The Fiery Furnaces - EP

The Fiery Furnaces- EP

Rough Trade / Sanctuary / Rough Trade
VÖ: 31.01.2005

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Kindergarten cops

Großer Räumungsverkauf bei Toys"R"Us. Fisher Price, Playmobil, Spongebob. Alles, was schön bunt ist und Geräusche macht, all das mußte raus. Und weil es der Zufall so wollte, sind die Fiery Furnaces am gleichen Abend mit ein paar riesengroßen Einkaufstüten nach Hause gekommen. Eigentlich waren sie ja fest eingeplant, wie gemacht für den Job als White-Stripe-Follow-Ups. Matthew und Eleanor Friedberger schwebte allerdings etwas anderes vor - und so endeten sie schließlich als Showmaster in ihrer eigenen Sendung mit der Maus. Aber richtig, "Blueberry boat" haben sie natürlich auch noch gemacht. Die Platte von 2004, die klang wie keine andere. Oder alle anderen gleichzeitig. Anyway. Es ist noch übrig.

Ein paar Kilo Zeug sind liegen geblieben. Die Single "Single again" zum Beispiel, ihrerzeit nicht auf der Platte, weil kein Platz mehr war. Oder die andere Single "Tropical-iceland", damals im Wahnsinns-Gitarrenkiller-Remix parallel zum Debütalbum "Gallowsbird's bark" veröffentlicht. Das hätte zwar noch ein paar Minuten übrig gehabt, hatte aber auch den Song schon in einer anderen Version drauf. Außerdem auf "EP": B-Seiten, Unveröffentlichtes, Geräusche, Geschichten, Ideen. Zu Tausenden, in zehn Songs reingequetscht. Wir haben's jetzt nicht nachgestoppt oder so. Aber so lang wie hier müssen 42 Minuten erstmal werden.

Obwohl also alles wieder da ist - twangy Wah-Wah-Gitarren, Stimmbruch-Geschwister-Gesang, Klavier-Parts, die plötzlich bekloppt werden - fehlt "EP" aber naturgemäß doch eine entscheidende Kleinigkeit: der Überraschungseffekt. Was "Blueberry boat" so allumfassend geil gemacht hat, war eben sein außer Kontrolle geratenes Jürgen-Klinsmann-Songwriting, seine "Keine-Ahnung-was-jetzt-gleich-passiert-aber-deshalb-kannst-Du-es-ja-auch-nicht-wissen"-Einstellung. Um das mal in einem Wort zusammenzufassen. "EP" jedenfalls ist das gleiche Spiel mit neu gemischten Karten. Jetzt kennt jeder die Regeln, jetzt weiß jeder Bescheid. Aber "Fang den Hut" hat ja beim zweiten Mal auch noch Spaß gemacht.

Und so ist das natürlich auch hier. Zwischen lustigem Boogie-Rock, Piano-Mann-Eskapaden und der inoffiziellen Weltmeisterschaft im Furzgeräusche imitieren. "Here comes the summer" liegt da gut im Rennen und tut sich auch sonst durch streberhafte Gradlinigkeit hervor. "Duffer St. George" hat dafür mehr Songs als Minuten. Und bei "Smelling cigarettes" gibt's dann schon wieder Nachschlag umsonst und epische Extrarunden. Weil wir aber auch noch was im Ernst sagen wollen: Matthew Friedberger hat sich seine Schwester mittlerweile zu einer wirklich fantastischen Wort-Jongleurin dressiert. Wer diese Wunderkinder-at-work-Musik also nicht aushalten kann, sollte die Platte wenigstens kaufen, um das Textbuch daheim zu haben.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Single again
  • Tropical-iceland
  • Duffer St. George
  • Smelling cigarettes

Tracklist

  1. Single again
  2. Here comes the summer
  3. Evergreen
  4. Sing for me
  5. Tropical-iceland
  6. Duffer St. George
  7. Smelling cigarettes
  8. Cousin Chris
  9. Sweet spots
  10. Sullivan's social slub

Gesamtspielzeit: 41:41 min.

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