
    6. Yeah (Pretentious version)
    7. Yr city's a sucker (Full version)

Gesamtspielzeit: 100:29 min.

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