Sage Francis - A healthy distrust

Sage Francis- A healthy distrust

Epitaph / SPV
VÖ: 07.02.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

American idiot

Um im HipHop heute noch als Freak durchzugehen, muß man sich schon ganz schön was einfallen lassen. Mittlerweile hat es schließlich alles gegeben, vom hyperaktiven Spinner mit Wecker um den Hals über nackte Weißbrotärsche bis zum kahlgeschorenen Fettsack mit Duschhaube. Für Sage Francis ist das aber trotzdem kein Problem. Der Mann schmückt sich nämlich nicht nur mit einem Gesamtlook, der mit "wirr" noch reichlich freundschaftlich umschrieben wäre. Er macht auch Musik, die Genregrenzen einreißt, wie wir Bodybuilder sonst Telefonbücher. Und damit wird man im HipHop schnell zum Sonderling.

Auffälligstes Merkmal an Francis' zweiter Platte "A healty distrust" ist zunächst mal einer, mit dem man hier nun wirklich nicht gerechnet hätte. Folk-Bundeskanzler Will Oldham, hier in seiner Will-Oldham-Inkarnation, hinkebeint beinahe unbemerkt durch "Sea lion", den zweiten Track. Ein einziges Nölen neben der Spur, das schnell symptomatisch werden soll für diese Platte, die immer einen Tick zu spät dran zu sein scheint, immer knapp übers Ziel hinausschießt und sich das natürlich nicht eine Sekunde lang als Kritikpunkt anheften ließe. "I'm a poor man's version of a rich man", meint Sage dazu selbst und läßt die Schultern hängen. Ziemlich genügsam für einen, der nebenbei noch erfolgreich an zwei Unis studiert hat.

Mehr noch zu den Gästen: Danger Mouse, der verhinderte fünfte Beatle, hat den Beat zur bitterbösen Knarren-Abrechnung von "Gunz yo" gefertigt. Und Alias, auch ein Held unten im HipHop und hier an vier Tracks beteiligt, sampelt für Sages zungenbrechende Raps aus "Escape artist" gar ein Cembalo neben den Breakbeat. Chef bleibt freilich trotzdem immer Mr. Francis, der über seinen stets sehr körperlichen, lebendigen Gerüsten mit eckig-kauzigem Flow, Carson-Daily-Wortwitz und gut versteckter Ernsthaftigkeit gegen Schwarz-Weiß-Malerei, 9/11-Hysterie und gerne auch mal den lieben Gott anstinkt. "Asking all these questions ain't highly recommended / They'd eventually get answered." Die Lage der Nation, sorgsam verabreicht in allzeit bereiten Giftspritzen.

Fast möchte man beim Versuch, Francis' verzwirbelten Gedankengängen Folge zu leisten vergessen, daß "A healthy distrust" mitunter ziemlich guten, alten Crossover auf den Tisch bringt. Mit seinen dunkel dröhnenden Gitarren vielleicht sogar ein wenig zu weit geht und überhaupt musikalisch nicht immer auf der Höhe von Sages Non-Prophets-Projekt ist. Aber dann macht er eben schnell mal wieder Sachen wie "The buzz kill", das einen am Schlafittchen in die Platte reinschleift, spannt beim ungezwungenen "Lie detector test" aus oder setzt mit "Jah didn't kill Johnny" das lange fällige Denkmal für einen geistesverwandten Übervater. Als Free-Folk-Mundharmonika-Singalong. "God would never kill Johnny Cash." Und jetzt alle!

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • The buzz kill
  • Sea lion (feat. Will Oldham)
  • Lie detector test
  • Jah didn't kill Johnny

Tracklist

  1. The buzz kill
  2. Sea lion
  3. Gunz yo
  4. Escape artist
  5. Product placement
  6. Voice mail bomb threat
  7. Dance monkey
  8. Sun vs moon
  9. Agony in her body
  10. Crumble
  11. Ground control
  12. Lie detector test
  13. Bridle
  14. Slow down Gandhi
  15. Jah didn't kill Johnny

Gesamtspielzeit: 47:27 min.

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